Köln – Erst ein Ultimatum, das hinterher keine Gültigkeit besaß, dann Rückendeckung trotz des peinlichen 3:4 gegen Schlusslicht Krefeld und am Mittwoch nun die Demission: Nach der niveaulosen Entlassung von Uwe Krupp im Oktober 2014 haben sich die Verantwortlichen der Kölner Haie die nächste Trainer-Posse erlaubt. Nach einem Schlingerkurs der seinesgleichen sucht, stellten KEC-Geschäftsführer Peter Schönberger und Mit-Gesellschafter Ralf Pape Krupp-Nachfolger Niklas Sundblad nach dem gestrigen Vormittagstraining die Papiere aus.
Nachfolger des erfolgs- und glücklosen Schweden wird der Kanadier Cory Clouston. Wie der Tabellen-Zehnte der Deutschen Eishockey Liga (DEL) am Donnerstag mitteilte, erhält der 46 Jahre alte Kanadier einen Vertrag bis zum Saisonende. „Seine Erfahrung, auf höchstem Level gecoacht zu haben, wird uns weiterhelfen. Wir sind überzeugt davon, dass er unserer Mannschaft neue Energie geben wird, um unsere Ziele zu erreichen“, erklärt Haie-Geschäftsführer Peter Schönberger.
Seine Trainerkarriere begann Clouston bereits 1995, nachdem er zwischen 1989 und 1993 für die University of Alberta als Spieler auf dem Eis stand, bei den Grande Prairie Storm in der Rocky Mountain Junior Hockey League sowie in der Alberta Junior Hockey League (1995-1999). Im Anschluss übernahm er den Posten des Assistenztrainers bei den Kootenay Ice in der kanadischen Juniorenliga WHL (1999-2001) und wurde 2001 zu deren Cheftrainer ernannt (2001-2007). In der Saison 2007/08 wechselte Clouston in den Profibereich als Cheftrainer der Binghamton Senators (AHL). Im März 2009 wurde er Headcoach bei den Ottawa Senators in der NHL und behielt diesen Posten für knapp drei Jahre bis zum Ende der Saison 2010/11.
Nachdem er im Jahr 2011 mit den kanadiern diie Playoffs verpasst hatte, musste er seinen Posten räumen. Nach einer Spielzeit bei den Brandon Wheat Kings in der WHL (2011/12) war Clouston zuletzt von 2013 bis 2014 Cheftrainer der Prince Albert Raiders, ebenfalls in der WHL und trainierte dort unter anderem den deutschen NHL-Profi Leon Draisaitl, der in Köln geboren und bei den Haien groß geworden ist. „Seine Erfahrung, auf höchstem Level gecoacht zu haben, wird uns weiterhelfen. Wir sind überzeugt davon, dass er unserer Mannschaft neue Energie geben wird, um unsere Ziele zu erreichen“, erklärt Haie-Geschäftsführer Peter Schönberger zur Verpflichtung Cloustons.
Der Kanadier, der Niklas Sundblad beim KEC ablöst, wird am Freitagmorgen von Vancouver aus in München landen und direkt zur Mannschaft stoßen, so dass er am Abend beim Auswärtsspiel gegen den EHC Red Bull an der Bande stehen wird. Am Samstag wird er in Köln der Presse vorgestellt, bevor er am Sonntag (16.30 Uhr, Lanxess-Arena) gegen die Adler Mannheim seinen ersten Auftritt vor eigenem Publikum hat. (sam)
Kurzfristigen bis gar keinen Erfolg
Der Entlassung von Sundblad war nach Informationen dieser Zeitung ein zweitägiges Chaos am Haie-Trainingslager vorausgegangen. Am Dienstag bat Hauptgesellschafter Frank Gotthardt alle Spieler und die Trainer zu Einzelgesprächen. "Wir befinden uns in einem fließenden Prozess und machen uns ständig Gedanken, wie wir unsere Ziele verbessern können", erklärte Peter Schönberger die Maßnahme.
Aus den Einzelgesprächen sei dann ein Bild entstanden, das zur Entscheidung gegen Sundblad und seinen Assistenten Petri Liimatainen geführt habe: "Wir hatten mit unseren bisherigen Maßnahmen letztlich kurzfristigen bis gar keinen Erfolg. Wir sehen die größte Erfolgschance darin, mit einem Trainerwechsel einen starken, neuen Impuls zu setzen", begründete Schönberger.
Möglicherweise ist Sundblad aber auch eine Spielerrevolte zum Verhängnis geworden. Gotthardt und Schönberger hatten geplant, die Mannschaft zwei Wochen lang in einem Hotel einzukasernieren. Eine Maßnahme, gegen die sich das Team geschlossen stellte, obwohl der Rauswurf einzelner Spieler zur Debatte stand. Als Sundblad am Mittwoch auch einen Kompromissvorschlag zur Einkasernierung nicht beim Team durchsetzen konnte, soll die in diesem Moment für die Spieler überraschende Entscheidung zum Trainerwechsel gefallen sein. Das Vormittagstraining hatte Sundblad am Mittwoch noch geleitet. Am Mittag teilten ihm Schönberger und Pape dann mit, dass er abgelöst wird.
Nachdem die Haie-Bosse sich mit Peter Draisaitl nicht verständigen konnten und der Vater des deutschen NHL-Profis Leon Draisaitl beim tschechischen Erstligisten HC Pardubice angeheuert hat, stand der KEC zunächst ohne Nachfolger da. Auch, weil mit Larry Huras und Pavel Gross zwei weitere Kandidaten nicht zu haben waren. Der Ex-Ingolstädter Huras sitzt seinen Vertrag beim schwedischen Erstligisten Modo aus, Gross verlängerte am Mittwoch seinen Vertrag in Wolfsburg bis 2018.
Clouston in der DEL ein unbeschriebenes Blatt
Nun soll es also mit Cory Clouston ein in der Deutschen Eishockey Liga unbeschriebenes Blatt richten. Weil Clouston wohl erst im Laufe des Donnerstags in Köln eintreffen und seinen Vertrag unterschreiben wird, leitet KEC-Nachwuchstrainer Thomas Brandl alleine das Vormittagstraining der Profis. Am Nachmittag bricht die Mannschaft mit dem Bus zum Spiel nach München auf.
Das erste Spiel ohne Niklas Sundblad, der in Köln beispiellos erfolglos geblieben ist. Zunächst verpasste er als Nachfolger von Uwe Krupp in der vergangenen Saison die Playoffs. Nachdem er sich dann im Sommer alleine eine Mannschaft mit zwölf zum Teil hochkarätigen Neuzugängen zusammenstellen durfte, erfüllte er die hohen Erwartungen erneut nicht.
Unerklärliche Ausrutscher gegen Underdogs
Nach einem passablen Saisonstart und begeisternden Partien hatte sich das Team immer wieder unerklärliche Ausrutscher gegen Underdogs geleistet. Nach einem 1:6 in Iserlohn und dem Sturz aus den Playoff-Rängen schienen Sundblads Tage gezählt. Schönbergers Ultimatum und ein 3:0-Derbysieg in Düsseldorf hielten den 43-Jährigen aber im Amt. Das 3:4 gegen Krefeld mit Sundblads Ex-Assistenten Franz Fritzmeier entfachte aber eine neue Diskussion über die Einstellung der Spieler.
Diese Spieler sind nun gefordert in München, am Sonntag gegen Mannheim und am Dienstag gegen Iserlohn die Kohlen aus dem Feuer zu holen. Von Cory Clouston können in der kurzen Zeit keine Wunderdinge erwartet werden und einen Sportdirektor haben die Haie seit Oktober 2014 ja nicht mehr. "Ein neuer Sportdirektor ist schon länger ein Thema. Wir sind auf der Suche, aber es muss der Richtige kommen und so viele gibt es nicht", äußerte sich Peter Schönberger zu dem Thema.
