Der 1. FC Köln hat beim 1:0 gegen Wolfsburg Zusammenhalt und Kampfgeist im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga demonstriert.
1. FC KölnDer Zusammenhalt ist unverkennbar

Vorbildlich: Kämpfer Kristoffer Lund (2.v.l.) und Torwart Marvin Schwäbe (3.v.r.). Bild: Herbert Bucco
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Die Südkurve hatte ihre Entscheidung schon vor dem Schlusspfiff getroffen. Die Fans feierten ihren Torwart mit „Marvin Schwäbe, Marvin Schwäbe“-Gesängen für eine Leistung, die dem 1. FC Köln beim 1:0 (1:0)-Heimsieg gegen den VfL Wolfsburg drei enorm wichtige Punkte gesichert hatte. Der FC-Kapitän hatte in der Nachspielzeit mit seinen Paraden gegen Kento Shiogai und Adam Daghim am Freitagabend für allgemeine Erleichterung und ausgelassene Stimmung gesorgt und war zum zweiten Mal in dieser Saison nach dem 1:0 in Hoffenheim ohne Gegentor geblieben.
„Es ist natürlich schön, wenn die Fans meinen Namen rufen. Am Ende ist es mein Job, der Mannschaft zu helfen, die sich belohnt und verdient gewonnen hat“, blieb Schwäbe sachlich. Die Entspannung nach den Strapazen der Schlusssequenz und noch viel mehr der vergangenen Wochen war dem 30-Jährigen aber deutlich anzusehen.
Der FC-Keeper hatte nicht nur bei den Wolfsburger Großchancen die Ruhe bewahrt, ihm ist es auch zu einem großen Teil zu verdanken, dass die Kölner trotz der ausbleibenden Ergebnisse und der unverhohlenen und heftigen Kritik an ihrem Trainer Lukas Kwasniok als Team nicht auseinandergebrochen sind. „Er hält uns zusammen, auf und neben dem Platz. Was Marvin hier in den vergangenen Jahren macht, ist unfassbar. Wir sind froh, dass er unsere Nummer eins ist“, adelte 1:0-Torschütze Linton Maina seinen langjährigen Teamkollegen und überließ Schwäbe die Ehre, „Spieler des Spiels“ zu sein.
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Er hat das Herz am rechten Fleck und ist ein brutaler Arbeiter.
Maina, der im Kwasniok-Kader neben Alessio Castro-Montez und Tom Krauß zu den „Auferstandenen“ der Winterpause gehört und seinen dritten Scorerpunkt in den jüngsten vier Partien sammelte, ließ mit seiner Aussage tief blicken. Offensichtlich bestand die Möglichkeit, dass sich im Mannschaftsgefüge aufgrund von Kwasnioks Personalmanagement Risse auftun und der Rückhalt für den Trainer schwindet.
Das 1:0 gegen die nach schwacher erster Hälfte stark aufkommenden Wolfsburger hat nach den Spielen gegen Heidenheim (2:2), Bayern (1:3), Mainz (2:1) und Freiburg (1:2) den nachhaltigsten Beweis dafür erbracht, dass es zwischen Mannschaft und Trainer stimmen dürfte. Die Bereitschaft, sich bis zum Schluss aufzuopfern und alles zu geben, stand im Vordergrund und zeichnete das Kölner Team an diesem nasskalten Freitagabend in Müngerdorf aus.
„Die Leute wollen ja guten Fußball sehen, und wenn ich heute TV-Zuschauer gewesen wäre, hätte ich eher ausgemacht. Ich bin aber Trainer dieser Mannschaft und dann macht es mich extrem stolz. Fighten, füreinander da sein und sich in Bälle werfen, sind Attribute, die vielleicht unsexy sind, aber die zu diesem Verein, zu dieser Mannschaft und zu meiner Identität passen“, erklärte Lukas Kwasniok die Notwendigkeiten im Kampf um den Klassenerhalt in der Bundesliga.
Wer, wie der so oft schon unglückliche Kristoffer Lund, der häufig auf den Positionen hin- und hergeschobene Tom Krauß oder der lange im zweiten Glied stehende Linton Maina auf die persönlichen Befindlichkeiten pfeift und sich stattdessen in den Dienst der Mannschaft stellt, hat verstanden, worum es Kwasniok geht. Eigenschaften, die letztendlich dazu führen können, dass Glaube und das nötige Quäntchen Glück zurückkehren und Spiele gewonnen werden können.
Rund um Karneval stehen komplizierte Aufgaben für den FC an
Kein Wunder, dass der FC-Coach ein Extralob für seinen Linksverteidiger parat hatte: „Er hat das Herz am rechten Fleck und ist ein brutaler Arbeiter. Es gab Phasen, da ist er nach Auswärtsspielen mit Ragnar Ache noch aufs Laufband gegangen. Das ist ihre Arbeitseinstellung und der Geist, den sie in der Mannschaft verbreitet“, sagte der 44-Jährige und erklärte den Sinn im Fußball und im Leben: „Es geht darum, Widerstände zu überwinden und sich zu belohnen.“
Der FC hat sich belohnt, sich vom unglücklichen 1:2 in Freiburg nicht zurückwerfen lassen und zum ersten Mal in dieser Saison zwei Heimspiele hintereinander für sich entscheiden können. Das bedeutet etwas mehr Luft vor den Karnevalstagen und den komplizierten Aufgaben gegen Leipzig, in Stuttgart und gegen Hoffenheim. Der Abstiegskampf umfasst nach 20 von 34 Spieltagen ein breites Feld, das bei Union Berlin und Platz neun losgeht. Nur fünf Punkte beträgt der Vorsprung der Geißböcke auf Relegationsplatz 16 und den 1. FSV Mainz 05, der mit dem 2:1 in Leipzig den nächsten Beleg ablieferte, dass er mit aller Macht aus dem Keller kommen möchte.
Das ist hartes Brot, aber mit einem Schluck Wasser kann man auch hartes Brot ordentlich verdauen.
„Das war jetzt unser sechster Sieg und ich habe nach dem Leverkusen-Spiel gesagt, dass man rund zehn Siege benötigt. Da sind wir jetzt auf einem guten Weg, aber es wird sicher kein Selbstläufer, vier Siege aus den restlichen 14 Spielen zu holen“, rechnete Lukas Kwasniok vor und versuchte sich in der Kreation eines Leitsatzes für die kommenden Wochen: „Das ist ein hartes Brot, aber mit einem Schluck Wasser kann man auch hartes Brot ordentlich verdauen.“ Will bedeuten, dass die einfachen Mittel wie Zusammenhalt und Kampfgeist am Ende den Ausschlag über Erfolg oder Misserfolg geben werden.
„Wir werden weiter um jeden Punkt fighten und haben uns gegen Wolfsburg mit drei Punkten belohnt, weil wir einen starken Torwart hatten“, kam Lukas Kwasniok natürlich auf den Mann des Abends zurück, der die Sprechchöre aus der Süd so richtig genießen konnte.
