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Demos blieben friedlichSpontane Solidarität für Kölner Protest gegen Antisemitismus

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Die Kundgebung in Solidarität mit Israel zog vom Roncalliplatz bis zur Synagoge in der Roonstrasse.

Köln – Anspannung lag im Vorfeld in der Luft. Für den vergangenen Samstag waren drei Demonstrationen in der Kölner Innenstadt angemeldet. Linke Gruppierungen versammelten sich auf den Heumarkt, um gegen ein geplantes Versammlungsgesetz zu demonstrieren. Kurdische Organisationen hatten eine Kundgebung am Deutzer Werft geplant. Zudem stand ein Demonstrationszug vom Roncalliplatz bis zur Synagoge in der Roonstraße als Solidaritätskundgebung für Israel auf dem Plan. Doch schnell wurde in allen Fällen klar: Es bleibt entspannt.

Den Auftakt machten am Samstag linkspolitische Gruppen auf dem Heumarkt. Zu dem Protest unter dem Motto „Versammlungsgesetz NRW stoppen – Grundrechte erhalten“ zogen etwa halb so viele wie die erwarteten 500 Teilnehmer friedlich vom Heumarkt über den Neumarkt und die Ringe zum Friesenplatz.

Sorge um Ausschreitungen im Umfeld

Dem leitenden Polizeidirektor Michael Tiemann, der die Einsätze am Samstag koordinierte, bereiteten nicht so sehr Krawalle bei den einzelnen Demos Sorgen, sondern mögliche Ausschreitungen im Umfeld. Sein Augenmerk galt deshalb besonders der Versammlung „Stoppt den Krieg in Kurdistan “ auf der Deutzer Werft. Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre mobilisiert solch ein Aufruf mehrere tausend kurdisch-stämmige Menschen, darunter zahlreiche Familien. Die coronabedingt auf angemeldete 200 Teilnehmer geschrumpfte Demo wirkte auf dem Platz an der Deutzer Brücke eher verloren.

Bedenken hatte Einsatzleiter Michael Tiemann mit Blick auf die Pro-Israel Demo, dass sich „zeitgleich Menschengruppen mit möglicherweise sehr unterschiedlichen Anschauungen zur Lage in Israel “ in der Stadt aufhalten. Doch während es in einigen anderen NRW-Städten zu Gewalt gekommen war, ereigneten sich in Köln seit dem Aufflammen des Nahostkonflikts nach Behördenangaben bisher keine antisemitischen oder anti-israelischen Vorfälle.

Zeichen für die Vielfalt jüdischen Lebens

Der Solidaritätszug für Juden und Israel brachte geschätzte 200 Teilnehmende am Dom zusammen, die sich bei stürmischen Wetter in der Passage des Römisch-Germanischen Museums aufstellten. Als dort die israelische Nationalhymne „haTikwa“ erklang, lauschte die Menge andächtig. Die israelische Flagge wurde hochgehalten, auf manchen Fähnchen war der Davidstern in Regenbogenfarben abgebildet – Zeichen für die Vielfalt jüdischen Lebens. „Wir müssen jegliche Form von Antisemitismus benennen“, sagte Sprecherin Malca Goldstein-Wolf. „Antisemitismus ist keine Meinung und Terror ist kein Protest“, stand auf einem Plakat.

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Malca Goldstein-Wolf hört es nicht gerne, wenn sie als „jüdische Aktivistin“ tituliert wird. Das klingt ihr zu hart für das, was sie in der Gesellschaft erreichen will. Die Kölnerin ist es leid, nur wegen ihres Namens zum Beispiel im Internet persönlich abwertende Antworten zu bekommen, wenn sie banale Dinge postet wie zu einer Sendung, die ihr nicht gefiel. Den Blick auf das Judentum und Israel möchte sie aus der rückwärtsgewandten, allein auf den Holocaust verengten Sicht herausholen. „Kümmert euch um die lebenden Juden“, forderte sie deshalb bei ihrer Ansprache am Dom.

Das Polizei-Aufgebot war hoch für die Demonstration, zu der 300 Teilnehmer angemeldet waren. Die Veranstalter wussten den Schutz zu schätzen und applaudierten für den Einsatz. Auf dem Weg zur Synagoge blieben Passanten neugierig stehen. Kein Hass-Kommentar war zu hören, stattdessen der Friedensgruß „Shalom“. Die Schweigegang-Teilnehmer versammelten sich noch kurz auf dem Rathenauplatz gegenüber der Synagoge zu einem populären hebräischen Lied. Wieder gab es Dankesworte an die Polizei, die auf allen drei Demonstrationen erlebte, wozu ihr Einsatzleiter im Vorfeld aufgerufen hatte: „Besonnenheit und Friedlichkeit“.