Köln – Die Gothaer will im laufende Jahr überdurchschnittlich wachsen. Mit den ersten drei Monaten des Jahres zeigte sich Konzernchef Oliver Schoeller bei der Vorlage der Bilanz für 2021 am Donnerstag sehr zufrieden. Weiter stärken will die Gothaer das Geschäft mit Unternehmenskunden und außerdem ihre Nachhaltigkeitsstrategie weiter verfolgen.
Die Ergebnisse 2021
Im abgelaufenen Jahr steigerte die Gothaer die Bruttobeitragseinnahmen um drei Prozent auf 4,69 Milliarden Euro (siehe Grafik). Damit wuchs der Konzern noch etwas stärker als er Mitte Dezember auf Basis erster Zahlen mitgeteilt hatte. Schoeller nannte als Grund ein starkes Geschäft zum Jahresende. Damit habe die Gothaer stärker zugelegt als der Markt, der um 1,2 Prozent zulegte.

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„Es freut mich besonders, dass alle Konzernsparten zum Wachstum beitragen und dass wir in unserer Kernzielgruppe – dem Mittelstand – unsere Beitragseinnahmen sogar um 5,8 Prozent auf 1350 Millionen Euro steigern konnten“, sagte Schoeller. Der Überschuss legte um 13,4 Prozent zu auf 82 Millionen. Schoeller sprach von einem „außergewöhnlich starken Jahr“. Trotzen musste der Versicherer nicht nur der Corona-Pandemie, die den Vertrieb erschwerte, die Gothaer musste auch Flutschäden von rund 500 Millionen allein durch Tief Bernd verdauen. Dabei half eine hohe Rückversicherungsquote von 96 Prozent.
Die Sparten
Besonders stark wuchs die Sachversicherung rund um den Risikoträger Gothaer Allgemeine. Wachstumstreiber war das Firmenkundengeschäft. Der Versicherer habe auch das Geschäft mit Privatkunden angekurbelt und die Zahl der Versicherungspolicen pro Kunde gesteigert.
Die Lebensversicherung berichtet über ein starkes Neugeschäft. Zum Jahresende habe es einen Schlussverkauf gegeben, weil im laufenden Jahr kaum noch Versicherungen mit voller Beitragsgarantie angeboten wurden und außerdem der Garantiezins auf 0,25 Prozent abgesenkt wurde. Die Krankenversicherung verzeichnete ein starkes Wachstum bei Zusatzversicherungen und bei der betrieblichen Krankenversicherung.
Die Kapitalanlagen
Die Kapitalanlagen der Gothaer haben ein Volumen von 31,3 (2020: 30,7) Milliarden. Die Nettoverzinsung betrug 3,3 (3,4) Prozent, das Kapitalanlageergebnis blieb stabil bei einer Milliarde. Der Anteil von klassischen Anlagen sank von 70,3 auf 65,8 Prozent. Dabei stieg der Anteil von Aktien um einen Prozentpunkt auf 3,3 Prozent, während weniger Geld in Anleihen angelegt war. Bei den alternativen Anlagen stieg der Anteil von privaten Beteiligungen von 1,2 auf 2,8 Prozent.
Nachhaltigkeitsstrategie
Die Gothaer ist Pionier bei der Versicherung von Windrädern. Heute gibt sie Deckung für 21000 Anlagen in Europa. Sie ist Marktführer in Deutschland, wo mit 8000 jede dritte Anlage versichert wird, Frankreich, Belgien und Österreich. Dazu kommen 20 000 Fotovoltaik-Anlagen sowie Biogasanlagen oder Batteriespeicher.
Diese Position will die Gothaer ausbauen. Bis 2025 sollen die Einnahmen in dem Bereich um mindestens 20 Prozent steigen. Derzeit sorgten technische Versicherungen rund um die Erneuerbaren für Beiträge von 85 Millionen, so Thomas Bischof, Chef der Gothaer Allgemeine.
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Auch bei der Investition in Erneuerbare sieht sich die Gothaer vorn. Von insgesamt elf Milliarden Euro der Branche entfielen 1,4 Milliarden auf die Gothaer, so Finanzvorstand Harald Epple. In Zukunft sollten pro Jahr 200 Millionen dazukommen. Die Gothaer habe eine vollständige Kohleausstiegs-Strategie. Netto-Null-Emissionen im Kapitalanlage-Portfolio soll bis 2050 und im Versicherungsgeschäft bis 2045 erreicht sein. Die Hauptverwaltung in Köln ist seit 2020 klimaneutral. Nicht vermeidbare Emissionen werden kompensiert. Bis 2025 sollen die Emissionen der Hauptverwaltung um 50 Prozent sinken.
Mit einer zweistelligen Anzahl von Mittelstandskunden sei bereits über eine Initiative zur Energiewende gesprochen worden. 500 Unternehmerinnen und Unternehmer sollen dabei begleitet werden, ihren CO2 -Ausstoß in den kommenden fünf Jahren um 50 Prozent zu reduzieren. Teilnehmer bekommen einen eine reduzierte Versicherungsprämie.

