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Bayer 04 LeverkusenDer VAR bestimmt das Spiel

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GIm Dauereinsatz: Hier verweigert Schiedsrichter Christian Dingert dem späten Leverkusener 2:1 die Anerkennung.

Im Dauereinsatz: Hier verweigert Schiedsrichter Christian Dingert dem späten Leverkusener 2:1 die Anerkennung.

Bayer 04 Leverkusen und der FC Bayern München liefern sich im Bundesliga-Topspiel beim 1:1 ein Spektakel, im Mittelpunkt stehen aber Schiedsrichter und VAR.

Das Stadion hatte sich längst in einen Hexenkessel verwandelt. Kasper Hjulmand drang mit seinen lauten Rufen von der Seitenlinie nicht mehr zu seinen Spielern auf dem Rasen durch. Also ließ Bayer Leverkusens Trainer seinen Körper sprechen. Wie ein Metronom schwang der 53-Jährige seine Arme auf Hüfthöhe abwechselnd von links nach rechts. Intuitive Kommandos, die seiner Werkself in doppelter Überzahl helfen sollten, den sich einigelnden FC Bayern München doch noch zu knacken.

„Die ersten drei Angriffe haben wir direkt die erste Möglichkeit gesucht“, sprach der Däne nach dem turbulenten 1:1 (1:0) gegen den Rekordmeister die Ungeduld seines Teams an. Elf Leverkusener hätten nach Luis Diaz strittiger Ampelkarte (84.) wegen einer Schwalbe gegen neun Münchner in den letzten Minuten „ein bisschen mehr spielen“ sollen. „Von einer Seite auf die andere und dann angreifen“, lautete Hjulmands Wunschvorstellung.

Leverkusen verpasst dritten Heimsieg gegen FC Bayern in den jüngsten vier Heimspielen

Ob mehr Geduld tatsächlich zum dritten Bundesliga-Sieg in den jüngsten vier Heimspielen gegen den Rekordmeister (nach dem 2:1 in 2023 und dem 3:0 in 2024) geführt hätte, sei dahingestellt. Am Ende eines spektakulären Fußballspiels, dass Hjulmand zurecht als Werbung für den Fußball und die Bundesliga titulierte, musste sich der Tabellensechste jedenfalls ärgern. „Wir sind sehr enttäuscht mit nur einem Punkt“, haderte der Bayer 04-Coach im Rennen um die ersten vier Champions League-Plätze.

Dann schwenkte er zu den positiven Aspekten des Heimspiels um. Drei Tage nach dem 1:1 im ersten Champions League-Achtelfinale gegen den FC Arsenal habe seine Mannschaft an gleicher Stelle eine „sehr gute Leistung gezeigt“.

Ob er ein Thema für die Nationalmannschaft ist, muss Julian entscheiden.
Kasper Hjulmand, Trainer Bayer 04 Leverkusen

Angefangen mit Monrell Culbreath, der für den gelbgesperrten Alejandro Grimaldo ins Team gerutscht war und seinen zweiten Startelf-Einsatz noch spektakulärer gestaltet hatte als die Premiere beim Hamburger SV (1:0). „Ob er ein Thema für die Nationalmannschaft ist, muss Julian entscheiden“, gab Hjulmand die Entscheidung zur Nominierung des 18-jährigen Offensiv-Juwels in die Hände von Bundestrainer Nagelsmann. Die Art und Weise, wie der „ständig auf Empfang“ befindliche Rechtsaußen Luis Diaz den Ball abgejagt und somit das 1:0 von Aleix Garcia eingeleitet hatte, legte seinen Wechsel von der U19- in die deutsche A-Nationalmannschaft tatsächlich nahe (6.).

Aus der Perspektive der Münchner war diese Szene nur der Anfang einer Reihung von fragwürdigen Schiedsrichter-Entscheidungen. Während Luis Diaz im Zweikampf mit dem energischen Culbreath vergeblich auf den Pfiff von Christian Dingert gewartet hatte, griff dieser bei zwei aberkannten Toren und zwei Platzverweisen ein. In Zusammenarbeit mit dem VAR erkannte der Unparteiische zunächst das 1:1 von Jonathan Tah wegen eines Handspiels ab (27.). Aus Nicolas Jacksons Gelber Karte wegen eines Tritts gegen Martin Terriers Knöchel, machte er Rot und den ersten Platzverweis für die Bayern (42.).

Drei aberkannte Tore und zwei Platzverweise

Auch nach dem Seitenwechsel fällten Dingert und Co. mehrere Entscheidungen, die im Nachgang kontrovers diskutiert wurden. Etwa die erste Szene von und mit Harry Kane. Dieser war von Bayer-Keeper Janis Blaswich angeschossen worden und traf nach Luis Diaz Vorlage zum Ausgleich. Wieder kassierte der VAR den Treffer ein, weil Kane den Ball vorher an den Arm bekommen hatte (61.). Nach Robert Andrichs Aussetzer und Luis Diaz regulärem 1:1 (69.), erhitzte die nächste Schiedsrichter-Entscheidung die Gemüter: Der vorbelastete Bayern-Torschütze war im Laufduell mit Blaswich zu Fall gekommen und wurde von Dingert wegen einer vermeintlichen Schwalbe mit der Ampelkarte vom Feld geschickt (84.).

„Das würde ich jetzt nicht mehr so geben“, gestand der 45-jährige Schiedsrichter nach Ansicht der Videobilder. Vielleicht hätte er sich an dieser Stelle den Eingriff des VAR gewünscht. Laut dem International Football Association Board (IFAB) darf dieser Gelb-Rote Karten aber erst ab der WM 2026 korrigieren. Dingerts Entschuldigung hinderte Uli Hoeneß nicht daran, dessen Leistung als „die schlechteste“ einzustufen, die er „je von einem Schiedsrichter gesehen“ habe.

Bayer 04 tritt am Dienstag zum Rückspiel beim FC Arsenal an

Kasper Hjulmand sah darin kein so großes Problem und beschäftigte sich eher mit den eigenen Versäumnissen in doppelter Überzahl. „Wir können das besser machen“, griff der Trainer die fehlende Geduld in doppelter Überzahl auf. Das menschliche Metronom musste die Punkteteilung nach dem letzten VAR-Eingriff wegen Jonas Hofmanns Abseitstor (90.+3) und der vereitelten Großchance von Sven Ulrich gegen Ibrahim Maza (90.+7) akzeptieren.

„So ist Fußball, beim nächsten Spiel läuft es vielleicht anders“, hakte der Däne das zweite Spitzenspiel binnen drei Tagen schnell ab. Schließlich tritt seine Werkself schon am Dienstag (21 Uhr/Amazon Prime) im nächsten Hexenkessel an. Beim FC Arsenal im Emirates Stadium muss ein Sieg her, um das Ticket für das Champions League-Viertelfinale zu lösen.