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Kölner Yad-Vashem-BewerbungDas sind die spektakulären Bauten von Manuel Herz

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Blick auf die Neue Synagoge in Mainz.

In Main hat Manuel Herz die neue Synagoge gebaut, sie wurde 2010 eröffnet.

OB Torsten Burmester hat den Architekten für den geplanten Umbau des RGM-Studienhaues gewinnen können.

Köln soll, wenn es nach dem Willen von großen Teilen der Politik und der Verwaltung geht, eine Außenstelle der Yad Vashem-Gedenkstätte am Berg des Gedenkens westlich von Jerusalem bekommen. Noch ist keine Entscheidung gefallen, denn Köln steht zum einen mit Düsseldorf im Wettbewerb, zum anderen aber auch mit München und Dresden. Um erst gar keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Unterfangens aufkommen zu lassen, griffen Stadt und Oberbürgermeister Thorsten Burmester (SPD) bei der Auswahl eines geeigneten Architekturbüros ins obere Regal: Manuel Herz soll das Kurienhaus am Roncalliplatz so umbauen, dass es ein Ort der Bildung, der Erinnerung, aber auch der Begegnung wird. Dies hatte der Oberbürgermeister im Gespräch mit der Kölnischen Rundschau angekündigt.

Synagoge Kiew

Die Synagoge Kiew ist wenige Wochen vor Beginn des Angriffskrieges fertig geworden.

Der Entwurf sieht auf dem Dach einen Garten der Welt vor, auch das soll zur Begegnungsstätte gehören, erklärte Burmester. Die Lage im Zentrum, die Verbindung zum historischen Köln, sei ein großer Vorteil im Wettkampf mit den anderen deutschen Städten. Manuel Herz stammt aus Düsseldorf und hat einen engen Bezug zu Köln, wo er immer wieder auch arbeitete. Das Architektenbüro hat seinen Sitz in Basel. Aus seiner Feder stammen Entwürfe, die für Aufsehen gesorgt haben: Die neue Synagoge in Mainz, die Bayer-Zentrale, die Synagoge Babyn Yar in Kiew oder der Schweizer Pavillon auf der Expo 2025 in Osaka. Auch in Afrika ist Herz aktiv, hat die Schweizer Botschaft in Nairobi, der Hauptstadt Kenias, entworfen oder Schulen und Krankenhäuser im Senegal. Herz ist in Köln kein Unbekannter: Er hat das Wohnhaus Arthron an der Cäsarstraße in Bayenthal entworfen oder das bundesweit bekannte Projekt „legal/illegal“ an der Goltsteinstraße – eine Symbiose aus historischem Bestand und fast schon expressionistischer Anmutung, wofür Herz 2003 den Architekturpreis der Stadt Köln verliehen bekam.

Manuel Herz Das Projekt „legal/illegal“ ist an der Goltsteinstraße in Bayenthal zu sehen.

Und nicht zuletzt wurden bei Herz in der Schweiz auch die Pläne für das „Ehre und Liebig“-Projekt gegenüber dem Schlachthof entwickelt, Stadthäuser im urbanen Raum. Seine Bauten sind keinem festen Muster unterworfen. Wesentlich ist ihm die Sinnhaftigkeit seiner Architektur und der schonende Umgang mit Ressourcen. „Wer Menschen und ihre Bedürfnisse nicht versteht, sollte die Finger von diesem Beruf lassen,“ erklärte er einmal in einem Interview mit der Schweizer Illustrierten. Was ein wenig erklären mag, wie er schicke Stadtvillen und Krankenhäuser im Senegal problemlos unter einen Hut bekommt. Seine teilweise unkonventionellen Entwürfe haben immer einen engen Bezug zum jeweiligen Kontext, in dem sie entstehen.

RGM

Das Studienhaus des Römisch Germanischen Museusm

Anfang März soll erneut ein Delegation aus Israel nach Köln kommen, um sich über den möglichen Standort der Außenstelle, das Studienhaus des Römisch Germanischen Museums, zu informieren. Das Haus war bereits Teil der Planungen für eine Historische Mitte. Stadtkonservator Thomas Werner ist in die Planungen eingebunden. „Wir möchten, dass Herz bei der Präsentation dabei ist und das Projekt begleitet“, hatte Burmester im Rundschau-Interview gesagt. Neben der Architektur erfahren auch Herz' Forschungen zu Urbanismus und Migration Beachtung – etwa in „From Camp to City“, in dem er sich 2012 als Herausgeber mit Flüchtlingslagern in der Westsahara befasst: Wie entstehen sie, wer baut sie, wie entwickeln sie sich weiter – es ist ein genauer Blick hinter die „Kulissen“ im Wortsinn. „Migration – die Stadt gestalten“, bei dem Herz als Mitautor tätig war, befasst sich mit den Veränderungen, die Nairobi seit der Kolonialzeit durch Migration durchlaufen hat.

Herz (57) hat in Aachen und England studiert, er lebt in Basel. Neben der schweizerischen besitzt er die israelische und die schwedische Staatsbürgerschaft. Das Kosmopolitische wurde ihm mehr oder weniger in die Wiege gelegt: Vater Thomas Aage Herz verbrachte seine Schulzeit in Schweden, Brasilien und Australien und war später Professor für Soziologie an der Universität Siegen. Mutter Ruth Herz war Tochter eines jüdischen Rechtsanwalts aus Breslau, der im Alter von 28 Jahren infolge der Machtergreifung der Nationalsozialisten nach Palästina geflohen war.