Lukas Kwasniok muss kurzfristig die Wende schaffen, um als Trainer des 1. FC Köln weiterarbeiten zu dürfen. Vor dem wichtigen Spiel beim Hamburger SV bekräftigte er seine Zuversicht.
FC-Trainer kämpft um JobKwasnioks Appell für einen nachhaltigen Weg

Unter Druck: FC-Trainer Lukas Kwasniok.
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Anfang November war die Welt am Geißbockheim noch in Ordnung. Der 1. FC Köln hatte den Hamburger SV mit 4:1 besiegt, den Mitaufsteiger um sechs Punkte distanziert und sich auf den siebten Platz vorgeschoben. Die Weichen für eine sorgenfreie Saison schienen gestellt, zumal der Neuling die Fußball-Bundesliga mit seinem Offensivstil bereicherte. Fünf Monate später haben sich die Vorzeichen jedoch gedreht. Nach nur zwei Siegen aus den jüngsten 16 Spielen musste der FC seinen Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt vorbeiziehen lassen. Vor dem Wiedersehen am Samstag (18.30 Uhr, Sky) im Volkspark beträgt der Rückstand auf den HSV bereits fünf Zähler. Während sich die Hanseaten als Tabellenzehnter in eine gute Ausgangsposition für die entscheidende Saisonphase gebracht haben, werden die Sorgen in Köln immer größer. Das Polster auf den Relegationsrang ist aufgebraucht, neun Spieltage vor Schluss hält den FC nur noch die bessere Tordifferenz über dem Strich.
Entsprechend groß ist die Kritik, die auf Lukas Kwasniok einprasselt. Kölns Trainer steht unter Zugzwang, kurzfristig die Wende zu schaffen. Gelingt ihm das weder in Hamburg noch eine Woche später gegen Borussia Mönchengladbach, dürfte seine Zeit als FC-Trainer abgelaufen sein. Kwasniok will sich davon nicht aus der Ruhe bringen lassen. „Es ist wichtiger, auf Performance zu schauen, als in Hysterie zu verfallen“, betonte er am Donnerstag und bat zugleich um Geduld: „Wir sollten unser Hauptaugenmerk darauf legen, dass wir es gemeinsam schaffen. Für den Standort Köln ist nachhaltige Arbeit der richtige Weg – wenn man von ihr überzeugt ist. Dieses Gefühl habe ich.“
Je mehr wir uns auf die Dinge fokussieren, die wir beeinflussen können, desto zeitnaher werden die Ergebnisse kommen – und dadurch wird auch eine wunderbare Zukunft entstehen.
Trotz abermaliger Verwicklung in den Abstiegskampf sieht der 44-Jährige den FC grundsätzlich auf dem richtigen Weg: „Ich finde, dass dem Verein eine gute und gesunde Zukunft bevorsteht. Je mehr wir uns auf die Dinge fokussieren, die wir beeinflussen können, desto zeitnaher werden die Ergebnisse kommen – und dadurch wird auch eine wunderbare Zukunft entstehen.“ Kwasniok erklärte, nach wie vor die Rückendeckung von Sportchef Thomas Kessler zu spüren. „Ich habe zu 100 Prozent das Gefühl, dass wir bereit sind, den Weg zu gehen, den wir zu Beginn meiner Zeit gemeinsam eingeschlagen haben. Es ist klar, dass Wellenbewegungen vorhanden sind. Das Allerwichtigste ist aber, Dinge richtig einzuordnen. Was ich an meinen Chefs und insbesondere an Thomas Kessler schätze, ist, dass wir die Dinge sachlich und ruhig einordnen.“
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Er selbst könne mit dem Druck umgehen. „Mit mir macht das eigentlich recht wenig. Ich fokussiere mich auf die Arbeit, und die macht mir unheimlich viel Spaß.“ Kwasniok achtet hierbei auf eine stimmige Balance. „Die Kunst besteht darin, eine Nähe zu den Dingen aufzubauen, die man selbst beeinflussen kann, und gleichzeitig eine Distanz zu den Dingen zu schaffen, die für die eigene Arbeit irrelevant sind.“ Dabei helfe ihm der eigene Lebensweg. „Dadurch, dass mein Leben viele Wellenbewegungen hatte – angefangen mit meiner Kindheit, in der ich das Land verlassen habe und viele Hindernisse überwinden musste – baut man eine Distanz zu den Elementen auf, die schwieriger sind. Das hilft dir, weil man dann eine Nähe zu den Elementen, die wichtig sind, aufbauen und Kraft weitergeben kann“, schilderte der gebürtige Pole.
1. FC Köln: Cenk Özkacar soll Jahmai Simpson-Pusey ersetzen
Kwasniok zeigte sich überzeugt, mit dem FC die Wende zu schaffen. Als Gründe nannte er „den Zusammenhalt und die Bereitschaft der Mannschaft, immer ans Leistungsmaximum zu gehen“. Und auch, „dass wir bei so gut wie allen Spielen im Spiel sind“. Das Ende der Sieglosserie sei daher nur eine Frage der Zeit. „Der Wind dreht sich. Die Frage ist nur, wann.“ Der Glaube daran sei bei seinen Spielern und ihm selbst „unerschütterlich“. Von einem „Sechs-Punkte-Spiel“ in Hamburg will Lukas Kwasniok derweil nichts wissen. „Jedes Spiel ist wichtig. Natürlich hilft es, gegen einen direkten Konkurrenten zumindest nicht zu verlieren“, sagte der FC-Coach und riet dazu, „nicht zu viel in Zwischenetappen“ zu denken. „Der Weg ist das Ziel. Es würde uns helfen, auf diesem Weg drei Punkte einzufahren.“
Bei diesem Unterfangen soll Sebastian Sebulonsen nach seiner Muskelverletzung erstmals wieder zur Verfügung stehen. Der Defensiv-Allrounder werde dem Kader „auf jeden Fall“ angehören, kündigte Kwasniok an. „Ob er auch beginnen wird, habe ich final noch nicht entschieden.“ Wahrscheinlicher ist ein Startelfeinsatz von Linton Maina. „Er ist ein Stück weiter“, sagte Kwasniok über den Sprinter. Eine Startelfgarantie erhielt dagegen Cenk Özkacar, der den rotgesperrten Jahmai Simpson-Pusey ersetzen soll. Keine guten Nachrichten gab es indes bei Alessio Castro-Montes. Der Belgier habe nach seiner Muskelverletzung „einen Rückschlag erlitten“ und falle erneut aus, bedauerte Kwasniok sichtlich betrübt.
Viele Umstellungen soll es nicht geben. „Ich habe nicht vor, auf mehreren Positionen etwas zu verändern. Dafür war die Leistung gegen Dortmund zu gut“, sagte Kwasniok im Rückblick auf die 1:2-Niederlage gegen Dortmund in Unterzahl. Trotz unruhiger Zeiten blickt er der Aufgabe an der Elbe mit Zuversicht entgegen. „Die Vorzeichen haben sich zum Hinspiel ein wenig verändert. Ich glaube aber, dass wir sehr wohl imstande sind, dort zu bestehen“, erklärte Kwasniok und frohlockte: „Samstagabendspiel in Hamburg, was willst du mehr?“
