Köln – Die Firmen in der Region zeigen sich in der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Köln verunsichert. Grund seien laut IHK Köln unklare politische Weichenstellungen, Frust über Bürokratie und langsamen Verwaltungen, Sorgen um Energieversorgung und Preise oder die Weltwirtschaft, Zurückhaltung von Kunden wegen der hohen Inflation und Fach- und Arbeitskräftemangel.
Das bringe die Unternehmen an den Rand der Verzweiflung, obwohl sie es gewohnt seien, mit Marktveränderungen umzugehen, so IHK-Hauptgeschäftsführer Uwe Vetterlein.
Das Konjunkturklima
Die gegenwärtige Lage wird mehrheitlich noch als gut gewertet. Der entsprechende Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen beträgt immerhin noch zehn Punkte (siehe Grafik) nach 14 Punkten bei der Vorumfrage im Frühjahr dieses Jahres. Deutlich zurückgenommen sind die Geschäftserwartungen. So ist der Konjunkturklimaindex seit der Vorumfrage von 97,7 Punkten auf 78,5 Punkte gesunken. Der Das ist deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von von 110,1 Punkten. Der Erholungsprozess der Wirtschaft nach den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie ist drastisch gestoppt worden.
Die Lage
Trotz der enormen Herausforderungen für alle Wirtschaftsbereiche meldet knapp jedes dritte Unternehmen eine gute, jedes fünfte eine schlechte Geschäftslage. Bei den Einschätzungen gibt es beachtliche Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen: Die Energiekrise trifft besonders energieintensive Industriebetriebe, die anhaltende Konsumzurückhaltung den Handel und die Veranstaltungswirtschaft. Lichtblicke gibt es im Hotel- und Gaststättengewerbe, das sich über den Sommer erholen konnte, gleichwohl nervös auf die Coronaentwicklung im Winterhalbjahr schaut.
Die Erwartungen
Die Erwartungen der Unternehmen für die kommenden zwölf Monate sind im Vergleich zur Vorumfrage von minus 16,1 Punkte auf minus 43,8 Punkte drastisch gesunken. Das ist weit entfernt vom langjährigen Durchschnitt von 4,5 Punkten.
Industrie und Handel blicken besonders pessimistisch in die Zukunft. 54 Prozent der Industrieunternehmen und 58 Prozent der Handelsunternehmen gehen von einer Verschlechterung aus. Sogar in den Branchen, die ihre Lage aktuell als mehrheitlich gut einschätzen, wie zum Beispiel im Baugewerbe, im Maschinenbau oder im Hotel- und Gaststättengewerbe, sind die Erwartungen in der Mehrzahl negativ. So wirken sich zum Beispiel steigende Bauzinsen negativ auf das Baugewerbe aus. Im Groß- und Einzelhandel macht die sinkende Konsumlaune den Betrieben zu schaffen.
Die Risiken
Hauptrisiko für die Betriebe bleiben die Energie- und Rohstoffpreise (85 Prozent). Direkt dahinter steht der Fachkräftemangel als großes Risiko für die geschäftliche Entwicklung (63 Prozent). Im Vergleich zur Vorumfrage sind alle bewerteten Risiken angestiegen oder unverändert. Besonders angestiegen ist das Risiko der Inlandsnachfrage, das aufgrund der eingebrochenen Konsumlaune ein Plus von 20 Prozentpunkten verzeichnet. Auch steigende Arbeitskosten werden angesichts der gestiegenen Inflationsraten in Kombination mit dem Fachkräftemangel von mehr als der Hälfte der Unternehmen als Risiko gesehen.
Die Investitionspläne
Die Investitionsneigung sinkt. Insgesamt geht jedes dritte Unternehmen von geringeren Investitionen aus, jeder vierte Betrieb will mehr investieren. Fast 40 Prozent der Industrieunternehmen gehen von sinkenden Investitionsausgaben aus. Mehr Investitionen plant jedes zweite Unternehmen des Verkehrssektors sowie des Hotel- und Gaststättengewerbes.
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Hauptmotiv ist dabei Ersatzbedarf, die Rationalisierung als Motiv hat an Bedeutung gewonnen: 35 Prozent der Unternehmen geben diesen Grund an. 23 Prozent der Betriebe sehen im Umweltschutz ein wichtiges Investitionsmotiv, das sind fünf Prozent weniger als in der Vorumfrage. Hier zeigt sich ein Dilemma: Auf der einen Seite sind zur Transformation vieler Produktionsprozesse Investitionen nötig, auf der anderen Seite drücken Rezessionssorgen.
Die Beschäftigung
19 Prozent der Firmen planen Einstellungen, 23 Prozent möchten Stellen abbauen. Damit ist gegenüber dem Frühjahr der entsprechende Indikator um 12 Punkte gesunken. Angesichts des Wettbewerbs um Fach- und Arbeitskräfte ist laut IHK nicht von einem größeren Beschäftigungsabbau auszugehen.


