In den südwestlichsten Zipfel von Nordrhein-Westfalen führt uns die heutige Wandertour, in einen schmalen Korridor zwischen Rheinland-Pfalz und Belgien. Der Wanderweg verläuft sowohl auf rheinland-pfälzischem wie auch nordrhein-westfälischen Gebiet, und auch der Kronenburger See als Start- und Zielpunkt ist geteilt. Unsere Wanderung ist - dem Sommermonat angepasst - so ausgelegt, dass sie mit einem Sprung in den sauberen Stausee abgeschlossen werden kann.
Das Baden ist rund um den unteren Seeteil erlaubt und kostenlos; eine große Liegewiese und Spielgeräte am und im Wasser findet man unterhalb der "Seeterrasse". Der in den 1970er Jahren angelegte, 28 Hektar große See wird hauptsächlich von der Kyll gespeist, einem der längsten Eifelflüsse, der unmittelbar an der belgischen Grenze entspringt und nach über 140 Kilometern bei Trier in die Mosel mündet. Die Wasserqualität ist sehr gut, und selbst an heißen Sommerwochenenden findet sich immer noch ein Plätzchen auf den Wiesenhängen am südlichen Seeufer.
Doch halt: Bevor es ins Badevergnügen geht, ist zuerst noch eine Wanderung zu absolvieren! Auch sie ist so angelegt, dass die schweren Wanderschuhe diesmal zu Hause bleiben können. Grund dafür ist die Asphaltierung sehr vieler Feldwege in den vergangenen Jahrzehnten in Grenznähe gewesen. Selbst Hauptwanderwege des Eifelvereins verlaufen in dieser Gegend streckenweise auf Teer, weil es keine Alternativen gibt.
Wir steigen vom Parkplatz unterhalb der Staumauer zunächst in den historischen Burgort Kronenburg auf. Im Mauerbering selbst - weniger als 100 mal 200 Meter groß - leben nur wenige Bewohner: Man fühlt sich um Jahrhunderte zurückversetzt in die Zeit der Ritter und Handwerker. Mit großer Liebe zum Detail haben die alten und neuen Bewohner ihre Häuser restauriert, und auch die öffentlichen Bauten wie die Kirche und die historischen Stadttore präsentieren sich in hervorragendem Zustand.
Von der Burgruine aus genießt man nicht nur eine herrliche Weitsicht ins Kylltal und weit darüber hinaus, sondern betrachtet, fast wie die ehemaligen Burgdamen und -herren, das Treiben im "Flecken" aus gemessener Entfernung. Die Herren von Kronenburg waren Lehensmänner der Herzöge von Luxemburg, und sie lebten durchweg nicht schlecht von den Einnahmen ihrer Eisenhüttenwerke an der Kyll. Der bekannteste des Geschlechtes, Peter von Kronenburg, ist in die Geschichtsüberlieferungen aber auch als Raubritter eingegangen.
Hinter dem äußeren Burgtor führt der Weg dann hinaus zu den Wiesenhöhen und steigt bis auf über 600 Meter Meereshöhe an. Die Gemeinde Dahlem ist durchzogen von einer Vielzahl Naturschutzgebieten, besonders in den Bachtälern mit ihrer schützenswerten Fauna und Flora. Fünf davon berühren wir auf der Wanderung. Aber auch eine andere Besonderheit fällt bei den Fernblicken in die Wiesen- und Waldlandschaft rund um Kronenburg ins Auge: die Windräder zur Erzeugung von elektrischem Strom.
In den frühen 1990er Jahren begann die Windkraftnutzung in der Eifel hier im Grenzraum mit einer Anlage von sieben Windrädern im Bereich des "Goldbergs" bei Ormont, einer Grube für Basaltlava-Abbau. Die Zahl hat sich inzwischen vervielfacht: Von der Höhe zwischen Frauenkron und Hallschlag sind heute über 70 Windkraftanlagen zu zählen - das Zehnfache der damals als Sensation betrachteten Anzahl. Die Landschaft hat sich erheblich verändert durch die Windparks - aber saubere Energie hat ihren Preis! An keinem anderen Punkt der Eifel sind so viele moderne "Windmühlen" in der Landschaft zu sehen wie hier.
