Die Sieglosserie des 1. FC Köln hält an. Nach einer frühen Roten Karte für Jahmai Simpson-Pusey unterliegt der Aufsteiger Borussia Dortmund mit 1:2 (0:1) - und hadert mit dem Schiedsrichter.
Nach langer Unterzahl1. FC Köln verliert auch das siebte Spiel am Samstagabend - Kessler kritisiert Wutausbruch von Trippel

Schiedsrichter Daniel Siebert schickt den Kölner Jahmai Simpson-Pusey mit Rot vom Platz. Jakub Kaminski ist bedient.
Copyright: Federico Gambarini/dpa
Es bleibt dabei: Der 1. FC Köln kann am Samstagabend nicht gewinnen. Auch im siebten Anlauf brachte der kriselnde Aufsteiger nichts Zählbares zustande. Nach langer Unterzahl unterlag die Mannschaft von Trainer Lukas Kwasniok dem effektiveren Tabellenzweiten Borussia Dortmund mit 1:2 (0:1). Der frühere Kölner Serhou Guirassy (16.) und Maximilian Beier (60.) fügten dem FC, der Jahmai Simpson-Pusey kurz vor der Pause per Roter Karte verloren hatte, die nächste Niederlage zu. Das Anschlusstor durch Jakub Kaminski kam zu spät (88.). Durch das fünfte sieglose Spiel in Folge gestaltet sich die Lage für den FC im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga weiter angespannt. „Für uns ist es zum wiederholten Mal ein bitterer Abend. Irgendwo da oben muss es jemanden geben, der es nicht gut mit uns meint. So wie die Jungs von der ersten Minute an marschiert sind, war das sehr beeindruckend. Wir haben aufopferungsvoll gekämpft, die Jungs sind unverwüstlich“, lobte Kwasniok den Auftritt seiner Mannschaft, der in der Nachspielzeit ein möglicher Handelfmeter verwehrt wurde.
Die Kölner Aufstellung hielt auch diesmal eine Überraschung bereit. Youssoupha Niang kam in seinem fünften Bundesligaspiel zu seinem Startelfdebüt. Das Eigengewächs übernahm auf der rechten Seite, wo Kwasniok eigentlich Alessio-Castro-Montes eingeplant hatte. Die Kaderrückkehr des Belgiers verschob sich jedoch kurzfristig, nachdem dieser im Abschlusstraining „eine Reaktion“ gezeigt hatte, wie der FC vor Anpfiff vermeldete. Castro-Montes hatte schon die vorherigen vier Spiele wegen einer Muskelverletzung verpasst. Neben Niang rückten auch Said El Mala und Isak Johannesson in die erste Elf, die Kwasniok in einer 4:2:3:1-Formation mit Sechser Tom Krauß als Aushilfs-Rechtsverteidiger bemerkenswert offensiv anordnete. Cenk Özkacar, Marius Bülter und Luca Waldschmidt rutschten im Gegenzug aus der Startelf.
1. FC Köln gerät nach gutem Start ins Hintertreffen
Entsprechend angriffslustig starteten die Kölner. Nach einer Viertelstunde leuchtete ein Eckenverhältnis von 5:0 zu Gunsten der Gastgeber von der Anzeigetafel auf. Zwei Chancen waren ebenfalls dabei. Johannesson tauchte nach nicht mal einer Minute im Dortmunder Fünfmeterraum auf, brachte den Ball aber nicht am Block von Ramy Bensebaini vorbei. Kurz darauf schlug El Mala eine Flanke auf Niang, dessen Kopfball-Aufsetzer Gregor Kobel über die Latte lenkte (5.).
Der FC war gut im Spiel, dennoch geriet er in der 16. Minute im Anschluss an eine Standardsituation ins Hintertreffen. Ausgangspunkt war ein völlig unnötiger Fehlpass von Johannesson im Mittelfeld, den der FC zunächst noch zur Ecke klärte. Die folgende Hereingabe beförderte Ragnar Ache aus dem Strafraum, doch Maximilian Beier köpfte den Ball zurück in die Gefahrenzone. Im Zentrum war Rav van den Berg nicht wach, weshalb BVB-Torjäger Serhou Guirassy den Ball mit ausgestrecktem Bein an Marvin Schwäbe vorbei über die Linie befördern konnte.
Das Gegentor nahm den Kölnern erst einmal den Schwung. 20 Minuten passierte auf beiden Seiten kaum etwas, ehe der FC wieder gefährlicher wurde. Nach einer Flanke von Jakub Kaminski kam El Mala am zweiten Pfosten aus vielversprechender Position zum Abschluss. Doch anstatt das lange Eck anzuvisieren, setzte der 19-Jährige den Ball überhastet ans Außennetz (34.). Dann verbuchte Niang seine zweite Kopfballchance (39.). Auf der Gegenseite bewahrte Schwäbe den FC vor dem 0:2, indem er einen Drehschuss von Guirassy nach missratener Kopfballabwehr von Kristoffer Lund aus dem kurzen Eck boxte (40.).
In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit ereignete sich die wohl spielentscheidende Szene. Jahmai Simpson-Pusey kam an der Außenlinie der gegnerischen Hälfte im Zweikampf mit Beier zu spät und traf den Dortmunder mit offener Sohle unglücklich an der Achillessehne. Schiedsrichter Daniel Siebert entschied sich zunächst für eine Gelbe Karte, revidierte seine Entscheidung auf Intervention des Videoassistenten jedoch und schickte den Kölner Innenverteidiger mit Rot vom Platz. „Pfui, widerlich“, rief Michael Trippel in sein Mikrofon. Eine unsportliche Entgleisung des Stadionsprechers am Ende einer aus Kölner Sicht maximal unglücklich verlaufenen ersten Halbzeit.
Es ist nicht richtig, dass ein Stadionsprecher im Rahmen eines Bundesligaspiels seine Emotionen über das Mikro preisgibt. Das gefällt mir nicht. Darüber werden wir im Nachgang sprechen.
Kwasniok reagierte auf die Unterzahl und wechselte mit Cenk Özkacar einen neuen Innenverteidiger ein. Isak Johanesson, der nach seiner frühen Chance untergetaucht war, blieb stattdessen in der Kabine. Trotz numerischer Überlegenheit war von den Dortmundern weiter kaum etwas zu sehen. Jakub Kaminski hatte sogar den Ausgleich auf den Fuß. Den Schlenzer des Polen nach Vorarbeit von El Mala machte Kobel mit einer starken Parade zunichte (56.).
Stattdessen fiel in der 60. Minute das 0:2. Tom Krauß rutschte bei einem Dortmunder Angriff über die linke Seite aus, woraufhin Beier die Kölner Defensive durch einen einfachen Doppelpass mit Julian Brandt aushebelte. Frei vor Schwäbe verwandelte Beier ins lange Eck. In der 66. Minute sah es zunächst so aus, als würde es für den FC noch bitterer kommen. Siebert entschied nach einer Klärungstat von Özkacar auf Elfmeter, nahm diesen auf Zuruf aus dem „Kölner Keller“ jedoch wieder zurück. Wie die Fernsehbilder zeigten, war der Türke einen Tick schneller als Fabio Silva an den Ball gekommen.
Das Spiel plätscherte seinem Ende entgegen, ehe es unerwartet noch einmal spannend wurde. Nachdem Jakub Kaminski im Dortmunder Strafraum nicht angegriffen wurde, verkürzte der Offensivmann mit einem von Waldemar Anton noch abgefälschten Flachschuss auf 1:2 (88.). Der kurz zuvor eingewechselte Cenny Neumann leistete die Vorlage - für den Ýoungster war es der erste Bundesliga-Scorerpunkt. Der FC warf alles nach vorne und forderte in der Nachspielzeit vehement Elfmeter. Yan Couto hatte mit einem unabsichtlichen Handspiel im Strafraum verhindert, dass Linton Maina an den Ball kommen konnte. Sieberts Pfeife blieb stumm, der Videoassistent schaltete sich diesmal nicht ein.
Thomas Kessler bezeichnete die Szene als „klares Handspiel. Dass das nicht gecheckt wird, dafür habe ich kein Verständnis“, schimpfte der FC-Sportchef. Nach Abpfiff hatte sich Michael Trippel erneut zu Wort gemeldet: „Ich weiß, dass ich jetzt tierischen Ärger bekommen werde. In der Nachspielzeit gab es ein klares Handspiel eines Dortmunder Spielers und niemand schaut es sich an. Was ist los?“, rief Trippel. Kessler verurteilte das Verhalten des langjährigen Sprechers: „Es ist nicht richtig, dass ein Stadionsprecher im Rahmen eines Bundesligaspiels seine Emotionen über das Mikrofon preisgibt. Das gefällt mir nicht. Darüber werden wir im Nachgang sprechen.“
1. FC Köln: Schwäbe; Krauß (86. Heintz), van den Berg, Simpson-Pusey, Lund; Johannesson (46. Özkacar), Martel; Niang (78. Maina), Kaminski, El Mala (86. Neumann); Ache (86. Bülter). – Borussia Dortmund: Kobel; Anton, Schlotterbeck, Bensebaini (82. Süle); Ryerson (61. Couto), Sabitzer, Nmecha (90. Bellingham), Svensson; Beier, (82. Adeyemi) Brandt; Guirassy (61. Silva). – SR.: Siebert (Berlin). – Zuschauer: 50.000 (ausverkauft). – Tore: 0:1 Guirassy (16.), 0:2 Beier (60.), 1:2 Kaminski (88.). – Gelbe Karten: Martel; Bensebaini. – Rote Karte: Simpson-Pusey (Köln/45.+1).
