Das große und kleine Dreigestirn hat die Blindensitzung im Sartory besucht.
Kölner BlindensitzungSehbehinderte und Blinde ertasten Ornate der Dreigestirne

Vor allem die Federn und Stickereien ertasteten die sehbehinderten und blinden Jecke.
Copyright: Thomas Banneyer
Die Ornate des Trifoliums sind prächtig – das weiß wohl jeder Kölner und jede Kölnerin. Wie sie aber genau aussehen, nicht unbedingt. Bei einer Sitzung des Blinden- und Sehbehindertenvereins im Ostermann-Saal des Sartory hatten sehbehinderte und blinde Jecke vergangenen Dienstag die Möglichkeit, die Ornate und Insignien des großen und kleinen Dreigestirns einmal selbst zu ertasten. Bevor die Tollitäten den Saal betraten, gab es ein volles Programm für die Jecken. Unter anderem sorgte Marita Köllner als „Et fussich Julche“ mit einer Polonaise bereits für Stimmung.
Die Dreigestirne kamen gemeinsam mit den Plaggeköpp unter großem Applaus in den Saal einmarschiert. „Wir sind schon seit gut zwei Wochen unterwegs, aber Veranstaltungen wie diese hier sind genau die Termine, für die wir Dreigestirn geworden sind“, sagte Prinz Niklas I. „Wir wollen nicht nur ein Dreigestirn für die großen Säle sein, wir wollen ein Dreigestirn für alle Kölsche sein.“
Nach einer Gesangseinlage mit dem Sessionslied „Mer dun et för Kölle“, bei dem das Publikum begeistert mitschunkelte, gingen die Tollitäten in die Menge. Schnell bildete sich eine Traube um sie. Besonders die Fasanenfedern des Prinzenhuts bekamen viel Aufmerksamkeit. Auch die aufwendigen Stickereien der Ornate, vor allem das Kölner Wappen, wurden aufmerksam ertastet, ebenso die Zöpfe der Jungfrauen. Das große wie auch das kleine Trifolium nahmen sich Zeit, sprachen mit den Jecken, hörten zu. Die Stimmung war ausgelassen und zugleich emotional: Viele umarmten die Dreigestirne, einige hatten Tränen in den Augen.

Nicht nur das Ornat: Auch die Zöpfe der Jungfrauen wurden ertastet.
Copyright: Thomas Banneyer
Das Abtasten der Ornate mag sich im ersten Moment gewöhnungsbedürftig anhören. Auch Bauer Clemens von Blanckart hatte vor der Blindensitzung Bedenken: „Ich habe mich vorher gefragt, ob es vielleicht komisch wird.“ Doch die Tuchfühlung war respektvoll, von einer seltsamen Atmosphäre keine Spur. Obwohl die Dreigestirne von Jecken umgeben waren, strahlten sie. „Es gab keine Berührungsängste“, erzählt von Blanckart. „Die Leute haben gestrahlt und waren total interessiert.“ Eine Frau sei vor Freude in Tränen ausgebrochen. „Da habe ich auch feuchte Augen bekommen.“
