Kommentar zum StaatspreisWarum Hendrik Wüst gerade jetzt Angela Merkel ehrt

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Hendrik Wüst (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen

Hendrik Wüst (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen

Kaum zufällig platziert Wüst diese Auszeichnung mitten hinein in die Kursdebatte seiner Partei.

Oft sagen Auszeichnungen mehr über den Spender als über den Empfänger. Ministerpräsident Hendrik Wüst verleiht den nordrhein-westfälischen Staatspreis an Altkanzlerin Angela Merkel, obwohl sich deren unmittelbarer NRW-Bezug auf Anfangsjahre als „Kohls Mädchen“ in Bonn und eine zwischenzeitlich angemietete 70 Quadratmeter-Zweitwohnung oberhalb von Bad Godesberg beschränkt.

Gewiss spricht nichts dagegen, diese zweifellos große Staatsfrau mit der höchsten Auszeichnung des bevölkerungsreichsten Bundeslandes zu bedenken. Wüst hat ja Recht, wenn er betont, dass Merkels Nervenstärke in krisenbehafteten 16 Regierungsjahren und ihre unprätentiöse Bescheidenheit auch NRW gutgetan haben. Warum aber ausgerechnet dieses Statement in einem Moment, in dem Merkels Umgang mit Kriegstreiber Putin immer kritischer hinterfragt werden muss? Warum in einer Phase, in der die nächste Flüchtlingskrise ihr „Wir schaffen das“ noch hohler klingen lässt?

Wüst ist zu klug, um sich allein für ein paar schöne Fotos und ein wenig Kanzler-Flughöhe zum politischen Nachlasspfleger zu machen. Zumal er nie zum Merkel-Fanclub gehörte. Kaum zufällig platziert Wüst diese Auszeichnung mitten hinein in die Kursdebatte seiner Partei. Es gibt in der Merz-CDU eine diffuse Sehnsucht nach konservativer Kante und aggressivem Grünen-Bashing. Wüst hält das augenscheinlich für einen Fehler, er ist aber kein Akteur im Berliner Programmprozess. Er regiert NRW unangefochten mit einem smarten schwarz-grünen Stil von Maß und Mitte. Wie man dauerhaft anschlussfähig bleibt in möglichst viele gesellschaftliche Milieus? Das will er sich wohl bei seiner Preisträgerin Merkel abschauen.

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