Trotz interner Querelen träumt die TSG Hoffenheim vom Einzug in die Champions League. Am Samstag gastiert der formstarke Tabellendritte mit dem Ex-Kölner Tim Lemperle in Müngersdorf.
Hoffenheimer HöhenflugMarius Bülter hofft mit dem 1. FC Köln auf Überraschung gegen seinen Ex-Club

Durststrecke: FC-Stürmer Marius Bülter wartet vor dem Duell mit seinem Ex-Club TSG Hoffenheim seit Ende November auf eine Torbeteiligung.
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Als Marius Bülter im vergangenen Sommer die TSG Hoffenheim verließ, erlebte der Club aus dem Kraichgau gerade die wohl größte Krise seiner Vereinsgeschichte. In der Führungsetage tobte ein erbitterter Machtkampf um den Einfluss von Mäzen Dietmar Hopp, der den Absturz in der Fußball-Bundesliga fast zur Nebensache werden ließ. Am Ende einer chaotischen Saison schrammte die TSG als Tabellenfünfzehnter nur haarscharf am Gang in die Relegation vorbei. Umso beachtlicher ist der Höhenflug, den die Mannschaft des Österreichers Christian Ilzer in dieser Spielzeit trotz anhaltender interner Querelen hinlegt. Nach 22 Spieltagen hat die TSG schon 45 Punkte eingesammelt, das sind 13 mehr als im vergangenen Jahr. Als Drittplatzierter dürfen die Hoffenheimer von einer Teilnahme an der Champions League träumen. Bülter begegnet dem aktuellen sportlichen Erfolg seines Ex-Clubs mit Anerkennung: „Es scheint zu passen. Von außen betrachtet hat sich scheinbar eine Gruppe gefunden, in der jeder für jeden alles gibt“, erklärte der Stürmer des 1. FC Köln vor dem Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr, Sky) gegen seine ehemaligen Kollegen.
Die TSG reist in bestechender Verfassung ins Rheinland. Am vergangenen Spieltag stellte sie einen neuen Vereinsrekord auf. Das 3:0 gegen den SC Freiburg war der achte Heimsieg in Folge. Hoffenheim sei „sehr gut in Form“, weiß Bülter, der die Qualitäten des kommenden Kölner Kontrahenten wie folgt beschreibt: „Die Mannschaft spielt intensiv, hat klare Abläufe, presst hoch und erarbeitet sich immer wieder gefährliche Situationen.“ Mehr als die Hälfte aller Tore gehen auf das Konto von Andrej Kramaric (9 Tore), Fisnik Asllani (7), Grischa Prömel und Tim Lemperle (beide 6). Der ehemalige Kölner pausierte zuletzt wegen einer Innenbandverletzung, bis zum Wochenende könnte er wieder spielfähig sein. „Ich weiß gar nicht, ob er fit ist. Hoffentlich nicht“, sagte Bülter mit einem Augenzwinkern. Für Lemperle wäre es die erste Rückkehr nach Müngersdorf. Nach dem Wiederaufstieg in die Bundesliga hatte er seinen Ausbildungsclub ablösefrei verlassen, Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung waren ohne Einigung geblieben. In Hoffenheim vollzieht der 24-Jährige nun seinen nächsten Entwicklungsschritt. „Ich habe mich gut mit ihm verstanden. Er spielt eine super Saison, das freut mich für ihn“, sagte Bülter, der vor seinem Ende Juli vollzogenen Wechsel nach Köln noch ein paar Wochen mit Lemperle zusammentrainiert hatte.
Wir haben ein Heimspiel, und die letzten Heimspiele haben wir gut bestritten. Deshalb gehen wir das Spiel mit Selbstvertrauen und dem Wissen an, dass wir auch solchen Mannschaften wehtun können.
Im Hinrundenduell behielt der FC überraschend mit 1:0 die Oberhand. Das Traumsolo von Said El Mala bescherte den bislang einzigen Kölner Sieg gegen eine Spitzenmannschaft. Gegen Stuttgart (1:3) und Leipzig (1:2) hielt der Aufsteiger jüngst zwar gut mit, am Ende stand er aber mit leeren Händen da. „Aus der zweiten Halbzeit können wir viel mitnehmen, da haben wir es gut gemacht“, resümierte Bülter im Rückblick auf das Duell beim VfB. Die aus zwei späten Gegentoren resultierende Niederlage sei „bitter“ gewesen, doch das Spiel müsse „uns auch Mut geben, weiter so zu arbeiten und nochmal ein Stück mehr zu machen, um uns endlich zu belohnen“. Nach dem Ausgleich durch Ragnar Ache hatte der FC sich erneut ein schnelles Gegentor eingefangen. Das war ihm zuvor schon bei den Niederlagen gegen Leipzig und Freiburg passiert. „Das ist eine Sache, an der wir arbeiten müssen“, forderte Bülter. „Wir müssen uns cleverer anstellen und eine höhere Aufmerksamkeit hinbekommen, gerade gegen gute Mannschaften.“
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Trotz der ernüchternden Ausbeute gegen die Bundesliga-Elite traut Marius Bülter seiner Mannschaft am Samstag eine Wiederholung des Überraschungserfolgs von Anfang Oktober zu: „Wir haben ein Heimspiel, und die letzten Heimspiele haben wir gut bestritten. Deshalb gehen wir das Spiel mit Selbstvertrauen und dem Wissen an, dass wir auch solchen Mannschaften wehtun können. Dieses Mal wollen wir endlich etwas mitnehmen.“ Bülter selbst befindet sich schon seit etwas längerer Zeit in einem Formtief. Nach einem furiosen Start mit zwei Toren und zwei Vorlagen an den ersten beiden Spieltagen wartet der 32-Jährige seit Ende November auf eine Torbeteiligung.
Nach Aus für Standardtrainer Dold: Bülter sieht Mannschaft in der Pflicht
„Natürlich würde ich auch gerne wieder Tore schießen. Ich war aber noch nie ein Stürmer, der sich nur über Tore definiert. Für mich zählt es, dass wir als Mannschaft Punkte holen“, sagte er. Weil dieses Unterfangen zuletzt nicht allzu erfolgreich verlaufen ist, trennen den FC nur noch vier Punkte vom Relegationsplatz. Bülter bezeichnet die Ausgangslage als „okay“ und gibt zu bedenken: „Man muss ja immer auch schauen, wo wir herkommen und was das Ziel vor der Saison war. Das war der Klassenerhalt.“ Gleichwohl sagt er: „Aber klar, es sind eben auch nur vier Punkte. Unten ist alles eng beieinander, da kann jeder Spieltag schnell etwas verschieben. Das muss uns bewusst sein.“
Den weiteren Weg setzen die Kölner wie berichtet ohne Hannes Dold fort. Der Standardtrainer fiel der schwachen Bilanz zum Opfer, die der FC in dieser Disziplin aufweist. Dolds Aufgaben werden vorerst intern verteilt. „Es ist immer schade, wenn jemand gehen muss, aber Standards waren ein großes Problem bei uns“, sagte Bülter, der klarstellte: „Ich will damit gar nicht unbedingt dem Hannes die Schuld geben. Am Ende stehen wir Spieler auf dem Platz und tragen dafür die Verantwortung.“ Die Trennung von Dold sei „ein klares Zeichen für uns als Mannschaft, dass wir weiter hart arbeiten müssen“.
