Lindlar – Leuchtend rot gepolstert sind die neuen Sitzmöbel in Jennifer Scheiers Büro. „Ich mag es gerne bunt“, sagt die 33-Jährige – das gilt auch im übertragenen Sinn. Seit 1. Juni ist sie neue Pfarrerin der Evangelischen Gemeinde in Lindlar, am 4. September wird sie im Rahmen eines Gottesdienstes in der Jubilate-Kirche in ihr Amt eingeführt.
Für die junge Frau aus Mönchengladbach ist es die erste „ordentliche“ Pfarrstelle. Nach dem Studium der Theologie legte sie 2016 ihr erstes Examen ab, nach einem Jahr Elternzeit folgte das Vikariat und 2020 das zweite Examen. Der folgende Probedienst in Bergisch Gladbach war ein Sprung ins kalte Wasser, Scheier musste dort ein Vakanz vertreten. Dann las sie die Ausschreibung der Pfarrstelle in Lindlar, sie bewarb sich und wurde vom Presbyterium gewählt.
Viele Wechsel in Lindlar
Die Mitglieder der Lindlarer evangelischen Gemeinde mussten in den vergangenen Jahren mehrere Personalwechsel mitmachen. Friedemann Knizia, wurde Ende 2018, nach 31 Dienstjahren in Lindlar, verabschiedet.
Seine Nachfolgerin Cornelia Imig blieb nur neun Monate in Lindlar, gefolgt von Marie-Anne Halim, deren Stelle allerdings von vornherein befristet war.
Bald gibt es nur noch eine Pfarrstelle
Im kommenden Jahr steht eine weitere, tiefgreifende Änderung bevor: Pfarrer Stephan Romot geht in den Ruhestand. Und weil auch der Kirchenkreis Köln Rechtsrheinisch Pfarrstellen abbauen muss, wird es in Lindlar künftig nur noch eine Pfarrstelle geben und mit Jennifer Scheier eine Pfarrerin.
Sie freut sich auf ihre neue Aufgabe. „Ich erlebe in Lindlar eine große Offenheit gegenüber der Evangelischen Kirche“, sagt Scheier. Kirche, das seien für sie in erster Linie die Menschen und nicht die Gebäude.
Zur Person
Jennifer Scheier, geboren 1988 in Mönchengladbach. Studium der Evangelischen Theologie in Marburg, Berlin, Wuppertal, Bochum und Bonn. Seit 1. Juni 2022 Pfarrerin in Lindlar.
Scheier ist verheiratet und hat zwei Kinder (drei und sechs Jahre) alt.
Die Hobbys: Treffen mit Freunden, kreatives Gestalten und Kriminal-Hörspiele (Podcasts), die auf wahren Fällen beruhen.
Besonders für die Jugend will die Pfarrerin neue, lebendige, Impulse setzen. „Ich hatte selbst einen ganz tollen Konfirmandenunterricht. Während meiner Konfirmation unterrichtete uns ein Pfarrer, bei dem ich das Gefühl hatte: Der glaubt wirklich, was er sagt“, erzählt sie. „Also habe ich es ausprobiert und gebetet und gemerkt: Da ist ein Gott, der mir zuhört.“ Davor habe sie Kirche immer als langweilig empfunden; als Kind sei ihre Familie kaum in die Kirche gegangen. Scheier und ihr Mann, der bei der Bundeszentrale für Politische Bildung arbeitet, haben selbst zwei kleine Kinder.
Kirche solle ein Ort sein, wo Jugendliche Antworten finden können auf Fragen nach dem Sinn des Lebens, und zwar ehrliche Antworten. „Ein bloßes ’Gott ist gut’ reicht nicht“, so Scheier.
Die Pandemie bietet auch Chancen
Der Anteil der Frauen, die Theologie studieren, ist deutlich gestiegen, der Anteil der Männer geht zurück. Immer mehr Pfarrstellen werden mit weiblichen Geistlichen besetzt. Das hat auch Auswirkungen auf das Gottesbild. „Gott ist nicht nur männlich. Er ist kein alter, weißer Mann, er ist flexibel und passt sich an“ sagt die Pfarrerin. Die Vorstellung von einem gütigen Gottvater im Himmel sei dennoch ein schönes Bild.
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Die vergangenen zweieinhalb Jahre mit der Pandemie waren nicht leicht für die Kirche. Aber Jennifer Scheier hat die Erfahrung gemacht, dass eine Krise auch neue Chancen bietet und das offene Denken fördert. „Mit den Konfirmanden habe ich mich zu Einzelgesprächen getroffen. In der Kirche in Bergisch Gladbach haben wir die Bänke rausgeschmissen und Stühle aufgestellt, was vorher nicht ging, war plötzlich möglich.“
Die offizielle Einführung von Jennifer Scheier findet statt am Sonntag, 4. September, 15 Uhr, in der Jubilate-Kirche, Auf dem Korb. Im Anschluss lädt die Kirchengemeinde zum Empfang ein. Anmeldungen für Gottesdienst und Empfang bis zum 25. August unter 02266/52 76 und per E-Mail an lindlar@ekir.de.



