Köln – Ein weißes „Z“ auf blauem Hintergrund – mit diesem Logo wirbt die Zurich Versicherung in Printbroschüren und im Internet. Seit einigen Tagen ist das markante Logo vor allem in den sozialen Kanälen wie Facebook, Instagram und Twitter nicht mehr so zu sehen. Es wurde ersetzt durch den kompletten Konzern-Namen. „Wir haben die Verwendung des Buchstabens ,Z’ vorübergehend in den sozialen Kanälen ausgesetzt. Das gilt nur dort, wo es ohne den Namen ,Zurich’ erscheint und falsch interpretiert werden könnte“, teilte das Unternehmen mit.
„Z“-Symbol ist auf vielen russischen Militärfahrzeugen zu sehen
Diese ungewöhnliche Maßnahme hat einen ernsten politischen und juristischen Hintergrund: Der Buchstabe „Z“ ist zu einem militärischen Symbol für den Krieg in der Ukraine geworden. Er ist auf vielen russischen Militärfahrzeugen zu sehen und wird mittlerweile auch als Propaganda-Symbol von pro-russischen Akteuren und Bekennern verwendet – darunter Autoaufkleber, bedruckte T-Shirts, Sticker oder Graffiti auf Hauseingängen. Der von der russischen Regierung kontrollierte Fernsehsender RT, dessen deutschem Ableger vor kurzem ein Sendeverbot in Deutschland erteilt wurde, verkauft solche „Z“-Merchandise-Artikel.
In mehreren Bundesländern, unter anderem auch Nordrhein-Westfalen, wird nun geprüft, ob es eine strafrechtliche Handhabe gegen das öffentliche Tragen oder Zeigen des Z-Symbols der russischen Armee gibt. Grundlage ist der Paragraf 140 im Strafgesetzbuch, der das Billigen von Delikten, in diesem Fall ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg, unter Strafe stellt. Möglich sind laut Gesetz bis zu drei Jahre Haft oder eine Geldstrafe. Bayern und Niedersachsen ordneten bereits an, dass die öffentliche Verwendung des Symbols etwa bei Demonstrationen strafbar ist.
Zurich Konzern will Missverständnisse vermeiden
Der Zurich-Konzern hatte allerdings bereits vorher, vor rund zwei Wochen, von sich aus reagiert, um „Missverständnisse zu vermeiden“, wie es hieß. „Die Marke Zurich gibt es seit 150 Jahren. Es ist eine vertrauenswürdige Marke und wir haben unsere Fähigkeit bewiesen, auf Herausforderungen wie diese zu reagieren“, ließ Unternehmenssprecher Bernd Engelien noch weitergehende Maßnahmen offen.
„Z“: Ein Buchstabe wird zum Symbol eines Krieges
Die Unterstützer der russischen Invasion in der Ukraine nutzen das „Z“-Symbol mittlerweile als Propaganda-Mittel in zivilen Räumen und sozialen Medien. Zuerst gesehen wurde es in den ersten Kriegstagen auf vielen russischen Militärfahrzeugen. Ein einfaches weißes „Z“. Seine Bedeutung ist jedoch keineswegs eindeutig. Im Gegenteil: Die Interpretation dieses Symbols treibt bereits Blüten.
Westliche Militärexperten vermuten, dass das „Z“ als Erkennungszeichen den versehentlichen Beschuss eigener Kräfte verhindern soll. Auf der US-amerikanischen Militärplattform sofrep.com hieß es, das Zeichen stünde für ein Einsatzgebiet einer Einheit: das „Z“ zum Beispiel für die östliche Ukraine. Verwunderlich an der Wahl des Symbols ist, dass der Buchstabe „Z“ nicht im kyrillischen Alphabet der Russen vorkommt.
„Z“-Symbol: Bedeutung nicht eindeutig
Daher haben einige Kriegsbeobachter gemutmaßt, dass es sich vielmehr um die verfremdete Form der Zahl „2“ handele und für das Datum 22. 2. 2022 stehe. An diesem Tag hatte Russland ein Abkommen über „Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigem Beistand“ mit den selbst ernannten „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk im Osten der Ukraine ratifiziert. Diesen „Beistand“ für die dortige russischstämmige Bevölkerung hatte Russland als eine der Rechtfertigungen für den militärischen Einmarsch in ukrainisches Staatsgebiet angeführt.
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Das russische Verteidigungsministerium hatte unter anderem erklärt, dass das Zeichen „Z“ eine Abkürzung der russischen Wortkombination „für den Sieg“ sei (auf Russisch: [Z]a Pobedu). Aber auch skurrilere Erklärungen wie „Z“ für die „russische Zorro-Truppe“ sind im Umlauf.
Die Ukrainer haben längst einen verbalen Gegenangriff gestartet und setzen das verhasste russische Z-Symbol für ihre Zwecke ein, indem sie höhnische antirussische Sprüche rund um das „Z“ verbreiten. Oder ein großes weißes „Z“ auf zerschossene und ausgebrannte russische Militärfahrzeuge sprühen.



