Ausverkaufter Saal, tolle Stimmung und Künstler voll des Lobes für das Publikum: Auch die zweiten Ausgabe von „Ärm en Ärm“ begeisterte.
Karneval in KölnSo schön war die zweite Sitzung von „Ärm en Ärm“

Kammerkätzchen und Kammerdiener bei der Sitzung der Rundschau
Copyright: Thomas Banneyer
„Kein Korps, sondern ein Chor“ - mit diesem Wortspiel kündigt Julia Heinen auf der Bühne im großen Saal des Kölner Hotels Pullman Cologne den Eröffnungs-Act an: den Jugendchor St. Stephan. Jugendliche zwischen 16 und 26 Jahren singen unter Chorleiter Michael Kokott ein Medley aus Hits von „Och, wat wor et früher schön en Colonia“ bis zu den „Eingeborenen aus Trizonesien“. Auch mit dem „Lied vom kölsche Jung“ holen sie gleich zu Anfang das Publikum von den Stühlen.
Ein gelungener Einstieg für eine Sitzung, die Tradition bewahren und trotzdem alle Generationen ansprechen will, bei der Alt und Jung zusammen feiern sollen: „Mir dun et Ärm en Ärm“, so heißt das Motto in Erweiterung des Titels. Mit einem Programm, das nicht nur Party macht, sondern auch Raum für leise Momente lässt und für Elemente wie Tanzgruppen und das Dreigestirn.
Das kommt vielen im Publikum entgegen. „Gibt es auch Redner?“, fragt zum Beispiel eine Frau vorab. Ja, gibt es. Für viele unterschiedliche Geschmäcker: Das Duo Willi & Ernst zielt oft unter die Gürtellinie und benutzt Kraftausdrücke, lässt aber auch das traditionelles Zwiegespräch wieder aufleben, wie es vor allem das Colonia Duett unvergesslich gemacht hat: Ernst will Witze erzählen, Willi mehr aus dem Auftritt machen - wer hat wohl nachher die Lacher auf seiner Seite? „Was ist das für ein tolles Publikum“, sagen die beiden Herren zum Sitzungspräsidenten Walter F. Passmann, bevor sie den „Ärm en Ärm“-Orden entgegennehmen.
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Ärm en Ärm: Begeistert vom Publikum
Denn das hört zu, wenn es was zu hören gibt. Auch bei Volker Weininger, dem einzigen Künstler, der schon bei der Premiere im vergangenen Jahr dabei war. Als immer alkoholisierter „Sitzungspräsident“ erzählt er diesmal vom Ausflug seines Elferrats in den Sauerlandstern - und nimmt damit die Würdenträger des hier gefeierten traditionellen Karnevals gehörig auf die Schüppe. Sehr gekonnt und einfach lustig!

Jörg P. Weber bei seinem Auftritt in Köln
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Jörg P. Weber schließlich macht im zweiten Teil der Sitzung feinsinnige Bemerkungen zum Wesen des Büttenredners: „Ich erzähle keine Witze, ich halte den Spiegel vor!“ Der Beitrag ist anspruchsvoll, nicht nur für Menschen ohne große Kölsch-Kenntnisse: Es geht um Respekt für die Mitwirkenden im Karneval und gegen Jecken, die nur feiern, aber zum Beispiel keine Tanzgruppen sehen wollen: „In den Tanzgruppen werden Werte vermittelt“, sagt er, und nicht durch Partysänger wie Ikke Hüftgold, die „Kölsche Wochen“ veranstalten: „Da ist alles drin, nur nichts Kölsches!“ Hier steht Sitzungspräsident Walter F. Passmann auf und applaudiert.
Sitzung in Köln: Tanzgruppen liefern ab
Wie wichtig die Arbeit eben dieser Tanzgruppen ist, zeigen verschiedene Darbietungen bei Ärm en Ärm. Vom Nachwuchs bis zu den Profis ist alles dabei: Erst zeigen die „Flöhe“, die Jugendtanzgruppe der Großen Allgemeinen, was sie können. Ach, wie süß, kann sich manche nicht verkneifen angesichts der Jüngsten auf der Bühne, die noch im Kleinkindalter sind. „Es gibt nichts Wichtigeres im Kölner Karneval als das, was Sie hier sehen“, sagt der Sitzungspräsident zur Nachwuchsarbeit der Karnevalsgesellschaft: „Wer die Jugend hat, hat auch die Zukunft.“

Tanzgruppen versüßten den Abend bei der Sitzung.
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Mit der KG Treuer Husar kommt dann doch noch ein ganzes Traditionskorps auf die Bühne, deren Tanzpaar charmant über dieselbe wirbelt. Und mit den „Kammerkätzchen und Kammerdienern“ sind wir dann in der Championsleague, so Passmann. Tatsächlich sehen die imposanten Hebefiguren - trotz Gefahren durch niedriger Decke - nach echter Hochleistungsakrobatik aus.
Es wird geschunkelt und gesungen
Zwischendurch wird auch immer wieder gesungen und geschunkelt: mit dem Dreigestirn, das ein Ostermann-Medley bringt, und mit den Bands: Miljö singen natürlich ihren Hit „Solang beim Lommi die Lichter noch brennen“, aber auch den Song „Superheld“ - „über die Helden im Ehrenamt zum Beispiel“, sagt Sänger Nils Schreiber, „die Wunder des Alltags vollbringen ganz ohne Superkräfte.“ Eine durchaus passende Beschreibung für die vielen Menschen im Publikum, die sich für Ältere einsetzen - sei es durch tatkräftigen Einsatz oder Spenden an die Altenhilfe.

Die Stimmung im Saal ist wunderbar.
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Es wird mitgesungen und geschunkelt.
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Die Paveier mit „Leev Marie“, „Heimat es“ oder „Konfettirään“ sind der Höhepunkt am Schluss. Sänger Sven Welter greift ein Thema auf, das sich als weiterer roter Faden durch den Abend gezogen hat: Mag in der Welt auch noch so viel Missstimmung sein, „bei uns zu Huss ist es möglich, friedlich und fröhlich miteinander zu feiern“.

Der Jugendchor St. Stephan
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Die Politik bleibt an diesem Abend weitgehend außen vor - es ist, also ob den Künstlern mittlerweile die Worte fehlten. Wo Volker Weininger im vergangenen Jahr noch Scherze über die Frisur von Donald Trump machte, rät er heute nur: „Bei all dem, was so in der Welt vor sich geht, darf man niemals vergessen, dass man zwischendurch auch ein bisschen Quatsch machen muss.“ Sitzungspräsident Walter F. Passmann, bringt es so auf den Punkt: „Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst!“
Da ist es doch schön, dass man sich auf etwas freuen kann: „Ärm en Ärm“ wird es auch 2027 geben. „Beim ersten Mal haben wir es ausprobiert“, zitiert Passmann zum Abschluss eine bekannte Kölner Redensart, „beim zweiten Mal ist es Tradition, und beim dritten Mal Brauchtum!“ Für eine Sitzung mit dem Anspruch von „Ärm en Ärm“ klingt das genau richtig.

