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Hohe Preise, weniger FliegerDeutschland geht beim „Luftfahrt-Boom“ leer aus

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Eurowings Airbus bei der Landung auf dem Flughafen Köln-Bonn

Auch am Flughafen Köln/Bonn haben sich die Standortkosten deutlich erhöht.

Während Reisende immer mehr fürs Fliegen bezahlen, verlieren die  deutschen Drehkreuze an Bedeutung, zeigt eine Auswertung des Kölner DLR.

Flugreisen in und ab Deutschland sind in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden. Der durchschnittliche Ticketpreis habe sich von 2010 bis 2024 fast verdoppelt. Zu diesem Ergebnis kommen das in Köln ansässige Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) in einem erstmals gemeinsam veröffentlichten Report zur Lage der Branche.

Global gesehen scheint es dieser prächtig zu gehen. „Es geht nach vorn. Menschen wollen fliegen“, sagte BDL-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang am Montag bei der Vorstellung der Daten. 2024 übertraf der internationale Luftverkehr nach Angaben des Weltluftfahrtverbandes IATA wieder das Vor-Corona-Niveau und nimmt laut Prognose jährlich um drei weitere Prozent zu. Lang sprach gar von einem „Luftfahrt-Boom“, insbesondere für die Region Asien-Pazifik. Die steigende Nachfrage werde zu einem Teil durch zusätzliche Flüge gedeckt, vor allem aber durch den Einsatz größerer Maschinen. „Die schlechte Nachricht ist, dass dieses Wachstum zunehmend ohne Deutschland stattfindet“, fügte er hinzu.

„Der Report zeigt eine schleichende Abkopplung Deutschlands vom internationalen Luftverkehr. Verbindungen fallen weg, Passagiere und Fracht weichen auf Drehkreuze außerhalb Europas aus. Für eine Exportnation ist das ein ernstes Standortproblem.“ Ein Überblick:

Wie kommen die hohen Preise für Tickets zustande?

Zum einen wirken sich höhere Personal- und Betriebskosten durch Tarifabschlüsse in fast allen Bereichen der Luftverkehrswirtschaft auf die Preise aus, etwa Lohnsteigerungen bei Bodenverkehrs- und Sicherheitsdienstleistern sowie für Kabinen- und Cockpitcrews bei den Fluggesellschaften.

Laut Report haben sich zudem die staatlich festgelegten Kosten des Luftverkehrs, dazu zählen die Luftverkehrssteuer, Luftsicherheitsabgaben und Flugsicherungsgebühren, seit 2019 in der Spitze mehr als verdoppelt. Das zeigt das Beispiel Düsseldorf: Lagen die Standortkosten für einen typischen innereuropäischen Flug dort 2019 bei 2227 Euro, waren es der Erhebung zufolge 2025 4601 Euro.

Deutsche Luftdrehkreuze verlieren

Parallel zu dieser Entwicklungen seien die Ticketpreise zwischen 2010 und 2024 von durchschnittlich 147 auf 299 Euro gestiegen. Dass Reisende mehr fürs Fliegen bezahlen müssen, ist allerdings kein deutsches Phänomen. In Europa sind die durchschnittlichen Ticketpreise DLR und BDL zufolge von 247 auf 338 Euro gestiegen, mit 37 Prozent aber weniger stark.

Höhere Standortkosten machten sich aber nicht nur in den Ticketpreisen bemerkbar. Fluggesellschaften entscheiden zunehmend, dass sich Flüge von und nach Deutschland nicht mehr lohnen. Laut DLR und BDL sei die Anzahl der in Deutschland stationierten Flugzeuge großer Low-Cost-Airlines von 190 auf 130 gesunken. 

Wie hat sich der Luftverkehrsstandort Deutschland im internationalen Vergleich entwickelt?

Insbesondere in Deutschland hat sich der Luftverkehr der Studie zufolge nach der Corona-Krise deutlich langsamer erholt als im globalen Vergleich. „Diese Entwicklung kostet Anbindung. Ziele und Frequenzen gehen verloren, gerade an den Wirtschaftsstandorten abseits der Drehkreuze. Das betrifft Geschäftsreisende, Fachkräfte und die Luftfracht gleichermaßen“, sagte Branchenvertreter Lang und verwies im Bericht auch auf die Flughäfen Köln/Bonn und Düsseldorf. Nur der Flughafen Frankfurt habe bei der Anzahl der Direktziele 2024 wieder annähernd das Vorpandemie-Niveau erreicht, heißt es. Dafür sei der Frachtumschlag am Airport Köln/Bonn entgegen des Trends seit 2019 um 3,6 Prozent gestiegen.

DLR und BDL machten auf weitere Veränderungen im internationalen Luftverkehr aufmerksam. Demnach zeigen sich seit 2010 deutliche Verschiebungen bei den Umsteigemustern, die sich zunehmend auf Drehkreuze außerhalb der Europäischen Union, insbesondere in die Türkei und die Golfregion, verlagerten. „Zwischen Deutschland und Fernost-/Südostasien stieg der Anteil der Verbindungen über Nicht-EU-Drehkreuze von 34 auf 54 Prozent“, schreiben die Autoren. Die Frequenzierung der deutschen Drehkreuze sank derweil.

Was ist der Grund für veränderte Passagierströme im Langstreckenverkehr? 

Die deutsche Luftfahrt-Lobby kritisiert unter anderem das europäische Emissionshandelssystem. Dabei müssten europäische Fluggesellschaften für Zubringerflüge zu ihren heimischen Drehkreuzen Emissionszertifikate erwerben. Bei Zubringern zu außereuropäischen Drehkreuzen wie Dubai sei das nicht der Fall. Europäische Airlines hätten hier einen Wettbewerbsnachteil.

Wie hat sich das Reiseverhalten der Passagiere und der Wettbewerb in den vergangenen Jahren entwickelt? 

Vor allem der Geschäftsreiseverkehr habe sich verändert: Videokonferenzen ersetzen Präsenztreffen, Firmen haben sich neue Reiserichtlinien – auch im Sinne des Klimaschutzes – auferlegt. Die sogenannte Konnektivität, also die Anzahl der direkt erreichbaren Geschäftsreiseziele, habe infolgedessen deutlich abgenommen. Mit fast 16 Prozent sei der Einbruch in Düsseldorf besonders gravierend ausgefallen. Für die exportorientierte Industrie blieben Flugverbindungen jedoch weiterhin von großer Bedeutung.

Während die Zahl der Geschäftsreisen rückläufig sei, habe  ein anderer Bereich stark an Bedeutung gewonnen: Durch die zunehmende Arbeitsmigration und die Beschäftigung ausländischer Fachkräfte steige der Bedarf an Flügen aus dem Bereich der Besuche bei Freunden und Verwandtschaft („Visiting Friends and Relatives“, kurz: VFR).

Welche Bedeutung haben Luftverkehr und internationale Erreichbarkeit für Wertschöpfung und Beschäftigung?

„Der Luftverkehr ist ein zentraler Bestandteil eines leistungsfähigen Mobilitätssystems und unverzichtbar für einen international wettbewerbsfähigen Wirtschaftsstandort Deutschland“, sagte Markus Fischer, DLR-Bereichsvorstand Luftfahrt. Den Auswertungen zufolge generierten Luftverkehrswirtschaft und Luftfahrtindustrie im Jahr 2024 eine Bruttowertschöpfung von 58,4 Milliarden Euro. Rund 536.000 Arbeitsplätze, standen demnach direkt oder indirekt mit der Luftfahrt in Zusammenhang. Damit habe die Branche etwa 1,3 Prozent zum deutschen Bruttoinlandsprodukt beigetragen.