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Justizzentrum Köln1300 Mitarbeiter vor kompliziertem Mammut-Umzug

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Das marode Justizzentrum wird über Jahre eine Baustelle sein. In wenigen Monaten starten nun die Umzüge ins Interim.

Das marode Justizzentrum wird über Jahre eine Baustelle sein. In wenigen Monaten starten nun die Umzüge ins Interim. 

Ende 2025 müssen alle Beschäftigten das marode Gebäude verlassen. Defekte Aufzüge und logistische Herausforderungen erschweren bereits jetzt den Betrieb erheblich.

Aus Alt mach Neu: Das marode Justizzentrum an der Luxemburger Straße ist eine Baustelle und wird in den kommenden Jahren eine Großbaustelle sein. In etwa zehn bis 15 Jahren soll dort ein neuer, schicker Neubaukomplex stehen. Kaputte Heizungen im Winter, stecken gebliebene Aufzüge und herunterfallende Gebäudeteile sollen der Vergangenheit angehören.

Ein erster Baustein in dem Mammutprojekt geht jetzt in die heiße Phase. „Der Umzug ins Interim steht kurz bevor“, verkündete Amtsgerichtspräsident Dr. Dietmar Dumke vor Journalisten. Mit Ende des Jahres sollen die ehrgeizigen Arbeiten abgeschlossen sein. Dann soll der Umzug von rund 1300 Mitarbeitern des Amts- und des Landgerichts beginnen. Etwa im Frühjahr 2027 werden dann Entscheidungen in den Räumen des ehemaligen Arbeitsamtes getroffen, sie liegen in unmittelbarer Nähe.

Der Umzug ins Interim steht kurz bevor. Der Betrieb wird eingeschränkt. Das werden wir nicht in zwei Tagen schaffen.
Dr. Dietmar Dumke, Amtsgerichtspräsident

Herausforderungen beim Umzug: Alte Aufzüge als Nadelöhr

Der Umzug wird ein Kraftakt und die Arbeit der Bediensteten wird weitgehend stillstehen. „Der Betrieb wird eingeschränkt. Das werden wir nicht in zwei Tagen schaffen“, sagte Dumke. Das Nadelöhr: Unmengen von Mobiliar müssten in großen Teilen aus dem Hochhaus über die Aufzüge herunter und dann ins Gebäude nebenan transportiert werden. Es ist bekannt, dass die Aufzüge manchmal ihre Arbeit versagen oder auf den Etagen nicht richtig stehen bleiben. Wer schon mal mit einem in die Jahre gekommenen Aufzug gefahren ist, weiß, dass der Halt nicht unbedingt millimetergenau auf Ausstiegshöhe erfolgt. Das ist kein Problem, solange Menschen von A nach B gehen, aber wenn schwere Aktenschränke auf Rollen unterwegs sind, können bereits Millimeter große Probleme bereiten. „Eilsachen werden aber weiter sofort bearbeitet“, betont Dumke. Gerichtsverhandlungen finden weiter im bereits eingerichteten Provisorium hinter dem Gericht statt.

Traglufthallen als temporäre Lösung für Gerichtsverhandlungen

Die Gerichtssäle in den Traglufthallen waren für das Mammutprojekt aufgestellt worden, inklusive Sicherheitsschleusen und mehr. Im Januar 2025 startete der Betrieb. Diese ist Teil der Gesamtplanung für den neuen Gebäudekomplex des Justizzentrums. Denn das Vorhaben, anstelle eines Hochhauses fünf neue, miteinander verzahnte und maximal 5 bis 7‑geschossige Gebäude zu errichten, ist eine Herausforderung an sich. Auf Anfrage der Rundschau antwortete der für Abriss und Neubau federführende Baubetrieb des Landes Nordrhein-Westfalen (BLB NRW): „Auf Grundlage des Entwurfs aus dem Wettbewerbsverfahren werden die Planungen sukzessive fortgeführt. Da sich das Projekt in einer frühen Planungsphase befindet, können zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussagen zu Zeiträumen für den Abriss des bestehenden Hochhauses oder den Beginn der Neubauten getroffen werden.“ Wie die Rundschau bereits im September 2024 exklusiv berichtete, sah der Zeitplan zuletzt einen Abriss des Hochturms ab dem vierten Quartal 2034 vor. Der Ablauf sieht vor, dass zunächst die möglichen Dienststellen wie das Amtsgericht in das frühere Gebäude der Agentur für Arbeit ziehen. Hier ist die aktuelle Planung fast im Zeitplan, denn 2024 erklärte ein Sprecher des BLB NRW, dass der Umzug nach der Fertigstellung im Sommer 2026 angestrebt werde. Wie Dr. Dietmar Dunke erklärte, steht der Umzug nun kurz bevor.

Zeitplan und Kosten: Einblick in die Projektplanung

Die Zahlen stammen aus dem Zeitplan, der in den öffentlichen Ausschreibungen für die Planung und Umsetzung des Neubauprojekts angegeben wurde. Dieser sah vor, dass Anfang 2028 der Abriss des H-förmigen Baus der Staatsanwaltschaft beginnen soll. Eine aktuellere Einschätzung ist dem Statement des BLB NRW nicht zu entnehmen. Doch bevor der Turm abgerissen wird, sollen die ersten Neubauten entstehen. Die drei Gebäudeteile, die dort bis 2033/2034 entstehen sollen, wo derzeit noch die Heimat der Staatsanwaltschaft befindlich ist. Das erst ein Teil abgerissen und durch neue Bauwerke ersetzt wird, soll den Ablauf ermöglichen, ohne dass der Betrieb ganz zum Erliegen kommt. In der Grafik ist zu sehen, dass dort, wo noch einige Jahre das marode Hochhaus mit den in die Jahre gekommenen Aufzügen steht, nur zwei der insgesamt fünf neuen Gebäude entstehen werden.

Da sich das Projekt in einer frühen Planungsphase befindet, können zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussagen zu Zeiträumen für den Abriss des bestehenden Hochhauses oder den Beginn der Neubauten getroffen werden.
BLB NRW auf Anfrage der Rundschau

Der zweite Abschnitt des Projekts sieht dann den Abriss des Turms vor. Der Zeitplan sah zuletzt einen Abriss ab 2031 und eine Übergabe der Gebäude an die Nutzer der Justiz nicht vor dem zweiten Halbjahr 2040 vor. Kosten für das Projekt sind nie kommuniziert worden, lediglich die Kostenkalkulation für die Gruppe KG 300 und 400 (Bau und technische Anlagen) waren in der Ausschreibung mit zusammen rund 425 Millionen Euro angegeben.