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Zum WeltfrauentagVon Adele Schacke bis heute – der lange Weg des Frauensports

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Das Frauen-Team der KEC mit Kapitänin Christina Schwamborn (Mitte) im Spiel gegen die Erzrivalinnen der Düsseldorfer EG im Januar 2026.

Das Frauen-Team der KEC mit Kapitänin Christina Schwamborn (Mitte) im Spiel gegen die Erzrivalinnen der Düsseldorfer EG im Januar 2026.

Als in Deutschland Sportvereine gegründet und organisierte Wettkämpfe etabliert wurden, waren die Frauen nahezu noch völlig außen vor. Das änderte sich langsam erst in den 1920er Jahren. In männerdominierten Sportarten kämpfen Frauen noch heute um ihre Anerkennung.

Am Sonntag ist Weltfrauentag – ein Tag, der auf die Forderungen der Frauen zur Gleichstellung der Geschlechter aufmerksam machen soll. Das gilt auch für den Sport. Aus diesem Anlass schaut die Rundschau zurück auf die Anfänge im deutschen Frauensport und betrachtet zudem die Entwicklung und aktuelle Lage in renommierten Kölner Vereinen.

Eine Niedersächsin aus Göttingen war die erste Frau, der das Deutsche Sportabzeichen verliehen wurde. Ihr Name: Adele Schacke. Das Jahr: 1921, vermutlich im April – der genaue Tag ist laut dem Niedersächsischen Institut für Sportgeschichte in Hannover (NISH) nicht dokumentiert. Fakt ist aber: Adele Schacke hat nach den Quellen des Deutschen Reichsausschusses (DRA) für Leibesübungen – dem Vorläufer des Deutschen Sportbundes – die geforderten Leistungen beim Akademischen Sport-Club Göttingen in dem genannten Jahr „mit Bravour“ erbracht: eingetragen wurden 6,75 Meter im Kugelstoßen, 1,40 Meter im Hochsprung, 14,5 Sekunden im 100-Meter-Lauf und 26 Minuten für 1000 Meter Schwimmen.

Historische Urkunde des Deutschen Sportabzeichens für Frauen aus dem Jahr 1926

Historische Urkunde des Deutschen Sportabzeichens für Frauen aus dem Jahr 1926

Die Revolution des Frauensports in der Weimarer Republik

Dies war damals alles andere als eine Selbstverständlichkeit – im Gegenteil: „Im Jahr 1921 kam das fast einer Sensation gleich“, wie es in der Broschüre „90 Jahre Sportabzeichen für Frauen“ des Deutschen Olympischen Sportbundes DOSB aus dem Jahr 2011 heißt. Denn die Frauen waren in der damaligen Weimarer Republik erst seit wenigen Jahren im Sport aktiv. Das erste Gremium „für die Leibesübungen des weiblichen Geschlechts“ hatte der DRA 1918 eingerichtet.

Während ein Teil der Männer im 19. Jahrhundert bereits in der Turnbewegung des „Turnvaters“ Friedrich Ludwig Jahn oder auch im Fußball sportlich aktiv war, gab es im damaligen Deutschen Reich für Frauen kaum Möglichkeiten und auch so gut wie keine Akzeptanz, sportliche Freizeitaktivitäten zu betreiben. Dazu passt auch, dass das Sportabzeichen für die Männer schon vor dem Ersten Weltkrieg, im Jahr 1913, also acht Jahre vor der Erlaubnis für die Frauen eingeführt wurde. Die Idee kam von dem wegen seiner Nähe zum Nazi-Regime heute umstrittenen Kölner Sportfunktionär Carl Diem. Inspiriert wurde er dazu durch eine ähnliche Veranstaltung in Schweden, die er während einer Reise dort miterlebt hatte.

Heutige Teilhabe von Frauen im deutschen Sport

Waren Frauen wie Adele Schacke zu Beginn des letzten Jahrhunderts noch die absoluten Ausnahmen im deutschen Sport, so haben sich heute die Zahlen zwischen den Geschlechtern zumindest angeglichen: Eine relativ neue offizielle Statistik des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) besagt, dass von den insgesamt rund 555.000 verliehenen Sportabzeichen knapp 143.000 an Frauen/Mädchen gingen. Das ist jedoch immer noch weniger als ein Drittel.

Auch in den männlich geprägten renommierten Sportvereinen in Köln hat sich einiges getan – auch wenn die Frauen-Teams dort noch keine lange Tradition haben. Die Rundschau hat bei renommierten Kölner Vereinen nachgefragt, wie es um die Stellung des Frauensports bestellt ist.

Frauen-Eishockey beim KEC: Auf dem Weg zur Gleichberechtigung

Die Kapitänin des Kölner EC, Christina Schwamborn, ist seit der Gründung des Frauenteams im Jahr 2017 dabei. In der Publikumsgunst liegen die Frauen-Eishockeyteams jedoch nach wie vor meilenweit hinter den Männerteams zurück. Während die erste Mannschaft der Kölner Haie, wie sie auch genannt wird, aktuell die Lanxess-Arena regelmäßig mit mehr als 18.000 Besuchern füllt, spielt das erste Frauen-Team des KEC regelmäßig vor 50 Zuschauern. Ein Höhepunkt in dieser Saison war allerdings im Januar das Heimspiel gegen die Erzrivalinnen der Düsseldorfer EG, wo die Frauen vor rund 500 Zuschauern aufliefen. Die Kapitänin erinnert sich: „Es war ein Gänsehaut-Moment. Es hat unfassbar gutgetan, wir haben so viel Anerkennung spüren dürfen, etwas wofür man sein ganzes Leben lang trainiert, wie die Jungs eben auch.“ Schwamborn und ihre Mitspielerinnen wünschen sich, weiter aktiv in die Vereinsentwicklung mit einbezogen zu werden, um die Frauen-Teams sportlich, strukturell und medial weiter nach vorne zu bringen.

KEC-Frauen ("Junghaie-Frauen") nach dem 1:3 gegen die Düsseldorfer EG vom 10. Januar 2026.

KEC-Frauen ("Junghaie-Frauen") nach dem 1:3 gegen die Düsseldorfer EG vom 10. Januar 2026.

Frauenförderung in der Zweiten Bundesliga: Maßnahmen und Perspektiven

Aktuell spielt das erste Team in der Zweiten Frauen-Eishockey-Bundesliga Nord und steht auf Platz zwei – hinter Düsseldorf. Thomas Schmitz, Vorstandsmitglied für das Frauen-Eishockey beim KEC, beschreibt die aktuellen Maßnahmen des Vereins für die Frauen-Teams: „Wir fördern deren Akzeptanz und Sichtbarkeit durch die sozialen Medien und die Homepage der Haie. Aber auch Auftritte der Frauen bei den Profis während der DEL-Spiele setzen wir immer öfter ein.“ Schmitz weiß jedoch auch: „Da ist eigentlich überall noch Luft nach oben.“

Anders als in den männerdominierten Sportarten Eishockey oder Fußball waren die Frauen in der Leichtathletik deutlich besser gestellt. Der ASV Köln kann eine fast 100-jährige Geschichte vorweisen. Eine ihrer erfolgreichsten Athletinnen war die Mittelstrecklerin Brigitte Kraus. Die vielfache Deutsche Meisterin erreichte ihren größten Erfolg 1983 mit einer Silbermedaille über 3000 Meter bei der Weltmeisterschaft in Helsinki. „Ich habe in meiner Laufbahn immer viel Respekt in meinem Verein und international erlebt. Vielleicht haben dabei auch meine Erfolge geholfen. Wahr ist aber, dass in den Trainerstäben – auch heute noch – die Männer in der großen Mehrheit sind.“ Cristian Ermert vom ASV Köln weist darauf hin, dass die Gleichberechtigung in der Leichtathletik immer davon profitiert hat, das traditionell gemeinsam trainiert wird, die Trainingslager und auch die Wettkampfstätten häufig dieselben sind.

Brigitte Kraus (ASV Köln // Archivaufnahme von 1979).

Brigitte Kraus (ASV Köln // Archivaufnahme von 1979).

Mangel an weiblichen Trainern: Untersuchungen und Erklärungen

Trainerinnen deutlich in der MinderheitIn den Trainerstäben sieht es jedoch auch beim ASV anders aus. „Das Trainergeschäft in der Leichtathletik ist vor allem zeitintensiv. Fakt ist, dass diesen Aufwand in der Vergangenheit und auch aktuell viel mehr Männer als Frauen betreiben“, so Ermert. Die genauen Gründe dafür seien nicht bekannt. „Möglich ist aber, dass Frauen, wenn sie in den Beruf einsteigen und daneben noch einen Großteil der Familienarbeit schultern, häufig Abstand nehmen von den intensiven Engagements im Verein.“ (Siehe auch das Interview oben) Über dieses Manko kann auch nicht hinwegtäuschen, dass in der Kinder- und Jugendgruppenbetreuung Frauen und Männer nahezu in gleicher Zahl aktiv sind.

Historische Hemmnisse: Fußball-Frauen und fehlende Anerkennung

Und dann gab es jenseits der Kölner Stadtgrenzen noch eine bemerkenswerte Geschichte, die stellvertretend für die mangelnde Akzeptanz des Frauensports steht, und über die die Rundschau mehrfach berichtete: Die Fußball-Frauen von der SSG 09 Bergisch Gladbach hatten zwar 1981 Fußball-Geschichte geschrieben: Sie wurden als Vereinsmannschaft in Taiwan inoffizielle Weltmeisterinnen. Anerkennung für diesen überraschenden Coup bekamen sie jedoch kaum. Schon im Vorfeld des Turniers zeigte der Deutsche Fußballbund ihnen die kalte Schulter. Denn für den Trip in die taiwanesische Hauptstadt Taipeh gab es keinerlei finanzielle Unterstützung. Umso größer war die Genugtuung für die Frauen der SSG 09 nach dem Sieg im Oktober 1981.