Für Borussia Dortmund geht es vor dem Gastspiel beim 1. FC Köln nur noch um die Absicherung von Platz zwei. Womöglich liegt darin die Chance des kriselnden Aufsteigers.
Vor Spiel beim 1. FC KölnBorussia Dortmund droht Spannungsverlust

BVB-Trainer Niko Kovac muntert seine Mannschaft nach der wohl entscheidenden Niederlage im Gipfeltreffen gegen den FC Bayern auf.
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Nachdem sich die letzte Titelchance aufgelöst hatte, war Niko Kovac weit davon entfernt, in Tristesse zu verfallen. „Letzte Saison hatten wir 25 Punkte Rückstand, jetzt sind es elf. Das ist schon eine Entwicklung“, zog Borussia Dortmunds Trainer nach der 2:3-Niederlage im Gipfeltreffen gegen Bayern München eine positive Zwischenbilanz. Dass Kovac das vorzeitige Aus im Meisterschaftskampf mit Fassung trug, dürfte nicht zuletzt damit zusammenhängen, dass der BVB als offizielles Saisonziel die Qualifikation für die Champions League ausgegeben hat. Und bei diesem Unterfangen liegt der Tabellenzweite zehn Spieltage vor Saisonende auf Kurs.
Dennoch sind die Dortmunder Aussichten auf der Zielgeraden der Saison nicht sonderlich rosig. Schon im Dezember hatte sich der BVB aus dem DFB-Pokal verabschiedet. Die 0:1-Niederlage gegen Halbfinalist Bayer 04 Leverkusen ließ den Traum von Berlin frühzeitig platzen. Vergangene Woche folgte das krachende Aus in der Champions League. Nach einem 2:0-Heimsieg gegen Atalanta Bergamo setzten die Schwarz-Gelben das Rückspiel in Italien mit 1:4 in den Sand. Am Wochenende ereilte den BVB zudem der späte Schock im „Clasico“, den Joshua Kimmich in der 87. Minute per Traumtor zugunsten des Rekordmeisters entschied.
Wir müssen irgendwann halt mal gegen einen der Großen punkten – auch wenn uns das bisher noch nicht so häufig gelungen ist, erst recht nicht an einem Samstagabend.
Als wäre das alles nicht schon bitter genug, muss der BVB nun auch noch auf seinen Spielführer verzichten. Emre Can erlitt im Duell mit den Bayern einen Kreuzbandriss im linken Knie. Der Nationalspieler fällt monatelang aus und verpasst damit auch die Weltmeisterschaft im Sommer. „Emres Verletzung ist extrem bitter. Nicht nur für ihn, sondern für uns alle. Er ist unser Kapitän, stellt sich immer in den Dienst der Mannschaft und ist ein wichtiger Bestandteil unseres Clubs“, erklärte Sportdirektor Sebastian Kehl, der dem Verteidiger „jede Unterstützung“ zusicherte, „damit er wieder vollständig gesund wird“. Cans Vertrag läuft aus, seine Zukunft ist offen.
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Für den Tabellenzweiten geht es nach dem Aus im DFB-Pokal und der Champions League nur noch darum, die erneute Teilnahme an der Königsklasse zu sichern. „Mit 52 Punkten nach 24 Spielen stehen wir nicht so schlecht da, wir wollen noch ein paar holen“, hielt Trainer Niko Kovac trotzig dagegen und fügte an: „Wir wollen schnell in die Champions League kommen, und ich möchte schon auf diesem Platz die Ziellinie überschreiten.“
1. FC Köln: Hoffen auf ersten Sieg in einem Samstagabend-Spiel
Das Polster ist so komfortabel, dass nichts mehr passieren sollte. Genau wie bei den Bayern, denen Sebastian Kehl schon zum Titel gratulierte: „Die Meisterschaft ist ihnen nicht mehr zu nehmen.“ Auch Kehl war nicht unzufrieden mit seiner Mannschaft. Nach dem Scheitern in der Champions League habe das Team „die richtige Reaktion gezeigt“, meinte der Sportdirektor. „Wir haben ganz viel Positives gesehen, das wir mitnehmen können.“ Dennoch ist Kovac nicht um die Aufgabe zu beneiden, die Spannung im ohnehin wankelmütigen BVB-Kader bis zum Saisonende hochzuhalten.
Womöglich liegt genau darin die Chance des 1. FC Köln, der am Samstagabend (18.30 Uhr, Sky) die Dortmunder Borussia in Müngersdorf zu Gast hat. Denn grundsätzlich sieht Lukas Kwasniok den kriselnden Aufsteiger in der klaren Außenseiterrolle. „Wir haben wieder nichts zu verlieren“, erklärte der FC-Trainer vor dem Duell mit dem Königsklassen-Teilnehmer. Das allerdings ändert nichts an der Tatsache, dass die Kölner unter Zugzwang stehen, im enger gewordenen Kampf um den Klassenerhalt auch mal einen Überraschungserfolg zu landen. „Es ist klar, dass der Druck etwas größer ist“, weiß Kwasniok.
Nach vier sieglosen Spielen hintereinander liegt der Relegationsplatz nur noch zwei Zähler entfernt. „Wir müssen irgendwann halt mal gegen einen der Großen punkten – auch wenn uns das bisher noch nicht so häufig gelungen ist, erst recht nicht an einem Samstagabend“, sagte Kwasniok, der mit seiner Mannschaft alle bisherigen sechs „Topspiele“ verloren hat. „Aber“, schob der 44-Jährige hinterher, „irgendwann ist immer das erste Mal.“

