Der derzeit verletzte Innenverteidiger des 1. FC Köln spricht im Trainingslager in La Nucia über seinen Comebackplan, sein erstes Jahr bei den Geißböcken und die Feuertragödie in seiner Schweizer Heimat.
Joel Schmied überzeugt beim 1. FC Köln„Meine erhoffte Spielzeit wurde übertroffen“

Mediterranes Ambiente: Innenverteidiger Joel Schmied im Mannschaftshotel des 1. FC Köln in La Nucia an der Costa Blanca.
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Herr Schmied, wie haben Sie Weihnachten verbracht?
Trotz Reha konnte ich ein paar Tage nach Hause reisen. Es war extrem cool, wenn auch nicht entspannt. Wenn man nach Hause kommt, möchte man alle Familienmitglieder sehen – und bei uns ging Weihnachten in diesem Jahr bis zum 28. Dezember. Es gab viel Essen. Für den Kopf hat die Zeit gutgetan, damit ich mit voller Energie aus der Winterpause starten kann.
Gibt es in Ihrer Familie Weihnachtstraditionen?
Die gibt es, eine davon haben wir in diesem Jahr aber tatsächlich vergessen. Am 24. Dezember nehmen wir immer unsere Großmutter und stellen sie für ein Gruppenfoto quer. Sie ist jetzt aber 84, da muss man ein bisschen aufpassen (schmunzelt). Am ersten Weihnachtsfeiertag spielen wir Bingo mit der italienischen Seite meiner Freundin, am zweiten Feiertag gibt es immer eine Aktivität. In diesem Jahr war das eine Alpakawanderung. Das war cool.
Was kam auf den Tisch?
In der Schweiz ist Raclette und Fondue natürlich immer heiß begehrt, auch Filet im Teig. Das ist lecker, da muss man schon aufpassen (schmunzelt).
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Ihr Heimatland wurde an Silvester von einer Feuerkatastrophe erschüttert, die sich in Crans-Montana, unweit Ihrer letzten Station beim FC Sion, ereignet hat. Wie haben Sie die Tragödie aufgenommen?
Es war extrem schockierend. Wir waren mit Sion zum Trainingslager in Crans-Montana, daher habe ich eine enge Verbindung zu der Stadt. Eine solche Tragödie ist unglaublich schlimm. In der Schweiz kommt so etwas zum Glück sehr selten vor. Ich hoffe, dass man Lehren daraus ziehen und solch tragische Vorfälle in Zukunft mit einem Sicherheitskonzept verhindern kann.
Sie haben sich Ende November im Spiel gegen Eintracht Frankfurt eine Muskelverletzung zugezogen. Wie geht es Ihnen?
Ich bin glücklich, dass ich im Trainingslager dabei sein kann. So bin ich nicht fernab vom Team, das ist auch für mich persönlich wichtig. Ich habe hier eine Eins-zu-eins-Betreuung, von der ich sehr profitiere. Natürlich ist es hart, von draußen zuzuschauen, wie sich die Jungs auf das Spiel in Heidenheim vorbereiten. Aber eine Verletzung gehört nun mal dazu. Ein Ende ist in Sicht. Die Fortschritte sind da, das stimmt mich positiv.
Wann erhoffen Sie sich eine Rückkehr?
Bei Verletzungen ist es immer schwierig, Prognosen zu setzen. Im Februar möchte ich aber schon auch wieder auf dem Platz stehen. Das ist mein Ziel. Vielleicht noch nicht über 90 Minuten, aber über einen Teileinsatz.
Warum ist Ihre Verletzung hartnäckiger?
Ein Muskelfaserriss an sich geht innerhalb von drei Wochen weg. Mit Sehnenbeteiligung ist es immer ein bisschen langwieriger. Meistens ist es so, dass du alles schmerzfrei machen kannst. Wenn du aber einmal zu viel belastest, startest du wieder bei Null. Deshalb ist es ganz gut, dass Leif (Frach, Athletiktrainer; Anm. d. Red.) Geduld hat – ich habe sie etwas weniger. Leif steht ein bisschen auf der Bremse, damit bin ich bei ihm gut aufgehoben.
Die Verletzung erwischte Sie als Stammspieler.
So eine Verletzung ist immer ärgerlich. Speziell, weil ich mich reingefuchst und extrem gut gefühlt habe, auch körperlich. Nichtsdestotrotz will ich so schnell wie möglich an meine Leistungen anknüpfen, die ich in der Hinrunde gezeigt habe. Ich bin auch überzeugt, dass ich meine Stärken wieder einbringen kann.
Sind Sie überrascht, dass Sie in Ihrer ersten Bundesliga-Saison auf Anhieb so viel Spielzeit sammeln konnten?
Zu erwarten war das sicher nicht. Bei einem neuen Coach weißt du ja nie so genau, was er genau von dir erwartet. Wir haben auch einen großen Konkurrenzkampf. Die von mir erhoffte Spielzeit wurde deshalb übertroffen. Umso glücklicher bin ich, dass es so kam.
Wie unterscheidet sich die erste Bundesliga von der zweiten aus Sicht eines Innenverteidigers?
Das Tempo ist unglaublich, man darf sich einfach keine Fehler erlauben. Es geht alles viel schneller. Auch die Toreffizienz ist extrem. Wenn man einem Stürmer einmal zu viel Raum lässt, dann ist der Ball im Netz. Diese kleinen Fehler werden in der zweiten Liga ein bisschen weniger ausgenutzt. Was auch vollkommen normal ist, weil die Bundesliga zu den besten Ligen in der Welt gehört.
Gibt es Dinge, an denen Sie speziell arbeiten?
An der Ausdauer. In Absprache mit den Konditionstrainern mache ich weiterhin Läufe, damit ich physisch weiterhin mithalten kann. Das ist für einen Verteidiger sehr, sehr wichtig. Im physischen Bereich kann man auch am schnellsten Fortschritte erreichen. Technische Finessen dagegen hat man oder nicht.
Wie blicken Sie auf Ihr erstes Jahr in Köln?
Positiv, auch wegen des Aufstiegs, das war das ganz große Ziel. Ich wurde auch mit der Ambition verpflichtet, erste Liga spielen zu dürfen. Dass es so gekommen ist, war für den ganzen Verein, aber auch für mich persönlich ein Traum. Die Startzeit war nicht ganz so einfach. Ich war ja schon 26. Ein neues Land, neue Sitten, weit weg von der Familie – das ist nicht ganz so einfach. Aber mittlerweile habe ich mich super integriert und fühle mich extrem wohl. Wenn ich wie jetzt nach zehn Tagen Urlaub nach Köln komme, dann ist das ein Heimatgefühl. Das macht extrem viel aus. Ich muss mich wohl fühlen, um auf dem Platz performen zu können. Ich freue mich, hier zu sein.
Wie haben Sie die Stadt Köln kennengelernt?
Ich muss sagen, die Stadt an sich ist ja nicht die schönste, aber die Menschen machen sie unglaublich schön. Alle sind extrem offen. Wenn du ausgehst, sprichst du links und rechts mit den Leuten. Meine Freundin ist teilweise schon genervt, weil ich diese Kultur auch in der Schweiz einbringen will (lacht). Ich mag es, mit vielen Leuten zu quatschen und sich auszutauschen. Das finde ich extrem cool und passt perfekt zu mir.
Was fehlt Ihnen in Köln?
Ich war die vergangenen vier Jahre in Sion, da gibt es das Bergpanorama. Das ist das Paradies. Da bin ich sehr verwöhnt (lacht).
Welche Ziele verfolgen Sie mit dem FC?
Ich finde, dass ein Verein wie Köln, mit dieser Stadt, mit diesen Fans, definitiv in die erste Liga gehört. In den vergangenen Jahren war es ein Auf und Ab. Unser Ziel muss es sein, dass wir uns in der Bundesliga etablieren.
Ist die WM eigentlich ein Thema für Sie?
Eine WM für mein Land zu spielen, wäre ein absoluter Traum. Das ist aber noch ein sehr, sehr langer Weg, ich war bei der A-Nationalmannschaft ja noch nie dabei. Trotzdem versuche ich, mich in der Rückrunde wieder zu beweisen, damit ich für den Nationalcoach zumindest ein Thema bin. Und wenn nicht, werde ich die WM-Spiele im Urlaub vor dem Fernseher verfolgen. Die Schweiz hat sich extrem gemacht in den vergangenen Jahren. Ich bin sehr positiv gestimmt, dass es ein cooles WM-Jahr wird.
Wie fällt Ihr Hinrundenfazit zum FC aus?
Der Start war überragend und hat für Euphorie gesorgt. Die Fans hatten vielleicht schon das Gefühl, das geht jetzt einfach immer so weiter. Man darf trotzdem nicht vergessen, dass wir Aufsteiger sind. Das primäre Ziel ist der Klassenerhalt. In den jüngsten Spielen hatten wir ein bisschen Pech und haben viele Treffer in den letzten Sekunden kassiert. Das Spiel gegen Sankt Pauli tat extrem weh. Wir hätten drei Punkte einfahren können und haben aus dem Nichts zwei verloren. Gegen Union Berlin war es ähnlich. Was zu Beginn der Saison für uns lief, lief zuletzt gegen uns. Trotzdem glaube ich, dass jeder Fan vor der Saison diese Vorrunde so unterschrieben hätte. Wir sind im Mittelfeld. Sicherlich haben wir noch Luft nach oben. Wir wollen versuchen, das auf den Platz zu bringen.
Wie nehmen Sie die Rotation von Lukas Kwasniok wahr?
Der Trainer hat uns bereits in der Vorbereitung gesagt, dass jeder Spieler für ihn wichtig ist. Er baut nicht die ganze Saison auf dieselben elf Spieler. Er will auf Ausfälle und den Gegner reagieren können. Ich persönlich finde es gut, dass jeder Spieler weiß, er ist wichtig für das Team. Wer gut trainiert, hat eine Startelfmöglichkeit für das Wochenende. Das erhöht wiederum den Konkurrenzkampf und ist extrem wichtig. Bislang funktioniert das ja auch ganz gut.
Sehen Sie auch eine Gefahr fehlender Automatismen?
Es gibt immer Vor- und Nachteile, klar. Dennoch haben wir einen Kern, der eigentlich immer spielt. In jeder Achse gibt es Spieler, die auf dem Platz stehen, wenn sie bei 100 Prozent sind. Das ist auch wichtig. Aber ich bin jetzt kein Fan von elf festen Startelfspielern. Ich glaube, dass jeder unserer Spieler seine Qualitäten hat und ein anderes Element in das Teams einbringen kann, was uns auch ein bisschen unberechenbarer macht für den Gegner.
Was stimmt Sie zuversichtlich, dass der Klassenerhalt gelingt?
Unsere Qualität, unsere Stimmung im Team. Wir sind eine sehr solidarische Mannschaft, auf und auch neben dem Platz. Der Teamspirit macht viel aus. Die Stadt, die Fans, die einen tragen. Wir spüren den unermüdlichen Support. Ich finde, dass wir als Gesamtpaket mehr als nur bundesligareif sind.
Wie haben Sie zuletzt die Stimmung im Umfeld wahrgenommen?
Überraschend positiv. Die Fans waren immer da. Wenn sie mal nicht gesungen haben, war das nicht gegen uns gerichtet, sondern aus anderen Gründen. In jedem Heimspiel geht die Post ab, auch auswärts ist der Block immer voll. Selbst bei der 1:3-Niederlage in Gladbach war der absolute Support war. Das schätzen wir als Spieler extrem und kann mit dazu beitragen, die nötigen Punkte einzufahren.
Ist diese Wucht mit der größte Unterschied zur Schweiz?
Ja, absolut, speziell in Köln. Es ist ja nicht überall so in der Bundesliga. Köln gehört da schon zur Spitze. Der Gästesektor des FC ist immer so gut gefüllt wie bei einem Heimspiel in der Schweiz. Das ist gewaltig, da habe ich Gänsehaut.
Wo muss der FC wieder zulegen?
Es braucht Überzeugung, Tore zu erzielen und zu verhindern. Jeder muss wieder die Überzeugung auf den Platz bringen, dass wir gegen jeden Gegner eine Chance haben, zu gewinnen. Die Aufopferung, die wir an den ersten Spieltagen an den Tag gelegt haben, als sich jeder in jeden Ball geworfen hat, muss uns wieder auszeichnen. Ich glaube, die Pause tat uns gut, um wieder mit viel Energie und Aufschwung reinzustarten.
