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Beratungsstelle HerbstmühleHilfe für Familien im Alltagsstress

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Meist sind es Frauen, die sich als Familienpaten engagieren. Doch es gibt auch Männer wie Familienpate Jürgen Schreier.

Wipperfürth – Ein Angebot für Familien, das in Lindlar, Hückeswagen und Radevormwald schon seit vier Jahren gut funktioniert, soll es bald auch in Wipperfürth geben. Die Psychologische Beratungsstelle Herbstmühle sucht engagierte Freiwillige, die sich zum Familienpaten ausbilden lassen.

Ihre Aufgabe: Unterstützend zu helfen, wenn Familien mit Kleinkindern an ihre Grenzen stoßen. „Die betroffenen Familien sind ganz unterschiedlich“, erklärt Sozialpädagogin Jutta Schüler, die das Projekt der Herbstmühle betreut und den Einsatz der Helfer koordiniert. Manche Familien leben von Hartz IV, andere sind finanziell gut gestellt, fühlen sich aber alleingelassen und überfordert. Und manchmal möchte eine Mutter einfach nur mal ohne Kinder einkaufen gehen.

Fingerspitzengefühl ist gefordert

Früher sprang in solchen Fällen die Oma oder eine Nachbarin ein. Doch oft wohnen Großeltern nicht am gleichen Ort wie Kinder und Enkel, und auch das Nachbarschaftsverhältnis hat sich geändert. „Dazu kommt, dass man heute bei der Kindswohlgefährdung viel sensibler geworden ist“, sagt Schüler.

Deshalb müssen Freiwillige, die sich als Familienpaten engagieren wollen, auch ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Die fünftägige Fortbildung – in der Regel samstags und abends – umfasst Themen wie frühkindliche Entwicklung, aber auch Migration und Datenschutz. Die Familienpaten sollen in der Regel alle ein bis zwei Wochen ein bis zwei Stunden in „ihrer“ Familie aushelfen. „Es geht nicht darum, eine Daueromi zu installieren“, betont Schüler.

In erster Linie sollen sich die Paten um die Kleinkinder kümmern und die Eltern bei der Erziehung ein wenig unterstützen, nicht aber putzen. „Wir hatten einen Fall“, erinnert sich Schüler, „da wusste eine junge Mutter gar nichts über gesunde Ernährung und wie man dafür einkauft. Sie hatte sich bis dahin von Fast Food ernährt.“ Die Familienpatin habe hier viele nützliche Tipps geben können.

Ganz überwiegend sind es Frauen – zwischen Anfang 30 und dem Rentenalter – die sich in ihrer Freizeit als Familienpaten engagieren. Einige sind sogar in Vollzeit berufstätig.

Für die Tätigkeit braucht man ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl, aber auch die Fähigkeit zur Distanz. „Die Familienpaten kommen oft in Haushalte, wo es nicht so aussieht, wie sie es selbst kennen“, sagt die Sozialpädagogin.

Bei ihrem Einsatz werden die Paten von der Beratungsstelle vielfältig unterstützt. Die Sozialpädagogen wählen eine passende Familie aus. „Wir würden einen Rentner vielleicht nicht unbedingt in eine Familie mit sieben Kindern schicken“, sagt Schüler. Beim ersten Treffen ist ein Pädagoge der Herbstmühle mit dabei, alle sechs bis acht Wochen treffen sich alle Helfer zum Austausch. Und auch bei konkreten Problemen ist die Herbstmühle jederzeit ansprechbar.

Wer sich als Familienpate engagiert, der tut dies ehrenamtlich. Geld gibt es keines, Porto, Telefon- und Fahrtkosten können erstattet werden. Doch dafür werden die Paten oft mit etwas belohnt, was unbezahlbar ist: Der Dankbarkeit und Zugneigung der Familien, vor allem der Kinder. „Die sind oft schon richtig heiß auf den Besuch ihres Paten“, weiß Jutta Schüler.

In Lindlar, Hückeswagen und Radevormwald sind insgesamt 27 Familienpaten im Einsatz. „In vier Jahren sind gerade einmal zwei Paten abgesprungen“, sagt Schüler. Eine Zahl, die für sich spricht.