Beim 2:1-Sieg gegen Mainz 05 avancierte der eingewechselte Ragnar Ache zum entscheidenden Mann. Nach seinem Doppelpack meldete der Mittelstürmer Ansprüche auf einen Stammplatz an.
Sieglosserie beendetGroße Erleichterung beim 1. FC Köln - Kwasnioks Dank an die Fans

Bitte lächeln: Der Kölner Doppeltorschütze Ragnar Ache (l.) und Said El Mala stellen sich zum Siegerselfie auf.
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Urs Fischer war verdutzt, daraus machte er keinen Hehl. Ein „bisschen überrascht“, gestand der Trainer des FSV Mainz 05, sei er gewesen, dass Ragnar Ache nicht schon bei Anpfiff auf dem Rasen anzutreffen war. Doch bevor die Worte des freundlichen Schweizers als Kritik an seinem Gegenüber hätten aufgefasst werden können, fügte er noch rasch hinterer: „Aber das ist ja die Entscheidung meines Kollegen.“ Lukas Kwasniok wiederum hatte am Samstag nach dem 0:1-Pausenrückstand doch noch ein glückliches Händchen bewiesen und mit Ache den spielentscheidenden Mann eingewechselt. Durch seinen Doppelpack trug der Mittelstürmer maßgeblichen Anteil am 2:1-Erfolg des 1. FC Köln, der zum Rückrundenauftakt der Fußball-Bundesliga seine acht Spiele lange Sieglosserie beenden konnte.
Kwasniok, dessen Weiterbeschäftigung im Falle einer erneuten Niederlage wohl ernsthaft in Gefahr geraten wäre, atmete nach dem Befreiungsschlag tief durch: „Es sind drei Punkte mit einer gewissen Erleichterung“, gab der in die Kritik geratene 44-Jährige einen Einblick in sein Seelenleben. „Wenn du länger nicht gewinnst, fühlt sich ein Sieg dann etwas größer an. Aber nüchtern betrachtet gibt es genau drei Punkte“, sagte Kwasniok. Es waren drei enorm wertvolle Zähler für den Aufsteiger, der seinen Vorsprung auf die direkten Abstiegsplätze wieder auf acht Punkte vergrößerte. Kwasnioks Dank galt auch den Fans: „Das Stadion war ein spielentscheidender Faktor – wir haben eher zwölf gegen elf gespielt. Ein Dankeschön an das Stadion, an die Süd.“
Wir sind natürlich überglücklich, dass die lange Leidenszeit, wo wir alles gegeben haben, aber nicht belohnt wurden, nun vorbei ist. Wir wollten es unbeding.
Die Erleichterung war überall spürbar in Müngersdorf. „Es fühlt sich ein Stück weit losgelöst an“, beschrieb Kapitän Marvin Schwäbe seine Gefühlslage. „Wir sind natürlich überglücklich, dass die lange Leidenszeit, wo wir alles gegeben haben, aber nicht belohnt wurden, nun vorbei ist. Wir wollten es unbedingt.“ Thomas Kessler hofft, dass nach turbulenten Tagen nun wieder etwas Ruhe einkehrt. „Die Menschen werden die Woche komplett genießen, weil der FC wieder gewonnen hat“, sagte der Sportdirektor. Nachdem zuletzt über die Stimmung in der Kölner Kabine gefachsimpelt worden war, wertete Kessler die Reaktion in der zweiten Halbzeit als Beleg für ein intaktes Miteinander: „Das zeigt den Charakter der Truppe. Darüber darf sich auch jeder freuen“, meinte der 39-Jährige.
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Beim Pfeifkonzert zur Pause hatte allerdings wenig auf ein Ende des Kölner Abwärtstrends hingedeutet. Der FC spielte eine schwache erste Halbzeit, fand kaum Lösungen gegen kompakt stehende Mainzer und konnte sich glücklich schätzen, nicht höher zurück zu liegen. Vor dem 0:1 von Stefan Bell (29.) hatte Kacper Potulski bereits den Pfosten getroffen (19.), sieben Minuten nach dem Rückstand vergab Silas allein auf Marvin Schwäbe zulaufend das 0:2.
Die Glanztat des Torhüters hielt den taumelnden FC im Spiel und machte es Kwasniok überhaupt erst möglich, mit einem Dreifachwechsel die Wende einzuleiten. Ragnar Ache, Tom Krauß und Kristoffer Lund kamen für die enttäuschenden Eric Martel und Isak Johannesson sowie Cenk Özkacar, der im Zuge der Umstellung auf eine Viererkette in der Kabine blieb. „Ich finde, dass der Trainer sehr ruhige und gute Worte gefunden hat und auch eine klare Idee hatte, die Missstände aus der ersten Halbzeit zu drehen“, lobte Thomas Kessler die Halbzeitansprache Kwasnioks.
Die Mannschaft hat beherzigt, mutig zu sein. Und den Mutigen gehört die Welt.
Der FC trat fortan wie ausgewechselt auf und schnürte Mainz hinten ein. Der Ausgleich durch Aches Kopfball nach Flanke des erneut guten Alessio Castro-Montes fiel folgerichtig (57.). Der wuchtige Mittelstürmer war weiterhin nicht zu kontrollieren und zeichnete sich in der 85. Minute auch für das Siegtor verantwortlich. Eine Ecke des eingewechselten Luca Waldschmidt verlängerte Marius Bülter auf Ache, der im Gerangel mit Danny da Costa den Ball über die Linie bugsierte. „Die Mannschaft hat beherzigt, mutig zu sein. Und den Mutigen gehört die Welt“, freute sich Lukas Kwasniok.
Der Doppelpack war Balsam für die Seele von Ragnar Ache. Sein letztes Erfolgserlebnis sei „schon wieder länger her“ gewesen, erinnerte der 27-Jährige an sein Führungstor beim 4:1-Sieg gegen den HSV am neunten Spieltag. „Das merkt man natürlich. Man sagt ja: ‚Stürmer werden an Toren gemessen.‘ Wenn man keine Tore schießt, kommen Gerüchte auf, man zweifelt an sich selbst.“ Daher täten ihm die beiden Tore „natürlich sehr gut“, sagte Ache und unterstrich seinen Anspruch auf einen Startelfplatz: „Ich fühle mich gut nach der Englischen Woche. Ich hoffe, dass das Thema vom Tisch ist.“ Am kommenden Sonntag (17.30 Uhr) beim SC Freiburg will der FC nachlegen. „Wir müssen die Spannung hochhalten“, forderte Ache.


