Wipperfürther – Grob geschätzt, hängen alleine in Deutschland rund 100 Millionen Neonröhren – in Fabrikhallen und Lagern, in Büros und Schulen, auf Gängen, Fluren und in Kellern. Doch schon bald wird Ersatz nötig. Denn ab 25. August 2023 ist innerhalb der Europäischen Union die Produktion der T8- und T5-Leuchtstoffröhren verboten, weil bei der Herstellung giftiges Quecksilber verwendet wird.
Neonröhren waren lange beliebt, denn sie waren billig, brauchten deutlich weniger Strom als alte Glühlampen und hatten eine lange Lebensdauer. Mit den Retrofit-Röhren gibt es schon seit einiger Zeit eine Alternative auf LED-Basis.
Bisherige LED-Ersatze haben geringere Lichtausbeute
Das Problem: Der nötige Treiber, der die elektrische Spannung umwandelt, ist in der Röhre eingebaut, die Lichtausbeute ist geringer. Um alle verschiedenen Lampentypen abzudecken, müssten Anbieter und Händler rund 60 verschiedene Retrofit-Typen herstellen und lagern – das ist unwirtschaftlich.
Beim Radium-Lampenwerk in Wipperfürth hat man deshalb innerhalb von 15 Monaten eine Alternative entwickelt: Die T8-Neo, die mit sechs Typen auskommt. Sie ist mit einem externen Treiber ausgerüstet, der sich problemlos in den meisten vorhandenen Leuchten einbauen und anschließen lässt.
Eine Arbeit, die allerdings ein Elektriker machen sollte. Beim Pressegespräch demonstrieren die Radium-Manager, dass das Auswechseln einer Neonröhre gegen eine LED-Lampe mit wenigen Handgriffen erledigt ist, da die Fassungen kompatibel sind.
Radium sieht viele Vorteile
Wie Radium-Geschäftsführer Jörn Krieger erklärt, bietet die Neuentwicklung noch weitere Vorteile. Bei vielen neuen LED-Leuchten sind Leuchte und Leuchtmittel fest miteinander verbaut. Jeder Defekt macht einen kompletten Austausch erforderlich. Das kostet Geld und produziert Müll.
Im Vergleich zu einer Neonröhre sollen die neuen LED-Lampen rund 50 Prozent weniger Strom verbrauchen und ihre höheren Anschaffungskosten schnell amortisieren, im günstigsten Fall innerhalb eines Jahres. Eine Neo T8 kostet 110 Euro.
Die Lebensdauer der Neo-Lampen gibt Radium mit bis zu 70.000 Stunden an, der Hersteller gibt fünf Jahre Garantie und 20 Jahre Nachkaufgarantie. Er wirbt damit, dass die Neuentwicklung dimmbar, flimmerfrei, splittergeschützt und für Notstromaggregate geeignet sei.
Wipperfürther stellen Produkt auf Messe vor
Entwickelt wurden die neuen Lampen in Wipperfürth, produzieren lässt Radium sie allerdings in China – aus Kostengründen. „Wir wären aber auch in der Lage, die Neo-Röhren in Wipperfürth zu fertigen“, erklärt Radium-Manager Jan Eisleben. Und Geschäftsführer Jörn Krieger ergänzt, dass Radium dabei sei, regionale Lieferketten innerhalb von Europa aufzubauen und dazu neue Partner suche.
Bei Wipperfürther Traditionsunternehmen setzt man große Hoffnungen auf die jüngste Entwicklung. „Die Neo-Lampen können eines unserer wichtigsten Produkte werden“, sagt Krieger. Bei der Fachmesse „Light and Building“, die Anfang Oktober in Frankfurt am Main stattfindet, hofft man auf großes Interesse und viele Aufträge.
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Mit verschiedenen Kommunen und Ämtern, darunter dem Schulamt in Lindlar, laufen bereits Verhandlungen. In Wipperfürth sollen in einem Referenzprojekt die alten Neonröhren in der Hermann-Voss-Realschule und dem Jugendamt gegen die neuen LED-Leuchten aus dem Hause Radium ausgetauscht werden.



