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Hockey-TeamDer Kölner Delegation in Rio de Janeiro fliegen die Herzen zu

Lesezeit 4 Minuten

Köln – Der Pavillon Dänemarks steht nur einen Steinwurf vom Pavillon des deutschen Generalkonsulats entfernt – beide am weltberühmtem Strand von Ipanema in Rio de Janeiro. Der krasse Unterschied kann also nichts mit der Lage zu tun haben. Es gibt einen anderen Grund dafür, dass sich in dem rot-weißen Zeltbau der Dänen nur wenige Menschen verlaufen, während das kleine Holzhüttendorf der Deutschen schier überrannt wird. Deutsche sind in Brasilien unglaublich beliebt.

„Ich bin immer wieder tief berührt davon, wie herzlich und offen die Menschen mir hier begegnen“, sagt Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker während ihres Aufenthalts in Kölns Partnerstadt Rio de Janeiro, in der sie sich zurzeit mit einer Delegation der Kölnmesse und ihrer Wirtschaftsförderung befindet.

Kölsch, Bratwurst und das Maracana

„OliAle“ haben die Deutschen ihren Pavillon genannt. Nur ihnen und den Dänen wurde es gestattet, ihre Lager während der Olympischen Spiele an dem weltberühmten Ort aufzuschlagen. Einen Tag vor der Eröffnungsfeier der Spiele wurde „OliAle“ eröffnet. In einer der kleinen Holzhütten präsentierten sich Köln und die Kölnmesse mit einem Imagefilm und Infoflyern. Kölns Oberbürgermeisterin soll ein Band durchschneiden, um sie der Öffentlichkeit zu übergeben. Es gibt Kölsch zu trinken und Bratwürste. Kann das die Massen locken?

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Es kann. Vor dem Eingang des kleinen Hüttendorfes stehen die Menschen Schlange. Hunderte. Soweit das Auge reicht. Sie warten auf das Ende des offiziellen Teils, weil es zu viele sind, können sie nur Gruppenweise eingelassen werden.

Ein Tag später. Die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele. Im „OliAle“ wird sie auf eine Videoleinwand übertragen. Die Menschen können am Strand sitzen und zuschauen. Es sind rund zweitausend gekommen. Sie feiern ihre Stadt. Aber nicht nur die: Als die Deutschen Athleten ins Stadion einlaufen brandet frenetischer Jubel auf. Nur noch übertroffen von dem Freudentaumel, als endlich auch die brasilianischen Sportler in das Rund von Maracana kommen.

Szenenwechsel. Wuchtige Säulen, ein gigantischer Kronleuchter an der Decke. Bleiglasfenster mit Motiven. Ein Roter Teppich. Es ist ein würdiger Saal für die millionenschwere Auslandshandelskammer (AHK) in Rio. Allein, der Saal in dem stattlichen Gebäude gehört ihr nicht. Er ist nur gemietet. Dort residiert der Fußballclub Fluminense, der unter anderem den Weltfußballer Ronaldinho hervorgebracht hat. Brasilien, das Land in dem die Paläste den Fußballvereinen gehören. Die AHK hat in dieser ehrwürdigen Adresse des ältesten Vereins Rios zum Empfang geladen.

Es gilt, Großes zu feiern. Die Kammer besteht nunmehr seit 100 Jahren. Die Rednerliste ist so lang, als wolle man sich diesem Ereignis auch zeitlich annähern. Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker steht ebenfalls auf ihr. Ein undankbarer Platz im letzten Drittel. Schon einige Redner vorher sinkt die Konzentration im Auditorium von deutschen und brasilianischen Unternehmern hörbar. Und dennoch hat Reker leichtes Spiel. Als die OB angekündigt wird, gibt es tosenden Applaus. Auch die Rede, in der sie die Gemeinsamkeit Rios mit Köln hervorhebt, wird gefeiert.

Als sie dem Geschäftsführer der Kammer dann noch einen Flakon Farina Eau de Cologne schenkt – das Parfüm, das einst der brasilianische König sich liefern ließ – sind die Herzen im Sturm erobert. Umarmungen. „Das muss man sich vorstellen, wegen eines Parfüms“, sagt Reker später etwas verwundert.

Immer wieder recken die Fußgänger an den Ampeln die Daumen nach oben. Manche klatschen gar in die Hände. Soldaten mit Maschinengewehren, die während der olympischen Spiele zu Hunderten an Kreuzungen, Tankstellen und großen Straßen stehen, ziehen ihre Sonnenbrillen auf die Nasenspitzen, um darüber hinweg klarer sehen zu können. Motorradfahrer wühlen sich an Kreuzungen durch die Blechlawine, um näher heranzukommen. Die deutsche Delegation der Kölnmesse und der Oberbürgermeisterin bewegt sich durch Rio mit einem rund 40 Jahre alten Bulli.

Dem legendären VW-Bus. In Rio, der Stadt der schrägen Vögel und des prallen Lebens, sollte das nicht für allzugroße Aufmerksamkeit sorgen. Doch der Wagen ist für die Menschen ein Hingucker. Deutsche Produkte, egal aus welchen Zeiten, gelten als Spitze des technischen Standards.

Hockey hat in Brasilien keinen großen Stellenwert. Das kleine Stadion am Rande Rios ist bei weitem nicht ausverkauft, als die deutschen Hockeyspieler gegen die Mannschaft aus Kanada antritt. Deutlich mehr Kanadier als Deutsche haben den Weg zu der mit mobilen Tribünen zusammengezimmerten Sportstätte gefunden, die nicht gerade im besten Viertel der Stadt liegt.

Zahlenmäßig also Rückenwind für Kanada - so sollte man meinen. Doch weit gefehlt. Die Brasilianer stehen hinter den Deutschen. Kanada verliert 2:6. Henriette Reker geht runter auf den Platz und beglückwünscht die deutschen Spieler, von denen viele aus Köln kommen. „Die Begegnungen, dir wir haben, die Freundschaften, die sich daraus ergeben, das ist eine tolle Werbung für Köln“, sagt Reker am Ende ihrer Reise. Auch wirtschaftlich gebe es in Brasilien viele Chancen für die Domstadt. „Und Rio ist für mich einfach die schönste Stadt der Welt“, stellt sie noch fest - und ergänzt ganz schnell: „Neben Köln natürlich.“

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