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1. FC KölnTeilweise selbst verschuldet, teilweise nicht

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Schiedsrichter Frank Willenborg, Bild: Herbert Bucco

Im Fokus:  Schiedsrichte rFrank Willenborg, Bild: Herbert Bucco

Der 1. FC Köln beschäftigt sich nach dem 1:2 gegen Leipzig mit dem Selbstverschulden der Niederlage und einer umstrittenen Schiedsrichter-Entscheidung. 

Lukas Kwasniok war sich nicht sicher. Also fragte er bei TV-Experte Nils Petersen nach, ob seine Analyse der 1:2-Heimniederlage gegen RB Leipzig „sachlich“ geblieben sei. Der Trainer des 1. FC Köln erntete ein Kopfnicken und durfte dies als persönlichen Erfolg verbuchen,   denn niemand hätte es ihm übelgenommen, wenn die Emotionen mit ihm durchgegangen wären. Einerseits, weil seine Mannschaft als Bundesliga-Aufsteiger dem mit Geld voll gepumpten Champions League-Aspiranten mehr als nur Paroli geboten hatte und trotzdem ohne Punkte dastand. Andererseits, weil der VAR zuungunsten der Geißböcke entscheidenden Einfluss genommen hatte.

Das Handspiel von Leipzigs zweifachem Torschützen Christoph Baumgartner (76.), das Schiedsrichter Frank Willenborg beim Stand von 1:2 nach Ansicht der Videobilder mit einem Elfmeter bestraft hätte und die damit verknüpfte Millimeter-Abseitsposition von Sebastian Sebulonsen, die den Strafstoß faktisch verhinderte, stand nach dem Schlusspfiff natürlich im Mittelpunkt.   Baumgartners Vergehen war unstrittig, die Abseitsentscheidung ein Produkt der seit dieser Saison angewandten halb automatischen Technologie (SAOT).

Wenn das kein kontrollierter Kopfball war, haben wir ein Problem in der Wahrnehmung.
Lukas Kwasniok, Trainer 1. FC Köln

Für die allgemeine und intensiv geführte Diskussion blieb David Raums vorausgegangener Kopfball auf Sebulonsen, der in Kwasnioks Augen und in denen fast aller anderen   kontrolliert war und damit zu einer neuen Spielsituation geführt hatte. „Wenn das kein kontrollierter Kopfball war, dann haben wir ein Problem in der Wahrnehmung. Ich mache ihm da keinen Vorwurf, aber eigentlich doch“, verpackte Kwasniok seine Emotionen gegenüber Willenborgs Entscheidung ruhig und sachlich.

Der 44-Jährige hatte am Sonntagabend noch andere Themen, die ihn beschäftigten und auf die er definitiv mehr Einfluss nehmen kann, als auf VAR- und Schiedsrichterentscheidungen. „Wir waren jetzt zum wiederholten Mal in der Verlosung gegen ein Topteam etwas zu holen und es ist nicht gelungen, teilweise selbst verschuldet, teilweise nicht“, sagte der FC-Coach. Das an die eigene Nase fassen hatte vor allem mit dem 14. Gegentor in dieser Saison nach einem Standard zu tun. „Ich habe schon vor dem Freistoß von David Raum gesehen, dass das nicht gut geht. Danach war ich erst mal acht Minuten böse“ beschrieb Kwasniok seine Gefühle nach Baumgartners Kopfballtreffer zum 0:1 (29.).

FC-Profis als Wiederholungstäter

Der FC hatte sich bei Raums Freistoß von rechts weder ganz hoch noch ganz tief aufgestellt und dem von Xaver Schlager freigeblockten Baumgartner allen Raum der Welt gegeben. „Das war nicht Fisch und nicht Fleisch. Wir müssen in die Ursachenforschung gehen, warum da so etwas Halbschwangeres rausgekommen ist“, kritisierte Kwasniok die Absprache in seiner Defensivreihe und forderte: „Wir müssen dazulernen. Als Aufsteiger braucht man bei den Standards eine positive Bilanz. Wenn wir da hinterherhecheln, wird es schwer.“

Die Kölner kassierten zudem wie schon beim 1:2 in Freiburg nach einem eigenen Treffer postwendend ein Gegentor, das für FC-Sechser Tom Krauß ein „Nackenschlag“ war. Der überragende Baumgartner nutzte nur fünf Minuten nach dem verdienten Ausgleich durch Jan Thielmann (51.) seinen Freiraum im Strafraum und kürte sich mit dem 2:1-Siegtor zum Unterschiedsspieler des Nachmittags.

Lukas Kwasniok und sein Stab stehen auch in dieser Woche vor dem Karnevalsspiel am Samstag (18.30 Uhr/Sky) beim VfB Stuttgart   vor der Aufgabe, aus ihren Wiederholungstätern Sieger zu machen und einigen Spielern wieder Selbstvertrauen zu geben. Wie Jungstar Said El Mala, der im Gegensatz zu Baumgartner seine beiden, klaren Chancen (5./22.) liegen ließ aktuell und ein Stück weit davon entfernt ist, frei aufzuspielen.

Rav van den Berg wieder nur 90 Minuten auf der Bank

Oder Eric Martel, der aktuell offensichtlich mehr mit seiner Vertragssituation und Zukunft als mit Fußballspielen beschäftigt ist. Anders ist die anhaltende Formkrise des 23-jährigen Defensivspielers nicht zu erklären. Gegen Leipzig war Martel als Abwehrchef jedenfalls an beiden Gegentreffern beteiligt. Und Rav van den Berg, der als Königstransfer des Sommers zum zweiten Mal in Serie 90 Minuten nur auf der Bank saß, obwohl die Kölner Not in der Innenverteidigung durch Verletzungen weiter groß ist.

Genug Themen, die nach der FC-Sitzung am Dienstag im Maritim vom närrischen Treiben in Köln ablenken. Der FC-Tross macht sich jedenfalls schon am Donnerstag auf den Weg nach Süden, bleibt bis Freitag inklusive einer Trainingseinheit auf dem DFB-Campus in Frankfurt und taucht erst zum Rosenmontagszug wieder im Kölner Karneval auf.