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Blamage zum JahresauftaktHeimdebakel für Bayer Leverkusen gegen Stuttgart

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Deniz Undav (l., VfB Stuttgart) und Malik Tillman (r., Bayer Leverkusen) kämpfen um den Ball.

Deniz Undav (l., VfB Stuttgart) und Malik Tillman (r., Bayer Leverkusen) kämpfen um den Ball. 

Erstmals seit langer Zeit gewinnt Stuttgart wieder gegen Leverkusen. Die Werkself muss ich mit 1:4 geschlagen geben.

Das Fußballjahr 2026 hat für Bayer Leverkusen mit einer Blamage begonnen. Im Topduell des 16. Bundesliga-Spieltags unterlag die Werkself dem VfB Stuttgart mit 1:4 (0:4). Nicht nur, dass die Hausherren viele Zuschauer in der ausverkauften BayArena vergraulten. Im Rennen um die Champions League-Plätze rutschten sie auch auf Platz vier ab und sind nun punktgleich mit den Schwaben.

Schon vor dem Spiel hatte es die erste schlechte Nachricht von Patrik Schick gegeben. Der einzig verbliebene Mittelstürmer fiel wegen muskulärer Probleme kurzfristig aus. Für ihn rückte Martin Terrier ins Sturmzentrum. Auch Eki Fernandez und Alejandro Grimaldo kehrten in die Startelf zurück. 21 Tage nach dem 3:1 in Leipzig war die Werkself trotzdem nicht wiederzuerkennen.

Erst 67 Sekunden waren gespielt, da hatten die Gäste schon die erste Großchance. Mark Flekken konnte den Kopfball von Josha Vagnoman aber noch entschärfen. So wie in dieser Szene fehlte der Zugriff auch beim 0:1: Nach einem Ballverlust im Mittelfeld konnte Deniz Undav steil auf Jamie Leveling spielen. Dieser spitzelte den Ball unter den Armen des herauseilenden Flekken ins Tor (7.).

Andrich mit Selbstkritik

„Das lag an unserer Schläfrigkeit“, schimpfte Kapitän Andrich über den Fakt, dass er und seine Mitspieler Zweikämpfe „überhaupt nicht angenommen oder sogar verweigert“ hatten. Der erste Gegentreffer war also kein Weckruf, sondern steigerte die Verunsicherung noch. Lewelings zweiter Streich wurde wegen Undavs vorheriger Abseitsstellung noch abgepfiffen (15.). Dann grätschte der überforderte Linksverteidiger Jeanuel Belocian im eigenen 16er zu früh und zu ungestüm gegen Vagnoman. Den fälligen Strafstoß verwandelte Maximilian Mittelstädt sicher links unten zum 0:2 (29.).

Hätte Fernandez den besten Leverkusener Spielzug gegen den glänzend reagierenden VfB-Keeper Nübel verwertet, wäre eine Wende möglich gewesen (32.). „Wir hatten zwei, drei gute Möglichkeiten, aber das Glück auch nicht“, befand Andrich und ergänzte: „Aber das kannst du auch nicht haben, wenn man so in den Zweikämpfen agiert.“ Die Quote von 48 Prozent gewonnener Duelle wirkte nicht eklatant. Die Stuttgarter waren aber in den entscheidenden Momenten schneller und schärfer.

Debakel für Bayer Leverkusen

So entwickelte sich der Rest von Halbheit eins zum Debakel: Sieben Bayer 04-Profis schauten im eigenen Strafraum zu, wie Leweling erneut Maß nahm und zum 0:3 einnetzte (45.). „Einer geht noch, einer geht noch rein“, skandierten die Gästefans schon in der Nachspielzeit der ersten Hälfte. Da hatte Undav unter Geleitschutz von Andrich und Co. nochmals eingenetzt (45.+2). „4:0 zur Halbzeit war schon sehr, sehr hart. Deswegen müssen wir schleunigst dran arbeiten, dass es nicht wieder so kommt gegen eine Mannschaft, die eklig Eins-gegen-Eins über den ganzen Platz verteidigt“, forderte Leverkusens Spielführer schnelle Besserung.

Die desaströse Abwehrleistung in den ersten 48 Minuten nahmen mehrere Hundert Bayer-Fans persönlich und kehrten schon zur zweiten Halbzeit nicht mehr auf die Tribüne zurück. Bis zum Schlusspfiff hatte sich die ausverkaufte BayArena bis zur Hälfte geleert. Schließlich war eine Aufholjagd ausgeblieben. Der von Malik Tillman gegen Stuttgarts Chabot herausgeholte, und von Grimaldo verwandelte Elfmeter zum 1:4, war nicht mehr als Ergebniskosmetik (66.). „Wir haben es überhaupt nicht geschafft Stuttgart mal in Bedrängnis zu bringen“, schimpfte Andrich nach dem indiskutablen Auftritt der Werkself.

Dass mit Edmond Tapsoba in der Defensive, Ibrahim Maza im Mittelfeld, sowie Christian Kofane für das Sturmzentrum, gleich drei potentielle Leistungsträger vom Afrika Cup zurückkehren, stimmte ihn zwar positiv. Schließlich geht es schon am Dienstagabend beim Hamburger SV weiter. „Grundsätzlich haben wir aber  genug Spieler mit fußballerischer Qualität“, wollte der Kapitän nach dem Debakel gegen Stuttgart keine Ausreden gelten lassen. „In solchen Spielen geht es vor allem um Zweikampfverhalten und das war bei uns über 90 Minuten nichts. Dann kannst du solche Spiele nicht gewinnen.“

Aufstellungen

Leverkusen: Flekken; Quansah, Andrich, Belocian (46. Badé); Arthur, Fernandez (67. Hofmann), Garcia, Grimaldo (81. Vazquez); Tillman, Tella (46. Poku), Terrier (67. Sarco)

Stuttgart: Nübel; Vagnoman (79. Assignon), Chabot, Hendriks, Mittelstädt; Karazor, Stiller; Leweling (79. Arevalo), Nartey (89. Chema), Führich (72. Jeltsch); Undav (88. Demirovic)

SR.: Felix Zwayer

Zuschauer: 30.210

Tore: 0:1 Leweling (7.), 0:2 Mittelstädt (29./FEM), 0:3 Leweling (45.), 0:4 Undav (45.+2), 1:4 Grimaldo (66./FEM).