Seit November 2025 testet das Ordnungsamt der Stadt Köln wöchentlich Kioske und Einzelhandel und überprüft, ob Tabak oder Nikotin an Minderjährige verkauft wird.
Jugendschutz in KölnTestkäufe mit Minderjährigen zeigen hohe Verstoßquote bei Kiosken

Die Stadt Köln führt wöchentlich Testkäufe mit dem Ordnungsamt an Kiosken durch.
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Lina sitzt auf einer Parkbank und schiebt sich Snus unter die Lippe. Lina ist erst 16 Jahre alt, heißt eigentlich anders, konsumiert aber täglich Tabak in Form der kleinen Beutel, die unter die Ober- oder Unterlippe geklemmt werden, und das Nikotin wird dann über die Mundschleimhaut aufgenommen. Für Lina ist das so normal wie Kaugummi kauen.
Ihr Snus-Konsum fing mit einer TikTok-Challenge an. Über die Plattform wurden ihr Videos ausgespielt von Jugendlichen, die sich herausforderten und wetteten, wer mehr Snus nehmen könnte, ohne sich zu übergeben. Eigentlich, weiß sie, dass es ihr nicht guttut: „Man sieht schon, wie ungesund das ist. Aber die Verpackung ist bunt und sieht cool aus. Und es ist Trend.“
Die Tabakdosen kosten sie fünf bis acht Euro. Das Geld hat sie schnell zusammen: „Es ist einfach, bei der Familie nach zwei Euro zu fragen, damit ich mir angeblich was in der Schule zu essen kaufen kann.“ Die Kioske, an denen Snus in Köln verkauft wird, erkennt sie leicht: „Manche Kioske haben an Mülltonnen oder Stangen so Sticker von den Marken kleben. Dann weißt du direkt: Der verkauft das.“
Wöchentliche Kontrollen in Kölner Kiosken
Testkäufe der Stadt Köln möchten solche Fälle, wie den von Lina, verhindern. Wöchentlich kontrollieren sie Kioske in ganz Köln, ob sie Snus, klassische Zigaretten, die elektronische Variante als Vapes oder auch Alkohol an Minderjährige verkaufen. Insgesamt acht bis zehn Geschäfte werden dann pro Tag geprüft.
Vor dem Bezirksrathaus in Ehrenfeld bereiten sich 17-Jährige auf einen solchen Testkauf vor. Der junge Mann und die junge Frau machen eine Ausbildung bei der Stadt Köln. Für die Azubis, die anonym bleiben wollen, ist das nicht der erste Testkauf. Sie sprechen sich kurz ab und gehen in den ersten Kiosk.

Franziska Hagemeister von der Gewerbeabteilung des Amtes für öffentliche Ordnung begleitet die Testkäufe als Zeugin.
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Franziska Hagemeister von der Gewerbeabteilung des Amtes für öffentliche Ordnung folgt ihnen mit Abstand – in Jeans und Shirt. Dass sie für die Stadt arbeitet, ist ihr absichtlich nicht anzusehen, sie soll als Zeugin fungieren. Die beiden betreten den Kiosk, fragen nach einer Vape, zahlen und gehen wieder raus. Der Kiosk ist durch den Test gefallen. Nach dem Ausweis der erst 17-Jährigen hat der Verkäufer nicht gefragt. Die Azubis rufen ihre Kollegen an.
Sophia – sie trägt ihre Uniform – hat eine Ecke weiter mit ihren Kollegen gewartet und nimmt den Anruf entgegen. Die Beamtin will ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen. Sie kommt dazu und konfrontiert den Verkäufer, nimmt seine Personalien auf. Der schaut überrascht. Zuerst behauptet er noch, die beiden hätten gelogen, bis nicht mehr zu leugnen ist, dass die Testkäufer minderjährig sind. „Er wirkte eher genervt als einsichtig“, erzählt Beamtin Sophia später. Sie hat solche Momente schon oft erlebt. Der Verkauf von Vapes, Alkohol und auch illegalen Substanzen wie Snus ist in Kiosken in Köln kein Einzelfall, sagt sie. „Wir haben mal 400 Vapes bei einem Betrieb sichergestellt. Eine Woche später verkaufen die schon wieder.“ Seit November 2025 hat das Ordnungsamt insgesamt schon 162 Kioske und Einzelhandelsgeschäfte überprüft. Dabei stellten sie 114 Verstöße fest, das sind 70 Prozent.
Verstecke werden immer ausgeklügelter
Die beiden jungen Testkäufer gehen weiter und suchen sich das nächste Geschäft. Sie betreten einen Tabak- und Shishaladen und fragen nach einer Vape-Marke, die in Deutschland verboten ist. Die Verkäuferin geht sofort in den Hinterraum, verschließt hinter sich die Tür und kommt nach einem kurzen Moment mit der Ware wieder. Für 15 Euro das Stück kaufen sich die Testkäufer jeweils eine und verlassen den Laden.
Wieder rufen sie Sophia an. Zusammen mit ihren Kollegen betritt sie das Geschäft und konfrontiert die Verkäuferin. Die Frau bleibt erstaunlich ruhig, behauptet, das seien die letzten beiden Vapes im Laden gewesen, die sie noch hatte. Die Beamten glauben ihr nicht und durchsuchen den Laden. Sophia erzählt, dass die Verstecke von Mal zu Mal ausgeklügelter werden: aufgesägte Heizungen, Fächer, die sich nur mit Magneten öffnen lassen, und Ware in Toilettenspülungen. Dieses Mal finden sie trotzdem nichts mehr und geben den Fall weiter an den Zoll.
Vapes und Snus stellen hohe Risiken für junge Menschen dar
Insgesamt würde es einen allgemeinen Anstieg geben, warnt das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) auf Grundlage der Ergebnisse der Drogenaffinitätsstudie.
Für junge Menschen bringen die nikotinhaltigen Substanzen hohe Risiken für ihre Gesundheit mit. Schon geringe Mengen verursachen Übelkeit. Höher dosiert kann es zu Vergiftungen oder Atem-Stopps führen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt zudem vor einem erhöhten Krebsrisiko und Herz-Kreislauf-Problemen.
Lina war zwölf, als sie angefangen hat. Heute benutzt sie rund zehn Beutel am Tag, ungefähr einen alle zwei Stunden. „Nach einer Stunde ohne merke ich das schon: Ich werde aggressiv und sehr emotional.“ Ihr ist trotzdem bewusst, dass ihr das schadet. Sie wünscht sich, dass es Jüngere besser machen. Über die Verkäufer sagt sie, ganz ohne zu zögern: „Die wollen nur ihr Geld machen. Ob das die kleine Schwester von jemandem ist oder der kleine Bruder, den sie damit abhängig machen, das juckt die nicht.“
