Köln – Die Kölner Traditionsmesse Photokina steht vor dem Aus. Für den endgültigen Abgesang ist es zwar noch zu früh. Die Messe spricht noch davon, die Photokina „auszusetzen“. Wie die Messe das aber präsentiert, macht wenig Hoffnung auf eine Wiederaufnahme. Zur Begründung verweist die Messe etwa auf eine „weiter massiv rückläufigen Entwicklung in den Märkten für Imaging-Produkte“.
Messechef Gerald Böse wird deutlich: Die Rahmenbedingungen der Branche böten leider aktuell keine tragfähige Basis für die internationale Leitmesse. „Dieser harte Schnitt nach einer 70-jährigen gemeinsamen Geschichte ist uns sehr schwergefallen“, so Böse weiter. Die Entwicklung der Branche, mit der die Messe eine enge und vertrauensvolle Partnerschaft verbinde, schmerze sehr. „Aber wir stellen uns der Sachlage mit einer klaren, ehrlichen Entscheidung gegen die Fortsetzung der Veranstaltung, die leider für uns ohne Alternative ist“, so Böse.
Schon vor der Pandemie kränkelnd
Schon vor der Corona-Pandemie litt der Imagingmarkt mit jährlich zweistelligen Umsatzrückgängen. Fotografiert wird immer öfter mit dem Handy statt mit teuren Kameras mit unterschiedlichen Objektiven. Und auf Papier gezogen werden Fotos auch immer seltener. Schließlich sei der Imaging-Markt im laufenden Jahr um die 50 Prozent geschrumpft.
Dabei hatte die Messe zusammen mit dem Photoindustrieverband das Konzept angepasst und in neue Besucher- und Ausstellersegmente investiert. Auch sollte die Messe ab 2018 jährlich stattfinden, und das zu einem neuen Termin. Doch die Messe 2019 musste die Messe Absagen, die Schau in diesem Jahr fiel der Corona-Pandemie zum Opfer.
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„Diese konzeptionellen Veränderungen haben ebenso wie eine Turnusänderung und ein Terminwechsel die Situation der Veranstaltung aber letztlich nicht grundlegend verbessert“, so Messe-Geschäftsführer Oliver Frese. Auch die Integration der Smartphone-Foto- und -Videografie sowie der Bildkommunikation etwa via Social Media hätten den Ausfall großer Teile des klassischen Markts nicht kompensieren können.
Die Messe hat sich eng mit dem Photoindustrie-Verband abgestimmt. aren Schritt mit. „Wir bedanken uns beim Kölner Team für großartige gemeinsame 70 Jahre!“, so Verbands-Vorsitzender Kai Hillebrandt.
Weitere Messen abgesagt
Nachdem die Einrichtungsmessen imm cologne und LivingKitchen im Januar bereits von der Messe abgesagt worden waren, wird die Koelnmesse auch die bis Ende Februar in Köln geplanten Veranstaltungen nicht durchführen. Abgesagt wurden die Süßwarenmessen ISM und ProSweets Cologne, spoga horse und internationale Eisenwarenmesse. Als Grund nennt die Messe die Corona-Pandemie.
Messe rechnet mit Verlusten
Statt Rekordgewinnen wie in den vergangenen Jahren rechnet die Messe in diesem Jahr mit Verlusten von rund 125 Millionen Euro. Die Verluste will die Messe mit Geld aus der eigenen Tasche kompensieren. In der Bilanz für 2019 stehen Liquiditätsreserven von über 120 Millionen Euro und ein Eigenkapital von 255 Millionen Euro, was einer Eigenkapitalquote von 63,1 Prozent entspricht. Selbst die Verluste des laufenden Jahres würden die Eigenkapitalquote auf immer noch sehr auskömmliche 30 Prozent sinken lassen, so Herbert Marner, der Finanzgeschäftsführer der Messe.
Gleichzeitig bittet die Messe die Eigentümer – vor allem die Stadt Köln, die 79 Prozent hält, und das Land NRW mit einem Anteil von 20 Prozent – um eine Kapitalspritze. Eine Eigenkapitalerhöhung von 120 Millionen Euro soll zukunftsträchtige, wirtschaftlich sinnvolle Investitionen finanzieren. Unter anderem soll das Kongresszentrum Confex für 5500 Teilnehmer entstehen, und das zeitnah. (raz)


