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Champions League-PlayoffsBayer Leverkuen hat ein neues Prunkstück

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Immer zur Stelle: Edmond Tapsoba (l. im Duell mit Mehdi Taremi) zeigte bei Leverkusens 2:0 in Piräus eine überragende Leistung.

Immer zur Stelle: Edmond Tapsoba (l. im Duell mit Mehdi Taremi) zeigte bei Leverkusens 2:0 in Piräus eine überragende Leistung. 

Bayer 04 Leverkuen hat mit Doppelpacker Patrik Schick und einer starken Defensivleistung in den Playoffs der Champions League das Tor zum Achtelfinale weit aufgestoßen.

Kasper Hjulmand fühlte sich wie in einem Deja Vu. Exakt 45 Minuten waren im Playoff-Hinspiel der Champions League zwischen Olympiakos Piräus und Bayer 04 Leverkusen absolviert, als der Ball im Tor des Fußball-Bundesligisten lag und die fanatischen, griechischen Fans einen gewaltigen Jubelorkan im Georgios Karaiskakis-Stadion initiiert hatten. Kein Wunder, dass Bayers Chefcoach sich wie vor vier Wochen vorkam. Am 20. Januar hatte die Werkself in der Ligaphase mit 0:2 im Hafen von Athen verloren, kurz vor der Pause ein Gegentor kassiert und selbst in den ersten 45 Minuten reihenweise Hochkaräter liegen lassen.

„Wir hatten vier Großchancen“, zählte Hjulmand die Möglichkeiten von Patrik Schick (16.), Ernest Poku (17./31.) und Ibrahim Maza (29.) auf. Bayer 04 hätte führen müssen. Stattdessen drohte nach dem Kopfballtreffer von Ayoub El Kaabi ein weiterer unangenehmer Abend in der griechischen Hauptstadt. Der VAR half den Leverkusenern aus der Klemme. Piräus-Stürmer Mehdi Terami hatte den Ball auf dem Weg ins Tor noch kaum erkennbar berührt und stand dabei im Abseits. „Zum Glück“, bekannte Bayer-Abwehrchef Robert Andrich.

Es ging also mit einem 0:0 in die Kabine. Ein Ergebnis, das in Ordnung ging und den Gästen die Möglichkeit gab zu zeigen, dass sie aus dem ersten Duell die richtigen Schlüsse gezogen hatten. „Wir haben die Druckphasen deutlich besser von uns weggehalten und insgesamt sehr gut verteidigt.“ „Wir haben versucht, das Pressing von Piräus früher zu überspielen – und das hat über weite Strecken gut geklappt“, beschrieb Andrich den Lerneffekt, den auch Sportchef Simon Rolfes erkennen konnte: „Wir haben schneller nach vorne gespielt, das Spiel besser beruhigt und auch mal lang gespielt, um aus dem Pressing rauszukommen. Diesmal haben wir sie in der Anfangsphase nicht ins Spiel kommen lassen.“

Wir hatten auch im ersten Spiel große Chancen, aber diesmal gab es zwei Tore.
Kasper Hjulmand, Trainer Bayer Leverkusen

Hjulmand nannte den am Ende entscheidenden Unterschied: „Wir haben unsere Chancen genutzt – wir haben Tore gemacht. Wir hatten auch im ersten Spiel große Chancen, aber diesmal gab es zwei Tore.“  Dank Patrik Schick. Der tschechische Torjäger veredelte erst eine starke Vorarbeit von Ernest Poku mit perfekter Ball-An- und Mitnahme sowie einem eiskalten Abschluss (60.). Nur 144 Sekunden später bewies er erneut seinen Torriecher und verwertete am kurzen Pfosten eine Ecke von Alejandro Grimaldo zum 2:0 (63.). Es war sein erster Doppelpack in der Champions League, wobei er in diesem Wettbewerb überhaupt erst fünf Treffer in 34 Spielen für Bayer 04 erzielen konnte.

Vor dem 2:0 hatte Schick übrigens auch die richtigen Schlüsse gezogen. Olympiakos-Keeper Konstantinos Tzolakis hatte alle Leverkusener Flanken auf den zweiten Pfosten locker herunter gepflückt. Also ließ Schick über die Botschafter Andrich und Tapsoba Grimaldo ausrichten, dass er den Ball kurz schlagen solle. In diesem Raum fühle sich Tzolakis nicht so wohl. Der Spanier folgte der Anweisung und Schick nickte am ersten Pfosten ein (63.).

Kasper Hjulmand hatte eine Vorahnung, dass sein Goalgetter entscheidenden Einfluss auf das Spiel nehmen würde: „Ich habe ihn den letzten Tagen im Training gesehen: Er war sehr, sehr scharf. In so einem Spiel ist seine Erfahrung zu spüren.“ Sportchef Simon Rolfes nannte einen weiteren Grund für den Klasse-Auftritt des 30-jährigen Tschechen: „Wichtig ist, dass Patrik vorne viel arbeitet und versucht, Bälle festzumachen – das ist nicht die Lieblingsaufgabe eines Stürmers, aber enorm wichtig.“

Bayer 04 legt den Grundstein in der Defensive

Den Grundstein für den wichtigen Auswärtssieg, legte die Werkself in der Defensive, oder wie Rolfes es ausdrückte: „Die Basis jeder offensiven Mannschaft ist eine starke Defensive.“ Die Abwehr hat sich zum Prunkstück entwickelt. In fünf der jüngsten sieben Pflichtspiele kassierte die Werkself kein Gegentor „Zu null bedeutet immer die Bereitschaft der ganzen Mannschaft, hart zu arbeiten, eine gute Abstimmung und Disziplin. Das ist jedes Mal aufs Neue eine Aufgabe, die du zu 100 Prozent annehmen musst“, lobte der Geschäftsführer Sport.

Bayer 04 ließ außer dem Abseitstor und zwei weiteren gefährlichen Standards nichts zu. Ein Verdienst der Dreierkette mit Andrich, Jarell Quansah und Edmond Tapsoba, der aus dem Trio noch herausstach. „Eddie hat viel Selbstvertrauen. Er ist ruhig mit dem Ball – und sehr, sehr gut in den Zweikämpfen und bei Flanken. Manchmal ist er ein bisschen lässig, aber wenn er so konzentriert spielt, hat er große Qualitäten“, lobte Hjulmand.

Es ist Halbzeit.
Simon Rolfes, Sportchef Bayer Leverkusen

Rolfes schloss sich gerne an: „Eddie ist ein hervorragender Spieler – gerade mit Ball, mit Verlagerungen und Pässen nach vorne. Er bringt diese Ruhe mit und erkennt, welchen Moment ein Spiel gerade hat.“ Der Nationalspieler Burkina Fasos war es auch, der vor dem 1:0 durch seinen Ballgewinn den Konter über Poku einleitete. Tapsoba hatte übrigens am 20. Januar wegen einer Verletzung aus dem Afrika-Cup gefehlt. Noch so ein Unterschied.

Mit dem Innenverteidiger hat Bayer 04 vor dem Rückspiel am kommenden Dienstag in der BayArena das Tor zum Achtelfinale weit aufgestoßen. Davon wollten die Leverkusener nichts hören: „Es kann immer schwierig werden – wir brauchen wieder eine sehr konzentrierte Leistung. Wir fahren besser damit, auf Sieg zu spielen und keine Rechenspiele zu machen“, sagte Robert Andrich.

Auch Simon Rolfes mahnte vor einem Deja Vu: „Es ist Halbzeit. Wir haben vor zwei Jahren gegen Rom nach einem 2:0 gesehen: komfortabel ist das nicht automatisch. Olympiakos ist immer gefährlich – auch aus wenig Situationen, gerade bei Standards. Wir müssen wieder hellwach sein und in jeder Aktion 100 Prozent fokussiert – dann haben wir die Chance weiterzukommen.“