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Inklusiver KarnevalsvereinBei „De Freudenblömcher“ feiern Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam

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Jan Grünig und Natalie Dedreux sind Gründungsmitglieder von „De Freudenblömcher“.

Schauspieler Jan Grünig sowie die Aktivistin und Journalistin Natalie Dedreux sind Gründungsmitglieder des neuen Vereins „De Freudenblömcher“. 

Die Idee für den neuen Verein entstand durch Erfahrungen von zwei bekannten Kölner Persönlichkeiten, die das Down-Syndrom haben. 

Wo die einen ausgelassen feiern, tun sich für andere große Herausforderungen auf. Wenn die Kölnerin Natalie Dedreux in einer großen Menschenmenge vor einer Bühne steht, muss sie von ihren Begleitpersonen abgeschirmt werden. Sie hat Trisomie 21, auch Down-Syndrom genannt, und fühlt sich sehr unwohl, wenn sie ungewollt Körperkontakt erlebt. Aber auch in anderen Bereichen und mit anderen Behinderungen, kann es schwer werden im Karneval. Da sind Säle, die nicht barrierefrei sind, Anwärterverfahren für Vereine, die nur schwer umzusetzen sind, und zuletzt die Scheu, keinen Anschluss zu finden.

Der neue und inklusive Kölner Karnevalsverein „De Freudenblömcher“ möchte eine Lücke im Karneval schließen. Er heißt Menschen mit und ohne Behinderung willkommen und hat die Inklusion sogar in seiner Vereinssatzung festgeschrieben. Auch Personen, die durch eine geistige Behinderung rechtlich als nicht geschäftsfähig gelten, können sich deshalb als Mitglied mit einer Stimme einbringen.

„Wir wollen eben nicht nur von außen zugucken, sondern ein echter Teil des Karnevals sein“, erklärt die Erste Präsidentin Kim Grünig. Sie ist die Schwester des Kölner Schauspielers Jan Grünig, der ebenfalls das Down-Syndrom hat und zusammen mit der befreundeten Aktivistin und Journalistin Natalie Dedreux „De Freudenblömcher“ gründete. Grünig spielte über 20 Jahre bei der Kult-Serie Lindenstraße die Rolle des Martin Ziegler. In seinem Verein ist er außerdem Inklusionspräsident. Dedreux erhielt 2024 das Bundesverdienstkreuz, weil sie sich für Menschen mit Down-Syndrom stark macht.

Viel positive Resonanz für „De Freudenblömcher“

Mit Freunden und Familie – darunter Personen mit und ohne Behinderung – sind die beiden schon seit Jahren im Karneval unterwegs. Nun haben sie auch eine karnevalistische Heimat, von der auch andere profitieren sollen. Im November 2025 war die Gründung als gemeinnütziger Verein dann offiziell. „De Freundenblömcher“ haben viel vor. Nicht nur einen regelmäßigen Stammtisch soll es geben, sondern auch jecke Events.

„Unser Traum für die Zukunft wäre eine große Sitzung, wie die der Sozial‑Betriebe Köln“, sagt die Zweite Präsidentin Julia Greim. Sie ist eng mit Kim Grünig befreundet und Teil der jecken Feiertruppe, durch die die Idee für den Verein entstand. „Unsere Events sollen in einfacher Sprache gehalten sein und es soll genug Personal geben, das bei Problemen helfen kann, sogenannte Awareness-Teams also“, nennt Greim einige Ideen. „Das nächste große Ziel ist aber erst mal die Teilnahme an den Schull- un Veedelzöch in der kommenden Session.“

Den Zöch fühlen „De Freudenblömcher“ sich auch deshalb verbunden, weil der veranstaltende Verein, die Freunde und Förderer des Kölnischen Brauchtums, das Team ermutigte. „Melanie und Jörg Schneider aus dem Vorstand haben uns ihre Unterstützung angeboten und den Anstoß zur Gründung gegeben“, sagt Greim dankbar. Und auch aus anderen Ecken Kölns bekam die Gruppe Zuspruch: Unter anderem die Domstürmer und Kempes Finest gaben für die Gründung auf Instagram einen Like. „Die Resonanz ist wirklich gut und wir haben jetzt schon 20 Anfragen für eine Mitgliedschaft. Das freut uns sehr.“

Karneval mit Behinderung: Betreuerinnen und Betreuer bekommen Rabatt

Ein erster Lohn für die harte Arbeit. Denn „De Freudenblömcher“ wollen alles beachten, damit sich ihre Mitglieder wohlfühlen. Das geht weit über ein barrierefreies Vereinsheim hinaus, das nun endlich zum Greifen nah ist. Es musste ein System entwickelt werden, wie auch Personen, die wegen einer geistigen Behinderung als nicht geschäftsfähig gelten, auch als Mitglieder abstimmen können, obwohl sie nicht rechtsfähig für den Verein eintreten können. „Dafür haben wir eine besondere Satzung entwickelt, die erst mal geheim bleiben soll. Unser Notar hat gesagt, das gibt es so in Köln noch nicht.“

Sonderregelungen dachte sich das Team auch für Betreuerinnen und Betreuer aus. Wenn vorhanden, müssen diese auch eintreten. „Denn eine Betreuung können wir nicht leisten“, sagt Greim. Jedoch gibt es einen Rabatt: Beide Personen zahlen dann jeweils nur die Hälfte (mehr zu den Kosten einer Mitgliedschaft siehe unten). 

Auch die Anwärterschaft ist anders geregelt als in traditionellen Vereinen, wo oft ein aufwendiges und monatelanges Engagement vorausgesetzt wird. Anwärter müssen pro Jahr mindestens an 50 Prozent der Stammtische teilnehmen. Inwieweit sich jemand mit seinen Fähigkeiten im Verein einbringt, wird individuell entschieden.

Die Uniform des Vereins wird ebenfalls eine Besonderheit im Kölner Karneval sein. „Traditionell haben die viele Knöpfe, enge Hosen und Stiefel. Das kann für manche Menschen sehr schwierig in der Handhabung sein.“ Bei dem Verein muss deshalb auf Praktikabilität geachtet werden. 

„Es ist aufwendiger, als man denkt“, sagt die Zweite Präsidentin zur Gründung des Vereins. „Aber es ist wichtig. Inklusion sollte zur Normalität werden. Das Lied ‚Drink doch eine met‘ ist mein Leitsatz im Leben und es gilt für mich für alle – egal, ob jemand eine Behinderung hat oder nicht“. Passend dazu haben sich „De Freudenblömcher“ eine besondere Blume zu ihrem Symbol gemacht. Es ist eine Amaryllis, „die für Hoffnung, Lebensfreude und Freundschaft steht“. 


Die Mitgliedschaft bei „De Freundenblömcher“ kostet regulär 111 Euro im Jahr und ist ab 18 Jahren erlaubt. Einen Rabatt gibt es nicht nur für Betreuerinnen und Betreuer (siehe Text), sondern auch für Azubis und Studenten bis zum 27. Lebensjahr: Sie zahlen nur 81 Euro. Alle Infos zum Verein gibt es online. www.defreudenbloemcher.de