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Viktoria-TrainerMarian Wilhelm ist der Architekt von Kölns schönstem Fußball

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19.09.2026, xsefx, Fußball, FC Viktoria Köln - FC Ingolstadt 04, 3.Liga, Sportpark Höhenberg, 7. Spieltag, Saison 2026 2027: Cheftrainer Marian Wilhelm FC Viktoria Koeln hc DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and or quasi-video. Nordrhein-Westfalen Deutschland *** September 19, 2026, xsefx, Soccer, FC Viktoria Köln vs. FC Ingolstadt 04, 3. Liga, Sportpark Höhenberg, Matchday 7, 20262027 Season. Head Coach Marian Wilhelm, FC Viktoria Köln. DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video. North Rhine-Westphalia, Germany

Marian Wilhelm, Trainer von Viktoria Köln

Der 38-Jährige hat den Drittligisten zu einem Topteam geformt. Folgt für den Trainer bald der nächste Schritt?

Köln beheimatet drei Profifußball-Standorte, mehr als jede andere Stadt in Deutschland: Müngersdorf, Zollstock und Höhenberg. Den derzeit wohl ansehnlichsten und erfolgreichsten Fußball bietet dabei Viktoria Köln in der Dritten Liga. Mit einer jungen Mannschaft und kleinem Budget hat sich der Klub dank spektakulärer Siege bis auf Tabellenplatz zwei vorgearbeitet – und in den Kreis der Aufstiegsanwärter. Architekt des attraktivsten Fußballs der Stadt ist Marian Wilhelm, Cheftrainer und Viktoria-Urgestein. Der 38-Jährige hat sich längst über Kölns Grenzen hinaus einen Namen als Entwickler und Stratege gemacht. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis Wilhelm den Schritt aus dem beschaulichen Höhenberg zu einem größeren Klub geht.

„Aus fachlicher Sicht traue ich ihm alles zu“, sagt Franz Wunderlich, Sportvorstand und selbst ein Viktoria-Urgestein, im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Arbeit Wilhelms und seiner Assistenten Kristopher Fetz, Fynn Fust und Kevin Rauhut sei herausragend. „Und ich bin lange genug dabei, ich weiß, wie das Geschäft funktioniert. Wenn es irgendwann so weit ist, setzen wir uns zusammen. Es gibt niemanden im Verein, der Marian einen nächsten Schritt nicht gönnen würde.“ Bis dahin, so der Wunsch des Vereins, soll noch einige Zeit vergehen. „Wenn wir die richtigen Wege gehen, sind wir als Team noch nicht am Ende der Fahnenstange“, sagt Wunderlich.

Marian Wilhelm verkörpert die Viktoria-DNA

Als Wilhelm im Sommer 2024 das Cheftraineramt bei Viktoria Köln von seinem langjährigen Lehrmeister Olaf Janßen übernahm, war das keine gewöhnliche Beförderung. Es war die Krönung eines Weges, der 16 Jahre zuvor begonnen hatte – als Nachwuchstrainer in nahezu jeder erdenklichen Rolle, die der Verein zu vergeben hatte. Wilhelm hat sich durch alle Ausbildungsstufen zum Fußballlehrer gearbeitet, kennt jeden Winkel des Höhenberger Sportparks und verkörpert wie kaum ein anderer jene „Viktoria-DNA“, die der Klub gerne beschwört. Nicht zufällig trägt diese maßgeblich seine Handschrift.

Der heute 38-Jährige hat seinen Verein längst geprägt, so wie der Verein ihn geprägt hat. Als im März 2026 sein Vertrag verlängert wurde – die Details blieben unter Verschluss, doch die Laufzeit beträgt mehr als ein Jahr –, sprach Sportvorstand Wunderlich von der „wichtigsten Entscheidung für die künftige Ausrichtung unseres Klubs“. Das war keine Floskel. Nach Informationen dieser Zeitung hatten auch größere Vereine ein Auge auf Wilhelm geworfen. Er blieb dennoch bei seinem Heimatverein, seiner Überzeugung und einem Projekt, das er selbst mitgeformt hat.

Viktoria Köln hat den jüngsten Kader aller Profi-Teams

Wilhelms Spielphilosophie lässt sich nicht losgelöst von seiner Rolle als Ausbilder betrachten. „Die Arbeit mit jungen Spielern hat mir schon immer am Herzen gelegen. Ich bin ein Entwickler“, sagt er über sich. Viktoria Köln tritt unter ihm nicht als klassischer Drittligist mit viel Erfahrung und rustikalem Spielstil auf, sondern als Mannschaft, die bewusst auf Jugend setzt – getragen von einer erfahrenen Achse. Als der Klub 2019 aufstieg, hatte er den ältesten Kader der Liga. Inzwischen stellt Viktoria – nach den Reserveteams – den jüngsten, im Schnitt 23,6 Jahre alt.

Diese Umkehrung ist kein Zufall, sondern Programm. „Ich finde es spannend, dass junge Spieler deutlich mehr Verantwortung übernehmen müssen. Das bringt immer Entwicklung mit sich“, erklärt Wilhelm. Während andere Vereine ihre Konstanz aus erfahrenen Spielern um die 30 ziehen, verlässt sich Höhenberg auf 23- oder sogar 20-Jährige. Wilhelm nennt das „jugendlichen Elan“ und eine „gewisse Wildheit“, die es zu fördern gelte, statt sie zu unterdrücken. Es ist ein mutiger Ansatz für einen Drittligisten, der finanziell nicht auf Rosen gebettet ist. Doch genau dieser Mut hat Viktoria zu dem gemacht, was der Klub heute ist: ein Verein, der Jahr für Jahr deutlich über seinem Budget abschneidet.

Viktoria ist ein Sprungbrett für Spieler: Said El Mala, Sidny Cabral, Jonah Sticker. Aber auch für Trainer könnte der Klub eines sein. Zuletzt hatte es Gerüchte über ein Interesse von Hansa Rostock an Wilhelm gegeben. Ein großer, traditionsreicher Verein mit viel Wucht – und viel Unruhe. Schnell war klar, dass es sich um nicht mehr als ein Gerücht handelte. Denn wer Wilhelm kennt, weiß: Er würde sein selbst geformtes Herzensprojekt nicht Hals über Kopf für ein mögliches Himmelfahrtskommando verlassen.

Marian Wilhelm ist den Höhenberger Luxus gewohnt

Wenn der Coach den nächsten Schritt geht, wird er es überlegt tun – vermutlich nach dem Ende einer Saison mit frühzeitiger Klarheit über den neuen Arbeitgeber. Wilhelm war nie Trainer eines anderen Vereins, er ist den Höhenberger Luxus gewohnt. Der besteht nicht aus Geld oder modernen Räumlichkeiten. Sondern aus ruhigen Arbeitsbedingungen, kurzen Dienstwegen und der Abwesenheit von Gremien, die sich in die sportlichen Entscheidungen einmischen.

Beraten wird in der Regel im sportlichen Dreigestirn: Trainer Wilhelm, Sportvorstand Wunderlich und Valentin Schäfer, dem Sportlichen Leiter. Geschäftsführung und Vorstand halten sich zurück, geben maximal einige wirtschaftliche Leitplanken vor. Wunderlicht betont allerdings: „Nur weil es familiär zugeht, heißt es nicht, dass wir nur einen Millimeter weniger zielstrebig oder ehrgeizig sind als die großen Vereine.“

Bei einem größeren Klub müsste Wilhelm sich vermutlich auf kompliziertere Strukturen einstellen. Gleichzeitig steht der gebürtige Berliner für einen klaren Spielstil: dominant, offensiv, schnell. Ihn bei einem anderen Verein zu etablieren, würde Zeit brauchen. Ein Wechsel während der Saison ist deshalb unwahrscheinlich – zumal Wilhelm kaum als Feuerwehrmann für einen kriselnden Großklub infrage käme. „Er ist schlau genug zu wissen, wie er seine Ideen umsetzen kann“, meint Wunderlich.

Am Samstag trifft Viktoria auf den 1. FC Köln

„Marian ist klar in seiner Kommunikation, ehrlich mit den Spielern und konsequent in seinen Entscheidungen“, lobt Wunderlich. „Es gibt kein Rumeiern. Ich kenne das Geschäft, das gibt es nicht so oft.“ Wilhelm bleibe auch in Stressphasen ruhig und sachlich. Auch Viktoria-Kapitän Christoph Greger schwärmt von seinem Trainer: „Er ist der Hauptverantwortliche dafür, dass wir spielen, wie wir spielen, und uns noch einmal gefestigt haben. Marian ist klar in seiner Ansprache, hat ein Auge für Details. Er schafft es immer – auch nach Pleiten wie gegen Regensburg (2:5, d. Red.) –, Emotionen beiseitezulegen und sachlich die Inhalte zu analysieren. Er bringt Emotionen ins Team, aber nie zu viel. Vielleicht ist das eine seiner größten Stärken: Wenn es darauf ankommt, kapselt er sich von Launen, Ergebnissen und Emotionen ab und geht Stück für Stück die wichtigen Themen durch.“

Am Samstag (14 Uhr, Sportpark Höhenberg) trifft Wilhelm mit seiner Viktoria im Testspiel auf den riesigen Nachbarn, der sich nach einer vergleichbaren sportlichen Handschrift sehnt, dem aufgrund seiner Größe womöglich aber die nötige Ruhe dafür fehlt: den 1. FC Köln. Irgendwann ein Arbeitgeber für Wilhelm? Aktuell wäre es eine kühne Wahl. Doch immerhin glaubt auch Thomas Kessler, Sport-Geschäftsführer des Bundesligisten, dass Wilhelms Weg ihn irgendwann in die Bundesliga führen wird.