Geburtsanzeige oder gleich ein Archiv: Was Leserinnen und Leser von ihren Zeitungen aufbewahrt haben.
Eure schönsten Geschichten„Ich hüte diese Ausgabe wie einen Schatz“

Alte Artikel sind für viele eine unersetzliche Erinnerung.
Copyright: Arton Krasniqi
Veedelsforscher Reinhold Kruse

Reinhold Kruse mit einem Teil seines Archivs.
Copyright: Arton Krasniqi
Zeitungen, Ausrisse, Kopien, Seiten, in Haufen geordnet und aufgeschichtet, beschriftet. Auch wenn sich die Ordnung nicht für jeden erschließt: Reinhold Kruse weiß genau, wo er alles findet. „Das Dom-Hotel – ein Stück städtebaulicher Entwicklung“ vom November 1932. „Der Gürzenich ist nahezu entschuttet“ vom April 1949. „30jähriges Chorleiter-Jubiläum beim Pfarrchor Cäcilia in Dellbrück“ von 1950.
Es sind kleine und große Schlagzeilen aus dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ und der Kölnischen Rundschau, die Geschichte und Geschichten erzählen. Für Veedelsforscher Reinhold Kruse ist die Zeitung die wichtigste Quelle. „Ich bin ein leidenschaftlicher Leser. Wenn man lokalhistorisch interessiert ist, dann muss man den Stadt-Anzeiger lesen. Hier ist vieles einmalig festgehalten, was man sonst nirgendwo findet. Das gibt es nur in der Lokalzeitung.“ Und was heute vielleicht längst vergessen wäre, stünde es nicht Schwarz auf Weiß im Blatt. Reinhold Kruse forscht seit mehr als 35 Jahren mit und im „Kölner Stadt-Anzeiger“.
10.000 Zeitungsauschnitte
Angefangen hat alles damit, dass er von einem Sammler – „Auch so ein Verrückter wie ich“ – dicke Packen von Zeitungsausschnitten zu Kölner Themen von Altstadt bis Zünfte übernahm. Er machte weiter und jetzt sind es 10.000 Ausschnitte geworden. Der Forschergeist hatte Kruse gepackt. „Ich ging jahrelang fast jeden Tag in die Universitätsbibliothek, dort konnte man damals im Magazin die alten Stadt-Anzeiger-Ausgaben, die in Monatsbänden zusammengefasst waren, durchblättern“, erzählt Kruse. Er scannte mit den Augen – denn andere Techniken gab es damals noch nicht. Er suchte Seite für Seite, Text für Text nach Schlagwörtern wie „Mauenheim“ und „Nippes“ ab – seinen Veedeln.
Und er machte Entdeckungen. Eines Tages brachte ihm sein Schwiegervater eine Postkarte vom „Volksgarten in Nippes“ mit, gegründet von einem Gustav Krähmer – einem Vorfahren des Schwiegervaters. Dass es den Volksgarten um 1900 einmal gab, war Kruse nur vage bekannt. Er war in Vergessenheit geraten. Kruse ließ sich die „Stadt-Anzeiger“-Bände ab dem Jahr 1885 geben und blätterte sie Seite für Seite durch. Irgendwann stieß er auf das, wonach er suchte: Anzeigen, mit denen Gustav Krähmer für den Volksgarten warb. „Das war ein Highlight in der Recherche“, sagt Reinhold Kruse. Die bis dahin eher abstrakte Vergangenheit füllte sich allmählich mit Leben. Und Kruse konnte schließlich die genaue Lage und die Ausmaße des Gartens rekonstruieren. Zwischen Nippeser Tälchen und Schillstraße lag der zentrale Weiher.
Lange waren Kruses Recherchen recht mühevoll: Vor Jahrzehnten musste er in den Bänden mit einem Zettel markieren, welche Seite er brauchte. Dann ging ein Fotoauftrag an die Bildstelle der Unibibliothek und nach zwei Wochen kam eine Aufnahme von der Seite. Später dann waren die Seiten auf Mikrofiche zu lesen – postkartengroße Filmblätter, auf denen die Dokumente extrem verkleinert abgebildet und dann in speziellen Lesegeräten wieder vergrößert werden. Heute ist zwar schon Einiges digitalisiert. „Aber da muss man wissen, wie man richtig recherchiert, und die Schlagwörter müssen gut vorgegeben werden.“ Und es gebe immer noch viel, das noch nicht digitalisiert ist. Also hilft nur der Augen-Scanner.
Die Ergebnisse lassen sich sehen. „Ich habe hier das weltweit größte Archiv für die Stadtteile Nippes, Mauenheim und Bilderstöckchen“, sagt Kruse und lacht. 14 Bücher sind daraus schon geworden, natürlich mit vielen Zitaten aus dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Kruses Traum ist, dass seine Schätze einmal in ein Museum kommen. Bis dahin forscht er weiter.
Bruno Scharmanski, Pulheim
Eine Begegnung mit Kennedy im Dom

Bruno Scharmanski mit der Kennedy-Titelseite vom 23./24. November 1963
Copyright: Scharmanski
Es war eine Nachricht, die mich tief erschütterte. Nur wenige Monate zuvor hatte ich ihm noch persönlich gegenübergestanden – wenn auch nur für einen flüchtigen Augenblick – im Kölner Dom. Es war der historische Deutschlandbesuch des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy im Juni 1963. Nach seiner Landung auf dem Flughafen Köln/Bonn – Bonn war damals noch die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland – besuchte der katholische Präsident zunächst den Sonntagsgottesdienst im Kölner Dom. Anschließend erhielt er im kleinen Kreis seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie seiner Sicherheitsbegleitung eine kurze Führung durch die Kathedrale. Erst danach reiste er weiter nach Berlin, wo er mit den berühmten Worten „Ich bin ein Berliner“ Geschichte schrieb.
Ich selbst war damals noch keine sechzehn Jahre alt. Als ehemaliger Sängerknabe des Domchores befand ich mich gerade im Stimmbruch und sang deshalb nicht mehr mit. Dennoch kannte ich jeden Winkel des Domes, insbesondere den Probenbereich des Chores und den Weg hinauf zum Spieltisch der Orgel, die damals noch von Professor Zimmermann gespielt wurde. Über die schmale Wendeltreppe, die von der Sakramentskapelle zum Probebereich führte, gelangte man durch eine unscheinbare Tür in der Nähe des Gerokreuzes. Als ich an jenem Tag die Treppe hinunterstieg und die Tür zur Kapelle öffnete, blieb ich wie angewurzelt stehen. Direkt vor mir standen Präsident Kennedy und sein Tross. Für einen kurzen Moment trafen sich unsere Blicke. Er wirkte ebenso überrascht wie ich. Kein Wort wurde gewechselt. Es war nur ein flüchtiger Augenblick – und doch schien die Zeit für einen Moment stillzustehen. Dann setzte jeder seinen Weg fort. Diese kurze, völlig unerwartete Begegnung hat sich tief in mein Gedächtnis eingeprägt und mich bis heute nicht losgelassen. Dass dieser sympathisch wirkende Mann, der wenige Tage später mit seinem Berlin-Besuch Geschichte schreiben sollte, schon bald einem Attentat zum Opfer fallen und ermordet werden würde, konnte damals niemand ahnen.
Ulrike Müller, Köln
Meine eigene Geburtsanzeige

Ulrike Müller mit der Zeitung, in der ihre Geburtsanzeige steht
Copyright: Müller
Seit meinem 50. Geburtstag hüte ich eine Ausgabe des „Kölner Stadt-Anzeiger“ wie einen Schatz. In dieser Ausgabe vom 15. Februar 1956 befindet sich meine Geburtsanzeige, die meine Eltern damals aufgegeben haben. Zum 50. Geburtstag bekam ich diese Ausgabe als Geschenk. Gerade habe ich meinen 70. Geburtstag gefeiert und die Geburtsanzeige wurde noch einmal gewürdigt und beachtet, weil ich sie für meine Einladungskarten verwendet habe.

Die Geburtsanzeige der glücklichen Eltern
Copyright: Müller
Gabriele Rotthoff
Preisausschreiben und Tanzgruppe

Gabriele Rotthoff
Copyright: Rotthoff

Gabriele Rotthoff gewann 1954 bei einem Preisrätsel 200 DM.
Copyright: Gabriele Rotthoff

1962 wurde über die Ballettgruppe von Gabriele Rotthoff berichtet.
Copyright: Rotthoff
Ich habe viele Zeitungen aufbewahrt. Ich war erst ein Jahr alt und kann mich nicht daran erinnern, aber meine Mutter führte für meinen Vater über mich Tagebuch und machte einen Eintrag: In der Zeitung wurde über unsere Weihnachtskrippe berichtet. Meine Eltern bastelten jedes Jahr daran. In der Zeit war das Wohnzimmer für mich tabu. Nachdem der Artikel am 4. Januar 1952 erschienen war, explodierten die „Besucherzahlen“. Mein Vater hatte ein Gästebuch ausgelegt, in das sich jeder eintragen sollte, der die Krippe anguckte. Am Ende waren es 489 Personen.
1954 hatte der „Stadt-Anzeiger“ ein Rätsel veröffentlicht: der Goldene Pfennig. Ich gewann 200 DM und wurde daraufhin von einem Reporter interviewt und fotografiert und kam in die Zeitung. Welche Ehre! Da ich im Interview gesagt hatte, dass ich das Geld auf mein Sparbuch einzahlen wolle, bekam ich von der Kreissparkasse noch einen Gutschein über fünf DM dazu.
Am 19.12.1962 erschien ein Artikel über unsere Ballettschule. Ich war in der ältesten Gruppe. Anlässlich der 900-Jahr-Feier der Stadt Siegburg traten wir im Hotel Stern auf der Bühne auf.
Martin Roblitschka, Köln
Dramatischer Vorfall im Pool
Lange ist es her, aber ich stand tatsächlich in meiner Kindheit zwei Mal im „Kölner Stadt-Anzeiger“. Die beiden Zeitungsartikel hat meine Mutter mir in einem Fotoalbum aufbewahrt.

1964 berichtete der „Kölner Stadt-Anzeiger“, wie Martin Roblitschka von seinem Freund aus einem Pool in Lindenthal gerettet wurde.
Copyright: Roblitschka
1964 berichtete der „Kölner Stadt-Anzeiger“, wie ich als Fünfjähriger von meinem Freund Wolf G. aus einem Pool in Lindenthal gerettet wurde. Seine Familie hatte wohl guten Kontakt zur Zeitung und so wurde ich kurz nach dem „Ereignis“ in den Garten der Familie G. bestellt, um das Foto zu machen. Warum gucke ich so ängstlich? Weil die Fotografin Ingeborg Spielmans meinte, ich sollte noch näher an das Wasser gehen – ich dachte mir nur, einen Schritt weiter und ich plumpse wieder ins Schwimmbecken! Deshalb mein durchaus „kritischer“ Blick und Festhalten an der Leiter. Ach so, dass mit dem Retten habe ich anders gesehen. Weil ich wie ein Irrer unter Wasser gestrampelt habe, bin ich an die Oberfläche gekommen. Sind Sie mal in Kleidung geschwommen? Ziemlich schwer. Das Herausziehen war dann die kleinere Übung.

Martin Roblitschka mit der Urkunde „Goldener Oskar“
Copyright: Roblitschka
1966 bekam ich den „Goldenen Oskar“, die gemeinsame Auszeichnung „für kleine Finder“ und die „ehrliche Tat“ der Zeitung und der Polizei. Das Müngersdorfer Schwimmstadion war nicht allzu weit weg von meinem Geburtshaus entfernt, dort fand ich durch Zufall zwei Damenhandtaschen beim „Streunen“ im Wald. Sie waren aus einem Auto gestohlen worden, wie sich herausstellte. Finderlohn habe ich nicht erhalten. Aber irgendwann hieß es, ich sollte fotografiert werden, dann erhielt ich per Post den „Goldenen Oskar“ und es erschien eine kurze Notiz im „Kölner Stadt-Anzeiger“. Es ärgerte mich nur, wie meine Mutter mir vorher die Haare geschnitten hatte. Sie sagte, es musste schnell gehen, und da ich vorher erkältet war, hatte sie wenig Zeit für einen schönen Haarschnitt in der Kürze der Zeit.
Ingrid Schulz, Köln
Kochrezepte von der Großmutter

Die Großmutter von Ingrid Schulz hat die Rezepte aus der Kölnischen Rundschau gesammelt.
Copyright: Schulz
Meine lieben Großeltern, beide schon längst verstorben, waren echte Kölsche. Für sie kam nur eine tägliche Zeitung in Frage: die „Kölnische Rundschau“. Aber nicht nur das Tagesgeschehen interessierte sie, sondern die auszuschneidenden Artikel über Gesundheit und Kochrezepte wurden fleißig gesammelt.

Leserin Ingrid Schulz kocht noch heute nach den Rezepten.
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Vor ihrem Tod übergab mir meine Oma, Berta Wolters, die von A bis Z gesammelten Rezepte in der Originalausgabe. Ich habe diese kopiert und nutze sie noch heute. Die originale Sammlung „Handbuch der Gesundheit“ erhielt ich von Opa Hubert. Vermutlich sind die Zeitungsausschnitte 1952 zusammengetragen worden. Sehr interessant sind die damaligen Ansichten zu gesundem Verhalten, die auch heute noch gelten.
Annette Krumme, Köln
Große Brände und großes Glück

Zum „Brautpaar der Woche“ wurden Annette und Michael Krumme 1982.
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Das Ehepaar Krumme heute
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Ich habe zwei Ausgaben gefunden: Die eine Ausgabe ist vom 13./14. September 1986. In dieser Wochenendausgabe brachte die Zeitung einen sehr ausführlichen Artikel mit Fotos über die Löschflugzeuge, die in südlichen Ländern die alljährlichen Brände bekämpfen. Mein Mann und ich haben im Laufe der Jahre zweimal große Brände in Südfrankreich miterlebt. Ein kleiner Artikel, den ich separat aufbewahrt habe, bezieht sich unmittelbar auf den ersten dieser furchtbaren Brände, den wir evakuiert beim Militär miterlebt haben. Die zweite aufbewahrte Ausgabe ist vom 15. September 1982. Mein Mann und ich hatten am 10. September im Historischen Rathaus in Köln geheiratet, als wir im Foyer von einer Dame angesprochen wurden. Sie fragte uns, ob wir Lust hätten „Brautpaar der Woche“ zu werden und ein paar Fragen zu beantworten. Es gab damals diese Rubrik im „Stadt-Anzeiger“. Für meinen Mann und mich war das natürlich noch ein zusätzliches Highlight dieses ohnehin aufregenden Tages. Manche der im Artikel aufgeführten Hobbys haben sich im Laufe der Zeit geändert, aber auch nach 44 Jahren sind wir immer noch glücklich verheiratet.
Friedrich Ledermann, Köln
Alles über Adenauer

Friedrich Ledermann mit der Titelseite der Kölnischen Rundschau zum Tod von Konrad Adenauer
Copyright: Ledermann
Von meinem Großvater, der sich selbst als „glühenden Anhänger“ von Konrad Adenauer bezeichnete, wurde ich schon früh mit dem „Adenauer-Virus“ angesteckt. Bereits während meiner Schulzeit habe ich alle Fotos und Artikel, die sich mit der Politik und dem Leben Adenauers befassten und in der Kölnischen Rundschau abgedruckt wurden, gesammelt und in ein Album eingeklebt, dessen Kapazität schon bald erreicht war. Wenn man heute dieses Album durchblättert, erlebt man eine spannende Reise durch die 50er und beginnenden 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Als Konrad Adenauer am 19. April 1967 starb, hat die Kölnische Rundschau die Leistungen des ersten Bundeskanzlers in zahlreichen Veröffentlichungen ausführlich gewürdigt.
Richard Krey, Köln
Die Mondlandung und der Bleisatz

Die Titelseite der „Kölnischen Rundschau“ zur Mondlandung 1969. Es ist eine von drei Versionen, die Richard Krey aufgehoben hat.
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Als ehemaliger Mitarbeiter (1965 bis 1986) der Kölnischen Rundschau im Bereich Technik/Stereotypie hatte ich schon aus beruflichen Gründen ein Interesse an der Geschichte der Zeitung. Meine Anstellung verschaffte mir den Vorteil, dass ich verschiedener Ausgaben an der „Quelle“ habhaft werden konnte. Ein Beispiel: In der Nacht der Mondlandung am 20. Juli 1969 versah ich meinen Nachtdienst. In dieser Nacht wurde die Titelseite dreimal geändert, immer fortlaufend angepasst an die Ereignisse auf dem Mond. Ich habe mir in dieser Nacht alle drei Versionen gesichert.

Richard Krey im Juli 1981 bei der Herstellung der letzten Ausgabe im Bleisatz
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Beruflich berührte mich natürlich zum Beispiel der Wechsel der Formate und Druckorte. Am emotionalsten und einschneidensten war, nicht nur für mich, das Ende der „Bleizeit“ 1981. Im Nachhinein und aus heutiger Sicht haftet dieser Zeit eine gewisse Romantik an.