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Alte Tradition bleibt lebendigErste Wipperfürther Flurprozession zu den Hagelkreuzen

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Anwohner haben das Ommer Kreuz geschmückt.

Wipperfürth – Mit den ersten Sonnenstrahlen machen sich am Samstagmorgen rund 40 Gläubige auf den Weg, um eine über 350-jährige Tradition ihrer katholischen Kirchengemeinde fortzusetzen. Punkt 7 Uhr haben sie die erste Flurprozession vor der Brust, die im Zusammenhang mit den sogenannten „Hagelkreuzen“ steht. Diese Kreuze sind laut Überlieferung so postiert, dass sie die Gemeinde aus jeder Himmelsrichtung vor Unheil und Ernteausfall bewahren sollen.

„Im letzten Jahr sind diese Gänge durch Corona ausgefallen, dabei wären sie nötiger gewesen denn je“, begrüßt Dieter Johnen die Teilnehmer aus der Innenstadt, aus Wipperfeld und Kürten.

Genug Gründe für Prozession

Corona-Pandemie, Borkenkäfer, Waldsterben oder der Zustand des Erzbistums – Gründe, um 2020 eine Prozession zu starten und um Beistand zu bitten, habe es genug gegeben, so Johnen. „Um so mehr freue ich mich, dass diese Tradition nicht in Vergessenheit geraten ist und wir heute eine richtig starke Gruppe sind.“

Nächste Prozession

Die Prozession zum Lendringhauser Kreuz, dem östlichen Hagelkreuz, steht Samstag, 19. Juni, an. Dann erfahren Pilger unter anderem, warum das Kreuz diesen Namen trägt, obwohl es näher an Stillinghausen liegt. Abmarsch: 7 Uhr an der Turmmadonna von St. Nikolaus. Für Teilnehmer, denen der Weg zu schwer ist, gibt es einen kostenloser Shuttleservice. (sfl)

Die Gesellschaft folgt Birgit Blumberg, die das Kreuz vorweg trägt, durch das Hauptportal von St. Nikolaus, über die Wupperbrücke und nimmt Kurs auf die Sanderhöhe. „Unser Ziel wird das Ommer Kreuz sein, also das nördliche Schutzsymbol unserer Stadt“, berichtet Johnen, der die Historie des dortigen Kreuzes längst recherchiert hat. Demnach stand das ursprüngliche Kreuz auf dem Hof Causemannsbirken, gestiftet von der Familie Wurth. „Eine Rolle wird dabei gespielt haben, dass der einzige Sohn der Familie Theologieprofessor in Düsseldorf wurde“, ist Johnen sicher.

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Als der Hof allerdings 1907 dem Bau der Neyetalsperre weichen musste, wurde das Monument an den heutigen Standort versetzt.

Im Sonnenschein stoppt der Tross. Hier nimmt Dieter Johnen einen Fußfall zum Anlass, um an den uralten Handelsweg über Kreuzberg nach Soest zu erinnern. Die Anwohner schließen sich der Prozession an – sie haben auch in diesem Jahr das Ommer Kreuz zu seinem Ehrentag wieder mit bunten Blumen geschmückt. Dort angekommen, bittet die Gesellschaft gemeinsam um reiche Ernten – sowohl für die Landwirtschaft, aber auch für die eigene Ausbeute im heimischen Garten.

„Diese Prozession ist ein guter Anlass, um endlich wieder mit Menschen zusammenzukommen“, bringt Ursula Wasserfuhr die Ansicht vieler Teilnehmer auf den Punkt. Dieter Johnen nickt zufrieden. Die uralten „Hagelkreuze“ haben ihre Bedeutung für die Wipperfürther nicht verloren.