Der Trainer des 1. FC Köln steht vor dem Heimspiel am Samstag gegen Borussia Dortmund im Fokus der Kritik und gibt sich gelassen.
1. FC KölnKwasnioks Resilienz gegen Kritik

Intensive Trainingsarbeit: Lukas Kwasniok (r.) gibt Eric Martel Anweisungen. Der FC-Coach ist voll des Lobes über die Perfomnace seiner Spieler bei den Übungseinheiten.
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Wenn die Resilienz von Trainer Lukas Kwasniok der Maßstab für die Leistung auf dem Platz wäre, müsste sich der 1. FC Köln im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga keine allzu großen Sorgen machen. Der 44-Jährige zeigte zwei Tage vor dem natürlich wichtigen Heimspiel am Samstag (18.30 Uhr/Sky) gegen Borussia Dortmund, dass er sich von der breitgefächerten öffentlichen Kritik an seiner Arbeit nicht sonderlich beeindrucken lässt.
„Alles ganz normal, so wie es in der Bundesliga ist, so wie es in Köln ist. Wir gehen auf den Platz, um nach Möglichkeit Spiele zu gewinnen. Wenn Du längere Zeit keine Spiele gewinnst, kommen andere Themen auf. Nichts Außergewöhnliches, das habe ich so auch schon in Jena, Saarbrücken und Paderborn erlebt“, erklärte der FC-Coach gelassen.
Wichtige Spiele: Dortmund und Hamburg
Lediglich zwei Siege aus den jüngsten 15 Spielen und nur noch zwei Punkte Abstand zu den Abstiegsrängen haben den Fokus auf Kwasniok gerichtet. Sein Verhalten außerhalb des Platzes bietet offenbar so viel Raum für Interpretationen, dass die Kritiker aus dem Vollen schöpfen können, wenn es sportlich nicht läuft. Kritik an Spielern gibt es kaum, an dem neuen Sportchef Thomas Kessler und auch am neuen Vorstand überhaupt nicht.
Alle haben sich auf Lukas Kwasniok eingeschossen und allein deshalb ist es bemerkenswert, wie der Kölner Trainer reagiert. Er verliert kein Wort darüber, dass die medial geäußerte Rückendeckung von Sobek und Kessler allenfalls halbherzig ist. Vizepräsident und Geschäftsführer lassen sich beide Türen offen, ein klares Bekenntnis für den erst vor der Saison eingestellten Wunschtrainer ist nicht herauszulesen.
Kwasniok und sein Team müssen also liefern — am besten schon gegen den BVB, spätestens aber eine Woche danach beim Hamburger SV. Der Mitaufsteiger ist nach zwei Heimniederlagen und vor dem Auftritt in Wolfsburg wieder drin in der Abstiegsverlosung. Kwasniok hat trotz der fehlenden Ergebnisse nichts an Überzeugung und Glauben an sich und sein Team verloren: „Wir sind in der Lage zwei, drei, vier Spiele nicht zu verlieren. Das ist nicht dahergebabbelt, sondern ich sehe, wie wir arbeiten. Und glaubt mir, ich weiß wo die Büros der Verantwortlichen sind. Ich werde euch nicht damit plagen, dass die Mannschaft hier eine Grütze zusammenspielt.“
Beispiele aus der Premier League als Vorbild
Um seine These zu stützen, führte Kwasniok zwei Beispiele aus der Premier League an. Brighton und Wolverhampton hätten trotz anhaltender Erfolglosigkeit an ihrer sportlichen Leitung festgehalten und sind aktuell wieder in der Spur. In der Bundesliga hätte es mit Mainz und Augsburg auch zwei Beispiele gegeben, nur dass an beiden Standorten die Trendwende erst nach einem Trainerwechsel begann. Da passte es für Kwasniok besser, einen Blick auf die britische Insel zu werfen.
„Solange ich die Überzeugung habe, muss sich keiner Gedanken machen. Die Mannschaft ist zu gut, um am Ende nicht das Ziel zu erreichen“, sagte der Coach und stellte sich damit selbst in Frage. Wenn die Mannschaft zu gut ist, um abzusteigen, muss es letztlich am Trainer liegen, dass sie ihr Können nicht in Punkte ummünzen kann.
Augsburg-Niederlage als Auslöser für Kritik
Die zunehmende Kritik am Trainer in dieser Woche hat sich am jüngsten 0:2 beim FC Augsburg entzündet. In der Aufarbeitung des Spiels hat sich aus Sicht des FC-Trainers herausgestellt, dass sein Team mehr darauf gehofft hatte, etwas mitzunehmen, als wirklich davon überzeugt gewesen zu sein. „Vielleicht macht Augsburg irgendwie einen Fehler und wir können einen reinstolpern“, beschrieb Kwasniok seinen Eindruck bezüglich der Haltung seines Teams, den er dann in aller Ruhe auch den Spielern mitgeteilt habe: „Das sind alles gute Jungs, die einfach nur Zuspruch brauchen und den bekommen sie, solange ich das Gefühl habe, dass sie sich den Allerwertesten aufreißen. Ich habe hier seit September nichts von meinem Spaß an der Arbeit verloren.“
Verletzungen und Rückkehrer geben Hoffnung
Dafür aber Spiele und von denen eben zu viele. Was sich natürlich ändern soll und am besten schon am Samstag gegen die Dortmunder, die in dieser Saison in der Bundesliga überhaupt erst zwei Niederlagen hinnehmen mussten — und beide gegen die Bayern. Der FC hatte die Elf von Trainer Niko Kovac im Hinspiel eine Halbzeit lang am Haken und verlor erst in der letzten Aktion der Nachspielzeit durch einen Treffer von Maximilian Beier mit 0:1.
Die schwere Knieverletzung von Abwehrchef Timo Hübers ist noch mehr in der Erinnerung aus diesem maximal unglücklichen Spiel geblieben: „Wir haben im Hinspiel unseren wichtigsten Spieler in der Abwehr verloren. Durch den Ausfall von Hübi hat sich unser gesamtes Konstrukt verändert. Wir hätten ihn gebraucht“, sagte Lukas Kwasniok und rang auf der Suche nach passenden Worten mit den Tränen.
Er erinnerte an diesen schmerzhaften Moment auch, um auf die lange Verletztenliste und ihre Auswirkungen beim FC hinzuweisen und die Hoffnungsschimmer aus der aktuellen Trainingswoche zu erwähnen. Said El Mala ist nach seinen Muskelproblemen in der vergangenen Woche wieder vollständig hergestellt und mit Alessio Castro-Montes sowie Linton Maina kehren zwei Spieler aus dem Lazarett zurück. Kwasniok verteilte für Castro-Montes gleich eine Startelfgarantie, wies daraufhin, dass Maina aufgrund seines Gewichtsverlustes durch einen Magen-Darm-Infekt nur eine Option von der Bank aus wäre und erklärte, warum er so resilient ist: „Ich bin für alles verantwortlich, kann aber nicht alles beeinflussen. Das zu akzeptieren, hilft im alltäglichen Umgang miteinander.“

