Abo

ESA-Astronaut zur Luna-Halle in Köln„Wir sind das ganze Jahr über ausgebucht“

4 min
Überlebenswichtig für einen Besuch auf dem Mond: Matthias Maurer präsentiert den Helm eines Raumanzugs mit Rund-um-Blick.

Überlebenswichtig für einen Besuch auf dem Mond: Matthias Maurer präsentiert den Helm eines Raumanzugs mit Rund-um-Blick.

ESA-Astronaut Matthias Maurer ist Projektleiter der Luna-Halle in Köln und hofft auf einen Flug zum Mond. Wir haben mit ihm gesprochen.

Seit gut einem Jahr ist in Köln-Porz auf dem Gelände des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt die „Luna Analog Facility“ in Betrieb. Sie ermöglicht den Astronauten und Forschern, unter mondähnlichen Bedingungen zu trainieren und Ausrüstung zu testen. Welches Potenzial die Halle bietet, darüber sprach Jutta-Eileen Radix mit ESA-Astronaut Matthias Maurer, dem Luna-Projektleiter.

Herr Maurer, was macht die Luna-Facility so besonders?

In der Luna Facility haben wir sehr viele Möglichkeiten, eine Mission zu simulieren. 900 Tonnen staubigen Regoliths (Anm. d. Red.: „Mondsand“, in LUNA aber irdischen Ursprungs) und repräsentative Gesteinsbrocken liegen hier, um Mondgeologie zu trainieren. Wir können dieTopografie der Halle immer wieder verändern, um verschiedene Mondlandschaften nachzubilden, das Testgelände beispielsweise steiler machen, um mit Rovern und Astronauten zu trainieren. Dazu werden wir auch eine spezielle Rampe erhalten, um ganz gezielt steile Kratersteigungen einzustellen.

Wir können darüber hinaus die Lichtverhältnisse auf dem Mond simulieren, von hellem Sonnenschein bis zu schwärzester Nacht. Und über die Laufkatzen an der Hallendecke können wir die gegenüber der Erde reduzierten Schwerkraft auf dem Mond simulieren (1/6 der Erdschwerkraft). Bis zu fünf Personen können dann gleichzeitig in der Halle trainieren, sich in alle Richtungen bewegen.

Es steht auch ein Modell einer Mondlandefähre in der Halle?

Ja, auch dies ist Teil des Szenarios, um solche Mondmissionen zu üben. Das geht aber noch weiter, auch in den Untergrund, dort sind Kunststoffproben verbuddelt, die Wassereisvorkommen simulieren, die die Wissenschaftler per neuen Messgeräten finden möchten, die Radar oder seismischen Wellen nutzen. Wir haben aber in der Halle auch bereits Reifen für unterschiedliche Mondrover getestet, die ESA oder auch NASA zum Erdtrabanten senden wollen.

Welche Herausforderungen müssen die Trainierenden zum Beispiel meistern?

Nun, beispielsweise sind die Lichtverhältnisse in der Luna-Halle ähnlich schwierig wie auf dem wirklichen Mond. Die Teams müssen sehr vorsichtig agieren, müssen herausfinden, ob eine Vertiefung nur eine kleine Mulde auf der virtuellen Mond-Oberfläche ist oder ein tiefer Krater.

Wann haben Sie als Projektleiter begonnen, diese außergewöhnliche Trainingshalle für Astronauten zu planen?

2012 haben wir mit der Planung begonnen, es gab viel zu bedenken und zu überlegen. Ich freue mich sehr, dass die Luna-Halle ein solcher Erfolg geworden ist. Wir sind das ganze Jahr über ausgebucht, das Interesse daran, Technologien in Luna auszuprobieren und hier zu trainieren, ist riesig. Raumanzüge werden hier getestet, ebenso Mondrover - wir haben die Europäischen Reifen für einen potentiellen Nasa-Mondbuggy für einen getestet - , es wird auch getestet, ob man mittels Laser oder Mikrowellenstrahlung aus Mondstaub Backsteine oder Glas herstellen kann. - die Möglichkeiten hier in der Luna-Halle sind vielfältig.

Es gibt auch etwas Neues, eine Ergänzung zur Luna Facility, stimmt's?

Ja, wir haben neben der Luna-Halle nun auch eine kleine Mondstation, das Future Luna Exploration Habitat, kurz Flexhab. Dort können die künftigen Astronauten den Mond-All-Tag üben, also lernen, wie man im All Mahlzeiten zubereitet, schläft, auf die Toilette geht oder in dem kleinen Station Experimente, Wartungs- und Reparaturarbeiten durchführt. Auch medizinische Experimente und Telemedizin, wie sie ja im All häufig sind, können hier trainiert werden. Es ist ja nicht ganz einfach, sich in einem engen Quartier zu bewegen und sich mit den Raumfahrer-Kollegen zu arrangieren. So lässt sich auch eine reale, mehrwöchige Mondmission simulieren, bei der man täglich bis zu acht Stunden auf der Mondoberfläche unterwegs ist und dann 16 Stunden innen im Flexhab. Tagsüber wird das Licht im Flexhab auf bläulich-weiß eingestellt, abends warm-weiß bis leicht gelb. Nachts ist es nur minimal beleuchtet.

Was ist noch in Planung für die Luna Analog Facility?

Nun, hier entsteht ein kleines Monddorf, das eine Fülle von Forschungs- und Trainingsmöglichkeiten bietet. Es ist ja auch noch Platz neben der heutigen Luna-Halle - sie ließe sich leicht verdoppeln (lacht).

Herr Maurer, ESA-Generaldirektor Dr. Josef Aschbacher hat angekündigt, dass ein deutscher Astronaut zum Mond fliegen soll. Damit sind Sie - neben Alexander Gerst - einer der Top-Kandidaten für diese Mission. Was können Sie tun, um sich zu empfehlen, und wie empfinden Sie diese Chance?

Wir stehen nun am Anfang einer neuen Ära. Nach 25 Jahren Flüge zur Internationalen Raumstation ISS im erdnahen Orbit setzen wir nun endlich die Ära der Mondexploration fort. Es wird viele Flüge geben. Daher sind die Chancen für uns alle gut. Wer als erster aus Europa dorthin fliegen darf ist da nicht so wichtig – jede Folgemission wird komplexer und spannender als die vorherigen Mondflüge. Es bleibt also immer spannend und aufregend. Voraussetzung für eine solche Mission ist, dass man bereits im All war und auf dem aktuellsten Trainingszustand. Natürlich muss man auch gesund und körperlich fit sein.