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Motto, Dreigestirn, PersiflagenSo fällt die Bilanz der Session 2026 aus

5 min
Jeck im Rään: Der Zoch trotzte den extremen Wetterbedingungen.

Jeck im Rään: Der Zoch trotzte den extremen Wetterbedingungen.

Die Session 2026 geht zu Ende. Ein Überblick über die wichtigsten Themen der vergangenen Wochen.

Ein gelungenes Motto als roter Faden

„Alaaf – Mer dun et för Kölle!“ – die Hommage an das Ehrenamt zog sich wie ein roter Faden durch die Session. Bereits im Sommer wurde das Dreigestirn bei der Freiwilligen Feuerwehr in Brück vorgestellt, auf unzähligen Veranstaltungen wurden Ehrenamtliche gewürdigt und ausgezeichnet. Der Fokus lag mehr denn je auf den stillen Helden, die im Karneval und in der ganzen Stadt das gesellschaftliche Leben am Laufen halten. Einen schönen Abschluss für das Motto fand das Festkomitee mit dem 250 Stimmen starken Ehrenamtschor, der den Rosenmontagszug stimmungsvoll einleitete. Das Thema Ehrenamt dürfte auch in der kommenden Session immer wieder Erwähnung finden. „Morje es, wat do drus mähs!“ lautet das neue Sessionsmotto. Dabei geht es auch darum, wie jeder Einzelne die Stadt mit gestalten kann. Das Ehrenamt ist dabei ein essenzieller Baustein.

Fazit: Ein gelungenes Motto

Verregneter Höhepunkt an Rosenmontag

Mit gut zwei Stunden Verspätung erreichte Prinz Niklas I. an Rosenmontag das Ziel in der Gregorius-Maurus-Straße. Die Verspätung war die Summe kleinerer Vorfälle im Zug. Einige Fahrzeuge waren liegengeblieben, nach einer Gewitterwarnung wurden am Nachmittag vorsorglich die Pferde und Kutschen aus dem Zug genommen. Das Wetter stellte die Jecken im Zug und am Straßenrand auf die Probe. Besonders am Nachmittag wurde es immer nasser und kälter. Doch die Jecken trotzten den Wetterbedingungen. Die Stimmung am Zugweg war ausgelassen und fröhlich.

Fazit: Ein Auf und Ab der Gefühle

Der Regenschirm erfüllte an Rosenmontag gleich mehrere Funktionen.

Der Regenschirm erfüllte an Rosenmontag gleich mehrere Funktionen.

Dreigestirn als Brückenbauer

Größer hätten die Fußspuren kaum sein können, die Niklas Jüngling, Clemens von Blanckart und Stefan Blatt als Prinz, Bauer und Jungfrau in dieser Session ausfüllen mussten. Dem Dreigestirn der Stattgarde Colonia Ahoj waren im Vorjahr die Herzen zugeflogen. Die Nachfolger der Prinzen-Garde setzten ihre eigenen Akzente. Prinz Niklas I., Bauer Clemens und Jungfrau Aenne bildeten ein vergleichsweise junges Trifolium mit enger Bindung zum traditionellen Karneval. Sie wollten Brücken zwischen den Generationen bauen. Das ist ihnen gelungen. Und sie waren nahbar. Auch, weil sie ihre Emotionen nicht versteckten. Zwischen Prinzenproklamation und Aschermittwoch flossen reichlich Tränen beim Kölner Dreigestirn 2026.

Fazit: Job mit Bravour erfüllt

Emotionales Dreigestirn: Prinz Niklas I., Bauer Clemens und Jungfrau Aenne.

Emotionales Dreigestirn: Prinz Niklas I., Bauer Clemens und Jungfrau Aenne.

Die „Karnevalsmaus“ räumt alles ab

Der unangefochtene Sessions-Hit kommt in diesem Jahr nicht von einer Kölner-Top-Band, sondern aus Bonn. Die „Karnevalsmaus“ der Brass-Band Druckluft war bereits am Elften Elften omnipräsent, und auch danach wurde der Hype eher größer als kleiner. Für die Band hinter dem Hit geht eine Session wie im Rausch zu Ende. Dem Auftritt bei der Silvester-Show von Florian Silbereisen vor einem Millionenpublikum folgte mit dem Auftritt bei der Prinzenproklamation ein weiterer Ritterschlag. Überall, wo die Band auftrat, herrschte Ektase. Der Song über den Prototypen des Feiernden mit der eingängigen Mause-Ohren-Choreografie kam in allen Altersgruppen an. Kritik kam nur von Traditionalisten, schließlich kommt der Titel ohne ein kölsches Wort aus. Die Diskussion, was das dann noch mit Karneval zu tun habe, ist nicht neu. Den Zeitgeist hat die „Karnevalsmaus“ aber zweifellos getroffen. In den Sozialen Medien ist das Lied noch immer überall, auch die Kölner Kneipen feierten den Hit. Die Einsing-Tour von „Loss mer singe“ gewann die „Karnevalsmaus“ mit riesigem Abstand vor dem Kasalla-Song „Adios Amigos“.

Fazit: Der frische Wind tut dem Karneval gut.

Druckluft mit Frontmann Florian Hertel.

Druckluft mit Frontmann Florian Hertel.

Emotionaler Abschied von Christoph Kuckelkorn

Für Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn glich die Session einer großen Abschieds-Tournee. Im Dezember hatte er verkündet, sein Amt nach Aschermittwoch niederzulegen, um den steigenden Anforderungen an seinen Hauptjob als Bestatter gerecht zu werden. Über zwei Jahrzehnte hat Kuckelkorn den Karneval in verantwortlicher Position wie kaum ein anderer geprägt, erst als Zugleiter, ab 2017 dann als Präsident. Er hat den Karneval entscheidend weiterentwickelt, modernisiert und zukunftsfähig gemacht. Und all das im Ehrenamt, das sich für ihn in all der Zeit wie ein zweiter Hauptjob anfühlte. Der Karneval weiß, was er Kuckelkorn zu verdanken hat. In den vergangenen Wochen wurde er mit Ehrungen und Lobeshymnen überschüttet, es waren emotionale Tage für den Festkomitee-Präsident. Sein Wunsch-Nachfolger und derzeitiger Vize-Präsident Lutz Schade soll seinen Weg fortführen.

Fazit: Der verdiente Lohn für ein einzigartiges Ehrenamt.

Auch Oberbürgermeister Torsten Burmester nahm Abschied von Christoph Kuckelkorn.

Auch Oberbürgermeister Torsten Burmester nahm Abschied von Christoph Kuckelkorn.

Persiflagen: Blut, nackte Haut und Biss

Friedrich Merz im Fetisch-Kostüm, Donald Trumps nacktes Hinterteil und ein blutrünstiger iranischer Machthaber, der sein eigenes Volk auffrisst – selten waren die Persiflagewagen in Köln so bissig wie in diesem Jahr. Nur Wladimir Putin war nicht direkt Teil des Zugs. Diesen Schauplatz überließ Zugleiter Marc Michelske seinem Düsseldorfer Kollegen Jacques Tilly, der sich aufgrund seiner Putin-Darstellungen derzeit mit der russischen Justiz herumschlagen muss. „Mer all sin Tilly“ stand in Köln immerhin auf einem Wagen, dazu präsentierten Mitglieder des deutsch-ukrainischen Vereins Blau-Gelbes Kreuz im Zoch früherer Putin-Motive aus Köln und Düsseldorf. Für Michelske war es der zweite Zug in verantwortlicher Position.

Fazit: Es darf gerne ebenso bissig weitergehen.

Blutig: Der Persiflagewagen zur Situation im Iran.

Blutig: Der Persiflagewagen zur Situation im Iran.

Keine Lösung für das Kwartier Latäng in Sicht

Am Feier-Hotspot Zülpicher Straße herrschte an Weiberfastnacht weitaus weniger Andrang als in den Vorjahren. Die erneut verkleinerte Ausweichfläche auf der Uniwiese blieb nahezu ungenutzt. Dass auf der „Zülpi“ zu jeder Zeit Platz für weitere Feiernde gewesen wäre, dürfte aber auch mit dem nasskalten Wetter zutun haben. Jetzt stellt sich mal wieder die Frage: Wie geht es weiter für den Feier-Hotspot? Auch wenn die zumeist jungen Menschen im Kwartier Latäng weitestgehend sicher feiern konnten, muss die Stadt weiterhin über diese Frage nachdenken. Denn damit sicheres Feiern möglich ist, investiert die Stadt Jahr für Jahr Millionen. Der Aufbau der Sperrzone rund um die Zülpicher Straße dauert jedes Mal mehrere Wochen, darunter leiden vor allem die Anwohnenden. Das Ergebnis sind Feiern hinter Gittern, mit viel Alkohol, aber ohne Programm oder jeglichem Anspruch, den jungen Menschen das Brauchtum nahezubringen. Ideen einiger kreativer Köpfe aus Karneval und Kultur liegen nach wie vor auf dem Tisch. Die Stadt sollte sich ernsthaft damit auseinandersetzen.

Fazit: Da muss Bewegung reinkommen.

Die Zülpicher Straße an Weiberfastnacht.

Die Zülpicher Straße an Weiberfastnacht.

Stille Helden abseits des Ehrenamts

Sie arbeiten zwar nicht ehrenamtlich, aber sind auch so etwas wie die stillen Helden der tollen Tage. Die Mitarbeitenden der Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB) haben vor allem nach Weiberfastnacht einen hervorragenden Job gemacht. Schon am frühen Freitagmorgen waren die Überreste der Feierlichkeiten an vielen Hotspots bereits beseitigt. Das war auch schon mal anders. Nach Rosenmontag ist der Job noch einmal herausfordernder, aber auch hier war es am Dienstag an vielen Stellen schon wieder blitzeblank.

Fazit: Gute Arbeit