Der FC begrüßt seinen Wunschspieler Mikey Moore in Köln – Der 19-jährige Angreifer soll für zunächst ein Jahr von Premier-League-Klub Tottenham Hotspur ausgeliehen werden
Mikey Moore in KölnDas Warten hat ein Ende

Tempodribbler Mikey Moore hatte im Pokalspiel gegen Charlton Athletic seinen großen Auftritt. Für ein Engagement bei den Tottenham Hotspur reichte es bislang nicht dauerhaft.
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Als Mikey Steven Danny Moore aus dem Londoner Innenstadtbezirk Southwark am Montagmittag in Köln-Wahn landete, stand eine Transfersaga dieses Sommers endlich vor dem Abschluss. Endlich, weil die Kaderplaner des FC in den vergangenen Monaten viel Arbeit in die Verpflichtung des 19-Jährigen gesteckt und zuletzt vor allem Nerven gebraucht hatten. Und weil Moore der Kölner Offensive Möglichkeiten gibt, die sie nach den Eindrücken dieses Sommers gut gebrauchen kann.
Der Wechsel hatte längst vollzogen sein sollen. Moore war bei Tottenham Hotspur nicht für die neue Premier-League-Saison eingeplant, hatte sich aber über starke Trainings- und Testspielleistungen derart ins Gespräch gebracht, dass die Verantwortlichen um den seit dem Frühjahr amtierenden Trainer Roberto De Zerbi ihn als Reserve für den Fall sahen, dass alle Transferbemühungen scheiterten. Man säße in der Angelegenheit „nicht im Driver’s Seat“, hatte Geschäftsführer Thomas Kessler vor dem Bundesliga-Auftakt gegen die TSG Hoffenheim am Samstag gesagt. Einen der wichtigsten Transfers des Sommers als Beifahrer zu erleben, war nicht nach dem Geschmack des Kölner Sportchefs.
Um endgültig nicht mehr von äußeren Umständen abhängig zu sein, flog man Moore am Montag per Privatjet ein. Zu nah ist mittlerweile das Ende der Transferfrist am Dienstagabend, zu lange haben die Kölner auf den Spieler gewartet, der dabei helfen soll, ihr Spiel am Ball auf ein neues Niveau zu hieven. Bei aller Zuversicht hing man zuletzt vollständig von den Entscheidungen der Engländer ab, kein gutes Gefühl am Ende einer von langer Hand geplanten Transferphase. Am Nachmittag erschien Moore dann zum Medizincheck in Köln – endlich.
Damit haben die Kölner ihren Mann für die rechte Seite gefunden – und eine Antwort auf die Frage, wer die sieben Tore und fünf Vorlagen ersetzen soll, die Jakub Kaminski in der vergangenen Saison zum Klassenerhalt beigetragen hatte, bevor er in diesem Sommer zu Benfica Lissabon wechselte.
In der vergangenen Saison war der damals 18-jährige Moore an die Glasgow Rangers ausgeliehen und absolvierte dort bemerkenswerte 47 Pflichtspiele. Sieben Treffer und vier Assists standen am Ende zu Buche. Eine erfolgreiche Leihe – und doch empfand man in Nordlondon die Lücke zur Premier League als noch zu groß für den beidfüßigen Jugendnationalspieler.

Geschäftsführer Thomas Kessler, Kaderplaner Tim Steidten und Cheftrainer René Wagner (v.l.) hatten zuletzt viel Planungsarbeit zu verrichten.
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Nach Platz fünf in der Saison 23/24 schlossen die Spurs zuletzt zwei Spielzeiten nacheinander auf dem 17. Rang ab. Die Wende soll nun mit aller Kraft gelingen – dafür hat man viel Prominenz eingekauft und scheut offenbar das Risiko, auf einen Hoffnungsträger aus der eigenen Jugend zu setzen.
Den Kölnern eröffnet das die Möglichkeit, für zunächst ein Jahr einen Spieler zu beschäftigen, der sonst außerhalb ihrer Reichweite liegt. Auch die Spurs wissen, wen sie da in ihrer Akademie ausgebildet haben. Eine Kaufoption stand nicht zur Debatte. Doch bei aller Langfristplanung ist Fußball auch ein kurzlebiges Geschäft. Die nächste Saison ist womöglich wichtiger als das, was danach kommt – und sollte Moore entscheidend zum Klassenerhalt beitragen, wäre das auch dann ein Erfolg, wenn er sich nach einem Jahr aus der Bundesliga verabschiedete.
Sein Premier-League-Debüt gab Moore in der Saison 2024/25 fünf Wochen nach seinem 17. Geburtstag. Der anschließende Wechsel nach Schottland mit sehr viel Spielzeit dürfte dafür gesorgt haben, dass er trotz seiner Jugend nicht vor körperlichen Duellen zurückschreckt. Den Schritt vom Akademie- in den Erwachsenenfußball hat er getan. In Köln wird es für ihn darum gehen, sich auf dem Niveau einer Top-5-Liga zu etablieren – so weit, dass er anschließend das Vertrauen einer englischen Topmannschaft erhält. Womöglich seiner Spurs.
In der Premier League stand er in den ersten zwei Spielen dieser Saison insgesamt 90 Minuten auf dem Platz, hatte jedoch Schwierigkeiten, sich durchzusetzen: Die Spurs verloren ihre ersten Partien gegen Brentford und Newcastle 0:3 und 0:2, stehen auf dem letzten Platz. Moore gab vier Torschüsse ab, blieb ohne Wirkung und wurde von Medien und Öffentlichkeit teils drastisch kritisiert.
Wir sitzen auf dem Transfermarkt nicht im Driver's Seat
Anders im Pokalspiel gegen den Zweitligisten Charlton Athletic: Beim 5:1 in der zweiten Runde war er mit einem Tor, einer Vorlage und fünf Flanken der Mann des Tages. Vor 50.000 Zuschauern eröffnete er mit einem sehenswerten Tor zum 1:0 – für die allerdings haushoch überlegenen Spurs. In den sozialen Medien kommentierten die Fans der Spurs mit gemischten Gefühlen. Einerseits zeigte sich, dass viele den Wunsch haben, mit Talenten aus dem eigenen Nachwuchs zurück zum Erfolg zu finden. Doch auf der anderen Seite ist in der Premier League stets die Hoffnung groß, mit viel Geld und großen Namen das Glück zu erzwingen.
Linksverteidiger gesucht?
Für die Kölner um Geschäftsführer Thomas Kessler bedeutet die Verpflichtung, dass sie mit Said El Mala und Mikey Moore eine Flügelzange haben, die den Eintritt ins Stadion wert sein könnte. Das Transferfenster schließt am Dienstagabend – gut möglich, dass der FC noch einen weiteren Zugang vermeldet. Bedarf besteht auf der linken Abwehrseite: Gideon Mensah überzeugte beim 3:2 gegen Hoffenheim, steht bislang aber ohne Konkurrenz im Kader. Ein Name, der in diesem Zusammenhang kursiert, ist Borna Sosa. Der 28-jährige Kroate steht bei Crystal Palace unter Vertrag, bis 2028 gebunden, und ist der Bundesliga aus fünf Jahren beim VfB Stuttgart bestens bekannt – 35 Vorlagen in 115 Pflichtspielen, gefürchtet für scharfe Hereingaben von links. Über Ajax kam er im vergangenen Sommer nach London. Sollte der Wechsel gelingen, könnte Sosa bereits am Freitagabend (20.30 Uhr, Sky) auf seinen früheren Arbeitgeber treffen: Der FC gastiert dann in Stuttgart.

