Auch am Donnerstag fahren die KVB-Bahnen nicht.
Verkehr in KölnGähnende Leere und teure Alternativen - So erlebt Köln den KVB-Streik

Nächste Bahn: Kommt nicht. Die Gleise blieben am Dienstag auch am Neumarkt leer.
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Gähnende Leere auf dem sonst brechend vollen Bahnsteig an der Haltestelle Heumarkt. Dafür Verkehrschaos an der Rheinuferstraße und eine auffällig hohe Zahl an E-Scooter-Fahrenden, die sich rasant um die Fußgänger schlängeln. Es ist Streikzeit – das zweite Mal innerhalb von zwei Wochen und nun gleich drei Tage in Folge. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat erneut zu Streiks im öffentlichen Nahverkehr aufgerufen. Damit werden diese Woche an gleich zwei Tagen (Dienstag und Donnerstag) bei den Kölner Verkehrs-Betrieben (KVB) keine Bahnen und nur wenige Busse fahren. Bei den KVB kommt noch der Mittwoch hinzu, an dem keine Stadtbahnen auf die Schienen kommen, da dann gezielt die Werkstätten bestreikt werden.
An den Streiktagen werden nur Buslinien, die von Subunternehmern im Auftrag des Verkehrsunternehmens betrieben werden, an allen Tagen verkehren. Auch S-Bahnen und Regionalzüge fahren.
Kölnerinnen verärgert über die erneuten Streik
Für Kölnerin Inge Stahl eine Katastrophe: Sie musste am Montagvormittag pünktlich zum Arzt kommen und ein Taxi nehmen. Den Rückweg vom Ebertplatz zum Nippeser Gürtel muss sie zu Fuß bestreiten. Für den Streik habe sie wenig Verständnis: „Wenn sie einen höheren Tarif erstreiken, müssen wir wieder mehr bezahlen. Die Tickets sind jetzt schon viel zu teuer.“ Die 86-Jährige war bereist vor knapp zwei Wochen in die Bredouille gekommen als sie am 6. März einen Arzttermin wahrnehmen und ein Taxi bestellte musste, um pünktlich zu kommen. „Das kann ich nicht für hin und zurück bezahlen mit meiner Rente.“ Warum die Mitarbeitenden der Kölner-Verkehrs-Betriebe streiken, verstehe sie nicht, sie hätte sich allerdings auch nicht vertieft damit beschäftigt – und im Grunde es interessiere sie es auch nicht.
Die Musikerin Lena Lorberg musste sich mit ihrem Kontrabass aufs Rad schwingen, um von Nippes in die Südstadt zu kommen. „Für mich ist der Streik echt blöd, weil ich kein Auto habe und jeden Tag mit meinem Instrument einen echt weiten Arbeitsweg bis in die Musikschule fahren muss.“ Dort unterrichtet sie, fährt mehrmals am Tag hin und her, je nachdem wann sie Unterrichtsstunden gibt. Auf Alternativen zurückzugreifen sei gar nicht so leicht: „Die KVB-Räder sind an den Streiktagen meistens direkt vergriffen und E-Roller fahren ist super teuer.“
Auf dem Fahrrad durch das Verkehrschaos
Besser geht es den Kölnerinnen und Kölnern, die bei Streik auf einen eigenen Drahtesel zurückgreifen können, so wie Sarah Frahsek und Lena Soll. Die beiden ficht der Streik nicht an. Sie erledigen grundsätzlich alles zu Fuß oder eben mit ihren Fahrrädern. Sarah Frahseks Fahrradträger hat einen Kindersitz installiert: „Ich fahre super selten Bahn, eigentlich immer mit dem Fahrrad, mit dem Rad bringe auch die Kinder in die Kita. Ich gönne es den Mitarbeitenden, wenn sie mehr Geld verdienen.“ Auch Freundin Sonja Soll findet es gut, dass die Arbeitnehmer für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen und drückt die Daumen, dass der Streik für sie erfolgreich ausgeht.

Gähnende Leere auch in der unterirdischen KVB-Haltestelle am Neumarkt.
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Anahi Montes-Schön ist am Montag Vormittag am Eigelstein unterwegs. Normalerweise nutzt die zweifache Mutter den Bus, um ihre Kinder in die Kita zu bringen: „Zur Not geht das auch mit dem Fahrrad – jetzt, wo beide ein bisschen größer sind. Vor einem Jahr war es noch stressiger für uns.“
War der Streikaufruf für die Tage Dienstag und Mittwoch regional begrenzt, wird am Donnerstag auch in weiteren Bundesländern die Arbeit nieder gelegt. Die Ausgangslage ist in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich, weil jeweils vor Ort ein Manteltarifvertrag zwischen den Verkehrsunternehmen und dem Verband der Kommunalen Arbeitgeber geschlossen wird. Verdi fordert eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit und Schichtzeiten, die Verlängerung der Ruhezeiten, aber auch höhere Zuschläge für Arbeit in der Nacht und am Wochenende. Ziel der Gewerkschaft ist es nach eigenen Angaben, die Belastungen der Beschäftigten durch extrem ungünstige Arbeitszeiten, Schichtarbeit und ständigen Zeitdruck abzubauen, um die hohe Fluktuation in den Betrieben zu stoppen und wieder verlässlich Fachkräfte zu finden. „Wir stehen in Nordrhein-Westfalen – nun bereits im dritten Monat dieser Tarifrunde – immer noch ohne spürbare Fortschritte da“, erklärte Heinz Rech, Verdi-Verhandlungsführer in NRW in dieser Woche: „Unsere Beschäftigten arbeiten seit Jahren unter massiv belastenden Bedingungen. Jetzt brauchen wir ein konkretes Angebot am Verhandlungstisch, welches den Forderungen der Beschäftigten gerecht wird.“ Da die Arbeitgeberseite in NRW bislang keine ausreichenden Angebote vorgelegt habe, sei der Druck durch Arbeitsniederlegungen notwendig. Während in einzelnen Bundesländern bereits Einigungen erzielt worden seien, liege auch nach zwei Verhandlungsrunden in NRW kein verhandlungsfähiges Angebot vor.
