Einheimischen Bäumen, Sträuchern und Stauden macht die winterliche Kälte der kommenden Monate nichts aus. Sie werfen Blätter ab oder ziehen ihr Laub ein. Frostempfindliche Zwiebeln wie Dahlien und Knollenbegonien müssen dagegen aus der Erde geholt und eingelagert werden. Und Kübelpflanzen, vor allem solche, die nicht in unseren Breiten heimisch sind, sollten geschützt überwintert werden.
"Generell gilt: Die Pflanzen so spät wie möglich ins Winterlager bringen", sagt Werner Rösner, der in der Kölner Flora als Gärtner für die Pflanzen zuständig ist, die nicht draußen bleiben können. Überwintern bedeutet für Gewächse, die nicht aus unserer Klimazone stammen, nämlich großen Stress. Ein Winterlager ist immer nur eine Notlösung. "Denn das Heimatklima können wir bei uns nicht nachahmen", sagt Rösner. Hobbygärtner sollten auf den Wetterbericht für ihre Region achten. So lange die Temperatur nicht dauerhaft unter Null fällt, sind die Pflanzen im Freien besser aufgehoben. Im geschützten Kölner Stadtklima können sie länger draußen bleiben als etwa in der Eifel.
Dabei sind viele Pflanzen aus wärmeren Gefilden weniger empfindlich, als man denkt. Oleander und Olivenbäume, Feigen und Engelstrompeten vertragen durchaus einen kurzen Frost. Braune Stellen an den Blättern schaden der Pflanze nicht. Erst länger andauernde Minusgrade setzen ihnen zu. Kamelien und Granatapfel zum Beispiel halten auch bis zu minus fünf Grad und mehr aus. Sie sind oft im Gartenboden besser aufgehoben als im Topf. Denn das Problem bei Kübeln ist, dass die Pflanzen leicht austrocknen können, wenn der Wurzelballen durchfriert.
Viele Küchenkräuter sind mehrjährig. Während Basilikum und Dill den Winter nicht überleben, kommen zum Beispiel Schnittlauch und Petersilie im nächsten Frühjahr wieder. Salbei, Thymian und Lavendel werden oft ins Haus geholt - ein Fehler, so der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde (BDG): Milde Winter überstehen die Mittelmeerkräuter nämlich gut. Bei längeren Kälteperioden sollten sie mit einer Schicht aus Tannenzweigen und Stroh geschützt werden.
Empfindlicher sind Lorbeer und Rosmarin, sie sollten im Haus überwintert werden: an einem kühlen, aber hellen Ort wie Wintergarten oder Treppenhaus. Mäßig gießen, nie austrocknen lassen. Schnittlauch braucht den Frost regelrecht: Wenn er einmal durchfriert, treibt er im Frühjahr wieder kräftig aus.
"Immergrüne Pflanzen verdunsten den ganzen Winter über Wasser", erklärt Rösner. Wenn der Topf gefroren ist, also die Wurzeln kein Wasser ziehen können, verdurstet die Pflanze. In solchem Falle hilft nur, den Kübel sehr gut einzupacken und zu isolieren - allerdings so, dass die Erde feucht gehalten werden kann, ohne dass sich Staunässe bildet. Doch auch was im Gartenbeet wurzelt, sollte bei lang anhaltendem Frost geschützt werden. "Kamelien sind zum Beispiel Flachwurzler", sagt Rösner. Ihren Wurzeln kann die Kälte nichts anhaben, wenn sie etwa mit einer zehn Zentimeter dicken Schicht aus Rindenmulch oder Nadelstreu abgedeckt werden. Auch ein Vlies ist hilfreich: "Damit nimmt man dem Frost die Spitze", erklärt Rösner. "Es ist ja meist nicht den ganzen Tag minus 18 Grad, sondern nur in den frühen Morgenstunden."
Das Vlies schützt zudem vor Verdunstung, so dass die Pflanze nicht so viel Wasser braucht. Zum Abdecken nie eine Folie verwenden: darunter bildet sich Schwitzwasser, Pilzbefall ist die Folge. Vliese, Stroh- oder Schilfmatten sind besser geeignet. Das Luftpolster, das entsteht, puffert die Kälte ab. Auch Eichenlaub isoliert gut. Kleinere Pflanzen, aber auch Töpfe können damit isoliert werden: Mit Kaninchendraht eine Umrandung bauen und mit Laub oder auch Fichtenzweigen auffüllen. Oben sollte der Käfig abgedeckt werden, damit das Laub nicht nass wird. "Alles, was Laub abwirft, verträgt auch Frost gut. Feigen zum Beispiel", sagt Rösner. Selbst mediterrane Gewächse können Kälte verkraften - wenn sie daran gewöhnt sind.
Hier gezogene Pflanzen überstehen Kälte
"Wenn Sie aber einen hundert Jahre alten Olivenbaum aus Andalusien nach Deutschland holen, der in seinem Leben noch nie mehr als minus zwei Grad erlebt hat, dann erfriert der natürlich bei minus zehn Grad." Pflanzen, die hier gezogen wurden, etwa die Palmen der Allee in der Flora, sind Kälte gewöhnt, sie vertragen bis minus 15 Grad.
"Je kühler, desto dunkler darf die Unterbringung sein", sagt Rösner. "Bei fünf Grad stellen die Pflanzen ihren Stoffwechsel ein. Sie fallen quasi in den Winterschlaf, dann brauchen sie auch kein Wasser mehr." Im Kellerraum, der nicht viel wärmer als fünf Grad wird und trocken ist, können Engelstrompeten, Fuchsien und Dahlienknollen überwintert werden. Nur gut durchgetrocknete Töpfe einräumen, sonst faulen die Wurzeln. Auch sollten die Pflanzen nach Schädlingen abgesucht und zurückgeschnitten werden.
Treppenhäuser, um die zehn Grad warm und mäßig hell, sind eine akzeptable Lösung zum Beispiel für Zitrus, Oliven und Palmen. Werden Pflanzen in die warme Wohnung gestellt, halten sie keine Winterruhe. "Sie wollen weiterwachsen, dafür fehlt im Winter aber Licht. Sie leiden, bilden weiche Triebe aus und sind anfällig für Schädlinge", sagt Rösner.
Wenn sie nicht gerade im dunklen, kalten Keller stehen, brauchen Pflanzen auch im Winter Wasser. "Pulen Sie am Erdballen", rät der Gärtner. "Wenn die Erde auch in zwei bis drei Zentimetern Tiefe knochentrocken ist, sollte vorsichtig gegossen werden." Wer kein Risiko eingehen will, kann auch bei Gärtnereien nachfragen - manche vermieten Winterplätze für Kübelpflanzen.
Mitte März können Oliven, Lorbeer, Hanfpalmen und Erdbeerbaum wieder ins Freie entlassen werden, Zitrusbäume und Engelstrompeten Ende April. Das gilt allerdings wieder nur für das Kölner Stadt-Klima: "Im Bergischen Land und der Eifel muss man vorsichtiger sein", sagt Rösner. Erwischt aber doch noch ein Spätfrost die Pflanze, weil man vergessen hat, sie abzudecken, ist das meist nicht schlimm. Falls ein neuer Trieb erfriert, hat sie im Frühjahr genügend Kraft, auszutreiben. "Man sollte die Pflanzen unbedingt an bewölkten Tagen rausstellen, denn im Winterlager sind sie nicht mehr an die UV-Strahlung gewöhnt", rät Rösner. Auch hier gibt es eine Faustregel: "Je weicher das Laub der Pflanze, desto empfindlicher reagiert sie auf UV-Strahlung."
