Beim Spiel protestierten Frankfurter Fans gegen eine Maßnahme der Klubführung, Trainer Adi Hütter musste wegen eines Alarms seine Pressekonferenz abbrechen
Was Sie im TV nicht sahenEvakuierungsalarm und Fanprotest beim FC-Spiel
Während die Fernsehkameras beim Bundesliga-Flutlichtspiel zwischen Eintracht Frankfurt und dem 1. FC Köln vor allem das sportliche Geschehen und die Atmosphäre im ausverkauften Deutsche Bank Park einfingen, blieben den TV-Zuschauern zwei der spektakulärsten Vorfälle des Abends verborgen. Auf den Rängen und hinter den Kulissen sorgten ein Protest der organisierten Fanszene sowie ein Evakuierungsalarm für Wirbel.
Auslöser des Unmuts im Stadionumlauf ist eine neue Service-Offensive, die der Verein mit Sponsoren gestartet hat. Über die vereinseigene App können Zuschauer Speisen per „Click & Collect“ vorbestellen oder an Kiosken sogenannte „Fast Lanes“ nutzen, um schneller bedient zu werden. Was die Klubführung als Komfort gegen Warteschlangen feiert, ist für die aktive Fankultur der Inbegriff der Entfremdung. Ultra-Gruppierungen reagierten mit sarkastischen Plakaten, auf denen sie die Fans als „Gude Eintracht-Kunden“ ansprachen. Unter der Überschrift „Auf der Fastlane zum Ende der Fankultur“ warnten die Anhänger davor, jeden Fan endgültig in einen reinen Event-Konsumenten zu verwandeln.
Doch die eigentliche Aufregung des Abends folgte erst nach dem Abpfiff im Bauch des Stadions. Mitten in die Pressekonferenz von Eintracht-Trainer Adi Hütter platzte ein Ausnahmezustand. Während der Coach die Leistung seiner Mannschaft bilanzierte, gellte Alarm durch den Presseraum. Eine automatisierte Stimme tönte in Dauerschleife aus den Lautsprechern: „Wegen einer technischen Störung in unserem Hause bitten wir Sie, das Gebäude zu Ihrer eigenen Sicherheit zügig zu verlassen.“
Wagner nicht mehr im Raum
Und klang dabei wie die freundliche Stimme in Science-Fiction-Filmen, die ohne große Emotionen die unmittelbar bevorstehende Selbstzerstörung eines vollbesetzten Raumschiffs ankündigt. FC-Coach René Wagner hatte den Raum da schon verlassen, unüblicherweise hatten beide Trainer ihre Pressekonferenzen getrennt voneinander abgehalten, da Hütter zuvor noch länger bei vor den TV-Kameras befragt worden war.

Ein sarkastisches Plakat der Aktiven Fanszene, die sich das neue Cateringkonzept im Frankfurter Stadion vorknöpfte.
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Auch die Kunden in den VIP-Logen mussten das Stadion verlassen – und wurden so um einen Absacker gebracht. Hütter musste sein Statement sichtlich irritiert mitten im Satz abbrechen, nahm die Sache aber mit viel Humor. Das Medienzentrum wurde umgehend geräumt, draußen rückte bereits die Feuerwehr an. Nach einer kurzen Zitterpartie im Freien gab es zum Glück rasch Entwarnung: Es handelte sich nicht etwa um ein Feuer, sondern lediglich um eine technische Fehlfunktion der Warnanlage. Verletzt wurde niemand – ein ohnehin hochemotionaler Stadionabend endete so dramatisch. (red)
