Die ersten wärmenden Sonnenstrahlen lassen einen Hauch von Frühling spüren - auf den Eifelhöhen ist es wohl eher der zaghafte Vorfrühling. Dennoch wagen wir in diesem Jahr den Start in die Wander-saison mit einem Aufstieg auf fast 550 Meter und - bei entsprechender Wetterlage - traumhafter Fernsicht. Über weite Strecken verläuft unsere Wanderung auf geteerten Wirtschaftswegen, die - in den vergangenen Jahrzehnten großzügig angelegt - kaum ein Ausweichen ermöglichen. Aber angesichts der Jahreszeit kann man dies alternativ zu tiefgründig aufgeweichten Feldwegen auch durchaus positiv sehen.
Sitzmöbel mit Wiedererkennungsfaktor
Seit einigen Jahren gibt es an entsprechend markanten Stellen der Landschaft die "Eifel-Blicke", alle versehen mit einer Panoramakarte und einem auffallenden Sitzmöbel - der Wiedererkennungsfaktor ist enorm! Über die Ästhetik lässt sich streiten, nicht jedoch über die mit sensiblem Naturgefühl ausgewählten Plätze. Ein solcher "Eifel-Blick" befindet sich etwa zur Hälfte unserer Wanderung beim Hagelkreuz auf dem höchsten Punkt der Tagesstrecke.
Start und Ziel ist jedoch die Erftquelle in Holzmülheim, Gemeinde Nettersheim. In großer Stärke quillt das Wasser aus verschiedenen Felskavernen und ist einfach da - eine echte Karstquelle. Wir befinden uns in der Kalkeifel, wo der Untergrund löchrig und ausgewaschen ist und viele Hohlräume zum Speichern großer Quellwassermengen bietet. Im Gegensatz zu "normalen" Bachquellen, wo sich zunächst ein kaum sichtbares Rinnsal bildet, dem nach und nach weitere Rinnsale zuströmen, ist am Austritt des Felsens der Erftquelle die Wassermenge bereits so groß, dass hier ein alter Mühlengraben abzweigt, um Wasser für die Räder der ehemaligen Raths- und Schochermühle zu gewinnen. In Erinnerung an die Mühlen - die dem Ort Holzmülheim seinen Namen gaben - ziert seit einigen Jahren die Miniatur eines Wasserrades den Verkehrskreisel in der Nähe der Erftquelle.
Stolze 107 Kilometer muss das Wasser aus dem Kalkfelsen zurücklegen, bis es sich im Neusser Stadtgebiet in den Rhein ergießen kann. Über Bad Münstereifel, Euskirchen, Brühl, Bergheim und Grevenbroich fließt das Eifelwasser meist träge und mit geringem Gefälle seiner Mündung zu. Eine Verbindung zwischen Quelle und Mündung wird traditionell gepflegt: Jeder neu ins Amt gekommene Bürgermeister von Neuss erhält nach seinem Dienstantritt von seinem Nettersheimer Kollegen eine Einladung an die Erftquelle, um dort in einer feuchtfröhlichen Zeremonie mit Erftwasser zum "Erftkadetten" getauft zu werden. Auf dass die Neusser beim Schielen auf ihre großstädtische Schwester jenseits des Rheins (Düsseldorf) nicht ihre Lebensaderverbindung in die Eifel vergessen mögen!
Wir machen uns von der Erftquelle auf und wandern durch das stille Ohbachtal aufwärts. Von Buir, das bereits auf 500 Meter Höhe liegt, geht es über die Eifelhöhen bis zum Hagelkreuz mit seiner Rundumsicht und weiter nach Frohngau. Das Dorf, im Jahre 867 im Liber Aureus des Klosters Prüm erstmals als "Villa Gouva" genannt, ist geprägt durch seine historische Bausubstanz im Wechsel von Stein- und Fachwerk-Bauweise.
Bemerkenswert sind am Wege das wunderschön gestaltete Wappenrelief über der Eingangstür eines Anwesens von 1810, das allerdings von der Burg Dollendorf (Schlossthal) stammt, sowie das alte Schulgebäude rechts neben der Pfarrkirche. Es stammt von 1826 und ersetzte ein noch früheres, das 1689 auf Anweisung des Blankenheimer Grafen Salentin Ernst errichtet wurde. In die die Pfarrkirche umgebende Friedhofsmauer sind eine Reihe von Jahrhunderte alten Grabkreuzen aus Sandstein eingelassen, von denen etliche aus der gleichen Steinmetzwerkstatt zu stammen scheinen.
Von Frohngau folgen wir bis Roderath dem Jakobs-Pilgerweg, dann geht es über die Acker- und Weide-Hochfläche zum Jonaskreuz unter einem einzeln stehenden Baum und danach rund um den Kranberg zurück nach Holzmülheim.
