Rav van den Berg wurde vom 1. FC Köln für viel Geld geholt. Statt der angedachten Rolle als Abwehrchef ist der Niederländer aber nur Reservist. Trainer Lukas Kwasniok erklärt die Hintergründe.
Rav van den BergKönigstransfer des 1. FC Köln ist nur noch Ersatz

In der Zuschauerrolle: FC-Innenverteidiger Rav van den Berg ist momentan nicht erste Wahl.
Copyright: IMAGO/DeFodi Images
Thomas Kessler war für seinen Wunschspieler bis an die finanzielle Schmerzgrenze gegangen. Acht Millionen Euro fixe Ablöse überwies der Sportchef des 1. FC Köln im vergangenen Sommer an den englischen Zweitligisten FC Middlesbrough, um den Kader des Aufsteigers mit Rav van den Berg zu verstärken. Zuzüglich möglicher Bonuszahlungen kann der niederländische Innenverteidiger zum zweitteuersten Neuzugang in der Kölner Vereinsgeschichte aufrücken. Bislang hat sich die Investition allerdings noch nicht bezahlt gemacht. Obwohl der abstiegsbedrohte Fußball-Bundesligist zuletzt einen akuten Personalmangel im Abwehrzentrum beklagte, waren die Dienste van den Bergs in den jüngsten drei Spielen kaum gefragt. Statt der angedachten Rolle als Abwehrchef ist der 21-Jährige nur Reservist.
Die Saison hatte für van den Berg von Beginn an unter keinem allzu guten Stern gestanden. Am dritten Spieltag verletzte er sich in Wolfsburg schwer an der Schulter. Der niederländische U21-Nationalspieler musste operiert werden und fiel mehr als zwei Monate aus. Wenige Wochen nach seiner Rückkehr avancierte er erneut zur tragischen Figur. Im finalen Spiel vor der Winterpause verursachte van den Berg gegen Union Berlin kurz vor Schluss eine Rote Karte, weil er als letzter Mann den Ball mit der Hand gespielt hatte. In Unterzahl kassierten die Kölner das Gegentor zur 0:1-Niederlage. Van den Berg wurde für zwei Spiele gesperrt und verpasste den Jahresauftakt in Heidenheim und gegen München.
Rav hatte in der vergangenen Woche zwei gute Einheiten. Deshalb gilt es für ihn, dranzubleiben.
Als er wieder hätte mitwirken dürfen, saß er zum Rückrundenstart gegen Mainz nur auf der Bank. Bei seiner bislang letzten Startelf-Nominierung agierte der eigentliche Königstransfer in Freiburg (1:2) nicht fehlerfrei. Danach kam er nur noch zum Einsatz, um den 1:0-Sieg gegen Wolfsburg mit über die Zeit zu retten. Gegen Leipzig (1:2) und am vergangenen Samstag in Stuttgart (1:3) blieb er unberücksichtigt. Stattdessen erhielt Joel Schmied den Vorzug gegen den VfB. Was auch deshalb überraschte, weil es für den Schweizer der erste Einsatz nach seiner schweren Muskelverletzung war.
Alles zum Thema Fußball-Bundesliga
- Hoffenheimer Höhenflug Marius Bülter hofft mit dem 1. FC Köln auf Überraschung gegen seinen Ex-Club
- Fußball-Bundesliga der Frauen HSV-Vorstand für TV-Konferenz in der Frauen-Bundesliga
- Fußball-Bundesliga Werder muss 260.000 Euro Strafe wegen Fan-Vergehen zahlen
- 3. Fußball-Liga Früherer Nationalspieler Jones neuer Coach in Schweinfurt
- 2. Fußball-Bundesliga Kreuzbandriss: Saison-Aus für Düsseldorfs Schmidt
- Fußball-Bundesliga Klopp widerspricht Hoeneß wegen Rolle bei Red Bull
- 2. Fußball-Bundesliga Schalke 04 und Ex-Nationalspieler Amin Younes trennen sich
Lukas Kwasniok begründete seine Entscheidung mit der Kölner Herangehensweise gegen Spitzenmannschaften. „Joel hat den Vorteil dieser unglaublichen Power. Wir wollten die Stuttgarter in Eins-gegen-Eins-Duelle über den gesamten Platz verwickeln und sie ein bisschen jagen. Darum hatte ich die physisch stärkste Mannschaft auf dem Feld, die mir zur Verfügung steht“, erklärte der Trainer nach dem Spiel. Schmied habe den Vorteil „in der Beschleunigung und beim Zupacken in den direkten Duellen. Deswegen habe ich mich für ihn entschieden, und nach der langen Verletzungspause hat er es absolut solide gemacht“.
Für Rav van den Berg, der sich vor allem durch seine Qualitäten im Spielaufbau auszeichnet, blieb nur die Zuschauerrolle. Daran änderte sich auch nichts, als Kwasniok in der 68. Minute beim Stand von 0:1 aus Kölner Sicht mit Schmied und Cenk Özkacar gleich beide Innenverteidiger vom Feld holte. Als Reaktion auf den erneuten Rückstand wechselte Kwasniok mit Tom Krauß und Eric Martel in der 89. Minute zudem noch die beiden defensiven Mittelfeldspieler aus. „Wir lagen zurück und wollten ein Tor erzielen. Das ist leichter, wenn man ein paar Offensivspieler auf dem Feld hat“, begründete Kwasniok seine am Ende extrem offensive Ausrichtung.
1. FC Köln: Jahmai Simpson-Pusey absolviert Teile des Teamtrainings
Für Diskussionen sorgte allerdings, dass Kwasniok auch nach dem Kölner Ausgleich (79.) darauf verzichtet hatte, das Abwehrzentrum durch eine Einwechslung van den Bergs zu stärken. Stattdessen rückten die Schienenspieler Sebastian Sebulonsen und Kristoffer Lund nach innen. „Wir haben mit Sebulonsen und Lund zwei Jungs, die auf der Schiene spielen können, aber eben auch als Halbverteidiger. Lund hat das schon zwei, dreimal gemacht, jeweils über 20, 25 Minuten. Von Beginn an sehe ich das noch nicht, aber für eine gewisse Zeit kann er diese Räume mit seinem Tempo abdecken. Sebulonsen hatte es ohnehin zuletzt die ganze Zeit gespielt. Aus meiner Sicht war es nicht so wirklich außergewöhnlich“, sagte Kwasniok.
Rav van den Berg bleibt vor dem Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr, Sky) gegen den Tabellendritten TSG Hoffenheim nichts anderes übrig, als sich über Trainingsleistungen zu empfehlen. In den Tagen vor Stuttgart habe der Niederländer durch „zwei gute Einheiten“ überzeugt, berichtete Kwasniok, der anfügte: „Deshalb gilt es für ihn, dranzubleiben.“ Zumal die Konkurrenz wieder größer wird: Jahmai Simpson-Pusey absolvierte am Dienstag nach seiner Muskelverletzung erstmals Teile des Mannschaftstrainings. Davor hatte sich neben Joel Schmied auch Dominique Heintz zurückgemeldet
