Im Interview spricht der Coach über die aktuelle Ergebniskrise, die Offensivschwäche und über das, was ihn positiv stimmt.
Fortuna Kölns Trainer Matthias Mink„Wir stehen dabei bislang ganz am Ende der Nahrungskette“

Fortuna Kölns Trainer Matthias Mink (m.) wird zu 250 Spielen an der Seitenlinie beglückwunscht.
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Fünf Monate nach dem Aufstieg in die 3. Liga ist die Euphorie beim SC Fortuna Köln verflogen und Ernüchterung gewichen. Vier Niederlagen in Folge, nur ein Tor nach der Länderspielpause und schon drei Punkte Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz. Da muss Trainer Matthias Mink klar Stellung beziehen: Zur Ergebniskrise, fehlender Effizienz, den Entwicklungsprozess seiner Mannschaft und die Herausforderungen des Profifußballs.
Herr Mink, nach der Länderspielpause hat die Fortuna nur noch ein Tor erzielt und das beim 1:2 gegen Würzburg per Elfmeter. Droht angesichts der Offensivprobleme die Gefahr, dass Sie Ihre defensive Stabilität opfern müssen?
Matthias Mink. Nein, die Gefahr sehe ich überhaupt nicht. Wir sind weiterhin defensiv stabil, haben ligaweit die zweitwenigsten Gegentore bekommen und uns zuletzt mehr Torchancen erspielt als unsere Gegner. Wir mauern nicht, sondern laufen weiterhin sehr aktiv an. Wir müssen den Blick auch einmal von den Ergebnissen lösen. Es gibt nur wenige Mannschaften, die ihre Gegner komplett an die Wand spielen. Wir müssen unserer Mannschaft die Sicherheit geben, dass der eingeschlagene Weg ein guter ist.
Vier Niederlagen hintereinander lassen sich allerdings nicht einfach wegdiskutieren.
Natürlich ist Fußball ein Ergebnissport. Das sehen die Öffentlichkeit, die Journalisten und die Fans. Den Druck haben dann wir. Aber mit Druck lässt sich nicht unbedingt besser Fußball spielen. Wir wollen deshalb weiterhin die positiven Aspekte in den Vordergrund stellen. Wir haben gerade zuletzt Spiele gehabt, die wir jederzeit hätten gewinnen können.
Warum ist der Schritt in die 3. Liga so schwierig?
Die Situation ist überhaupt nicht mit unserer Regionalliga-Saison vergleichbar. Damals waren wir in einem Flow. Jetzt ist der sportliche Wettbewerb ein ganz anderer. Die Qualität der Gegner ist deutlich höher, gleichzeitig sind die Ansprüche innerhalb unseres eigenen Kaders gestiegen. Wir müssen uns an ein neues Niveau anpassen – körperlich, bei den Intensitäten und bei der Laufbereitschaft. Da mussten wir zunächst ein Gefühl für die Liga entwickeln.
Fortuna Kölns Mink fordert mehr Konsequenz
Wo sehen Sie diese Entwicklung konkret?
Wir haben inzwischen ein anderes Selbstverständnis. Wir verteidigen höher, laufen früher an, setzen den Gegner unter Druck und sind mit Ball souveräner geworden. Wir spielen klarer nach vorne und erspielen uns mehr Torchancen. Wir agieren nicht wie das Kaninchen vor der Schlange, sondern sind aktiv. Auch nach den vier Niederlagen haben wir der Mannschaft anhand von Videos noch einmal gezeigt: Wir sind konkurrenzfähig. Jetzt gilt es, daraus Ergebnisse zu erzielen. Im Best Case schon gegen Waldhof Mannheim.
Was muss sich dafür schon am Samstag im Auswärtsspiel bei Waldhof Mannheim ändern?
Wir müssen konsequenter werden – in den Zweikämpfen, auch in der Offensive, im Spiel nach vorne Qualitäten optimieren und effektiver werden. Mir haben zuletzt gerade in den entscheidenden Situationen Qualitäten gefehlt: bei Hereingaben, im Eins-gegen-Eins und bei den Abschlüssen. Wir haben auch den gegnerischen Torhüter zu wenig gefordert. Da muss die Mannschaft besser werden. Allerdings braucht das Zeit. Solche Dinge lassen sich nicht auf Knopfdruck verändern. Dem müssen wir mit Geduld und Demut begegnen.
Wie nehmen Sie die Stimmung im Umfeld wahr?
Relativ entspannt. Wir haben als Aufsteiger immer davon gesprochen, dass es um den Klassenerhalt geht. Daran hat sich auch nach vier oder fünf Wochen mit guten Ergebnissen zu Beginn der Saison nichts geändert. Wir wissen natürlich, dass wir bislang zu wenig Punkte geholt haben – gemessen an dem, was wir auf dem Platz gezeigt haben.
Zu Wochenbeginn hat Präsident Hanns-Jörg Westendorf Ihnen das Vertrauen ausgesprochen. Wie ist der Austausch mit ihm und Geschäftsführer Niklas Müller?
Mehrfach wöchentlich, teilweise täglich. Das ist völlig unproblematisch und entspannt. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.
Mit Jannik Mause und Cedric Harenbrock sollten zwei erfahrene Neuzugänge die Offensive auf ein anderes Niveau heben. Wie kann dieses Vorhaben zur Wirklichkeit werden?
Wir haben keinen Spieler im Kader, der über allen anderen steht. Wir verfügen über einen sehr ausgeglichenen Kader. Bei Mause und Harenbrock muss man berücksichtigen, dass sie ohne Vorbereitung gekommen sind. Sie hatten zuvor keinen Spielrhythmus und konnten nicht von null auf 100 ins Rennen geschickt werden. Wir haben vieles richtig gemacht, indem wir ihnen ihre Einsatzzeiten gegeben haben. Es braucht aber Zeit, bis sie ihre Qualitäten voll einbringen können. Fußball ist Gegenwart und vielleicht ein kleines bisschen Zukunft, aber nie Vergangenheit.
Auch Kapitän Robin Afamefuna stand zuletzt nicht im Kader. Ist sein Status als Führungsspieler noch unangetastet?
Es geht um Leistung. Wir sind im Profifußball angekommen, da gibt es keinen Kredit aufgrund der Vergangenheit. Robin war nach dem Pokalspiel (in Kreuzau am 6. Oktober; Anm. d. Red.) verletzt und mehr als dreieinhalb Wochen nicht mehr im Wettkampfbetrieb. Er arbeitet gut, gibt alles für die Mannschaft und ist sich seiner Verantwortung bewusst. Der persönliche Austausch ist top. Alles ist in Ordnung.
Nach zwölf Spielen fällt Ihre erste Zwischenbilanz also eher ernüchternd aus?
Diese erste Saisonphase ist extrem herausfordernd. Wir müssen kurzfristig schauen, dass wir diesen Herausforderungen gerecht werden. Alle im Verein – von den Fans über die Ehrenamtler und Verantwortlichen bis zu uns im sportlichen Bereich – müssen erkennen, was diese 3. Liga bedeutet. Das ist Profifußball in allen Teilbereichen. Und wir stehen dabei bislang ganz am Ende der Nahrungskette.

