Die Kölner Haie sind im Stile eines Champions in die Playoff-Viertelfinale gegen die Schwenninger Wild Wings gestartet. Der KEC kann nach dem 1:0 in Spiel eins bereits am Freitag in der Lanxess-Arena nachlegen.
Kölner HaieKölsche Finnland-Power sorgt für die Serienführung

Fliegender Finne: Haie-Stürmer Juhani Tyrvaeinen zeigte im ersten Spiel gegen Schwenningen seine Playoff-Qualitäten.
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Juhani Tyrväinen war in seinem Element. Die Schwenninger Wild Wings hatten durch Kyle Platzer und Alexander Karachun gerade die große Chance auf den 1:1-Ausgleich und die mögliche Verlängerung vergeben, als der erfahrene Finne zeigte, worauf es in einer Playoff-Serie im Eishockey auch ankommt. Der 35-Jährige ging zum Bully vor dem eigenen Tor, wischte sich mal sein Visier, zupfte sich dann an der Ausrüstung. Klassische Verzögerungstaktik und die perfekte Ablenkung, um auch noch die letzten 25 Sekunden des erstes Viertelfinalspiels um die deutsche Meisterschaft zu überstehen und den 1:0 (1:0, 0:0, 0:0)-Auswärtssieg sowie die wichtige 1:0-Führung in der „Best-of-seven“-Serie nach Hause zu bringen.
Der mit allen Playoff-Wassern gewaschene Tyrväinen brachte die Schwenninger Fankurve hinter dem Kölner Tor mit seinen Mätzchen in Rage und die Wild Wings-Profis aus der Fassung. Der KEC-Stürmer war am Ziel, denn der Gegner regte sich mehr auf, als dass er versuchte, mit allen Mitteln die Verlängerung zu erzwingen. Die Szenerie eskalierte in der Schlusssekunde mit einem harten Bandencheck, den der Finne mit einem Lächeln quittierte.
Als die Schwenninger daraufhin noch eine Schlägerei anzetteln wollten, wichen die Haie clever aus. Verteidiger Brady Austin baute sich zwar kurz auf, wies die Wild Wings dann aber nur auf die abgelaufene Zeit hin. Der kräftige Kanadier ließ eine Handbewegung folgen, die zum Ausdruck brachte, dass sich die Haie vom Gezeter der „Schwäne“ nicht provozieren lassen.
Wir hatten eine längere Pause und wussten, dass es in dieser Halle und mit der kleineren Eisfläche schwer werden wird.
Die Schlusssequenz in der tosenden und mit 5100 Zuschauern ausverkauften Helios-Arena demonstrierte, dass die Haie sich im schwierigen ersten Spiel der Serie auf die wesentlichen Dinge konzentriert hatten und mit mentaler Stabilität im Stile eines Champions zum Erfolg gekommen waren. „Wir hatten eine längere Pause und wussten, dass es in dieser Halle und mit der kleineren Eisfläche schwer werden wird. Wir haben defensiv sehr gut gearbeitet, nicht viel zugelassen und hatten einen guten Goalie“, bewertete Oliwer Kaski Spiel eins.
Der finnische Verteidiger hatte mit seinem Treffer (13.) für den Auswärtssieg georgt. Es war ein krummes Ding. Kaski erwischte den Pass von Maxi Kammerer kurz hinter der Blauen Linie und traf den Puck in ungewohnter Vorlage nicht voll. Dabei bog sich sein Schläger und veränderte so die Flugbahn der Scheibe. Schwenningens Torhüter Joacim Eriksson hatte ganz offensichtlich mit einem härteren Schuss gerechnet und sich für einen Fanghand-Save entschieden, anstatt seinen Körper hinter den Puck zu bringen. „Mein Schuss hatte eine spezielle Flugbahn und war schwer für ihn zu berechnen“, sagte Kaski lächelnd. „Ich hatte ihn nicht so geplant, bin aber froh, dass er reingegangen ist.“
Tausch des Heimrechts wird nicht zum Nachteil
Die Haie fanden mit der Führung im Rücken eine gute Balance zwischen konzentrierter Defensivarbeit und möglichst risikolosem Angriffsspiel. „Als Trainer macht man sich immer irgendwelche Sorgen. Die Frage war, wie wir die zehn freien Tage verkraften und aus der Pause kommen. Ich habe gesehen, dass wir von Beginn an bereit waren, unserem Plan zu folgen“, zeigte sich Kari Jalonen mit der Leistung zufrieden. Der KEC-Chefcoach war vor allem davon angetan, wie sein Team die im Vergleich zu den anderen Spielstätten in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) vier Meter schmaleren Eisfläche und die hitzige Atmosphäre in der Helios-Arena gemanagt hatte. „Wir haben es geschafft, die Eisfläche zu lesen und die Räume für unser Spiel zu finden. Wir waren in den Zweikämpfen an der Bande zur Stelle und sind ohne Gegentor geblieben. Das ist eine gute Basis.“
Jalonens Gegenüber Steve Walker musste gleich im ersten Duell der Serie erkennen, dass es für sein durch den Sieg in der ersten Playoff-Runde gegen Wolfsburg euphorisiertes Team schwer werden wird: „Es ist nicht leicht, gegen sie Chancen zu kreieren. Die Chancen, die wir bekommen, müssen wir kaltschnäuziger nutzen.“ Leicht gesagt, aber schwergetan: Die Haie ließen nur 21 Torschüsse der Wild Wings zu, von denen zwei durch Philip Feist und Daniel O’Regan am Gestänge landeten. Den Rest entschärfte Janne Juvonen, der im Kölner Tor eine unglaubliche Ruhe ausstrahlte und in dieser Saison schon zum sechsten Mal ohne Gegentor blieb. „Wenn es mal einen Breakdown gab, war Janne zur Stelle“, lobte Kapitän Moritz Müller den finnischen Goalie.
Wir haben den ersten Sieg, aber im Verlauf einer Serie gibt es immer Dinge zu verbessern.
Tyrväinen, Kaski, Juvonen und Verteidiger Veli-Matti Vittasmäki, der in der letzten Minute mit einem langen Schläger den Ausgleich durch Karachun verhindert hatte, verkörperten am Mittwoch die finnische Power, die gepaart mit der selbstsicheren Ruhe des gesamten Teams für den Sieg verantwortlich war. Ein Sieg, der auch die Bedenken der Haie zerstreute, dass der durch die Belegung der Lanxess-Arena nötig gewordene Tausch des Heimrechts im ersten Viertelfinalspiel zum Nachteil werden könnte.
Das zweite Duell, in dem die Kölner weiter auf den verletzten Stürmer Ryan MacInnis verzichten müssen, steigt am Freitag (19.30 Uhr/Magenta Sport) in der mit 18.600 Zuschauern ausverkauften Lanxess-Arena. „Es war noch nicht unser bestes Hockey, vor allem in der Offensive. Wir haben ein sehr gutes Powerplay, das müssen wir noch besser ins Spiel bringen“, sah Oliwer Kaski genau wie Kari Jalonen leistungsmäßig noch Luft nach oben: „Wir haben den ersten Sieg, aber im Verlauf einer Serie gibt es immer Dinge zu verbessern.“ Der 66-jährige Finne wollte auch auf Nachfrage nichts ins Detail gehen, die Mentalität, Cleverness und Erfahrung, die sein Team in Schwenningen auf Eis gebracht hatte, konnte er aber nicht gemeint haben.
