Abo

Großdemo in Köln10.000 Menschen protestieren für Kurden in Syrien

3 min
Weitestgehend friedlich: Über 10.000 Menschen nahmen an der Demonstration am Wochenende teil.

Weitgehend friedlich: Über 10.000 Menschen nahmen an der Demonstration am Wochenende teil.

Tausende Menschen zogen am Wochenende durch Deutz und die Innenstadt, um Solidarität mit der kurdischen Bevölkerung in Syrien zu bekunden.

Ein langer Demonstrationszug mit gelb-rot-grünen Flaggen – den Farben Rojavas – strömten am Wochenende zur Deutzer Werft. Rojava, so wird das faktisch autonome Gebiet im Norden Syriens genannt, wird von den kurdisch geführten Demokratischen Kräften Syriens (SDF) verwaltet. Mehr als 10.000 Demonstrierende zogen von dort über die Deutzer Brücke in Richtung Innenstadt. Ihr Ziel: Ihre Solidarität mit den Kurdinnen und Kurden in Nordsyrien bekunden.

Unter den Demonstrierenden waren die Kurdinnen Arin und Leyla. In ihren Händen hielten die beiden Frauen, die in Deutschland studiert haben, Schilder mit Slogans in die Luft wie „Stoppt das Töten, schützt Kurden“ und „Keine Zukunft mit Dschihadisten“. „Die Lage dort ist katastrophal. Die Menschen dort kommen nicht an Lebensmittel, Wasser oder Medizin“, erzählt Arin. „Sie müssen Schnee schmelzen, um überhaupt noch etwas zum Trinken zu haben.“

Hintergrund des Konflikts ist die Frage, wie die kurdische Bevölkerung in das neue syrische Staatsgefüge integriert werden soll. Die Kurdinnen und Kurden wollen Autonomie, die syrische Regierung will die Kurdengebiete kontrollieren. Seit vergangenem Dienstag (20. Januar) ist eine viertägige Waffenruhe in Kraft getreten, die am Samstag um 15 Tage verlängert wurde.

Das Zeigen von Zöpfen gilt bei vielen als Protest.

Das Zeigen von Zöpfen gilt bei vielen als Protest.

Auch viele Nicht-Kurden demonstrierten mit. Einer von ihnen ist Mika. „Ich bin hier, weil die islamische Miliz in Syrien versucht, Rojava zu zerstören“, erzählte der junge Mann. „Rojava ist das progressivste Projekt in der Region, in dem Männer und Frauen wirklich gleichberechtigt sind.“ Er ergänzt: „Die Grausamkeiten gegen die Kurden muss ein Ende finden.“

Zöpfe als Zeichen des Protests

Viele demonstrierende Frauen waren mit abgeschnittenen Flechtzöpfen in den Händen zu sehen. Hintergrund ist ein in den vergangenen Tagen verbreitetes Video, das einen Mann zeigt, der mutmaßlich mit dem abgeschnittenen Haarzopf einer SDF-Kämpferin prahlt. Frauen und Mädchen flechten seither symbolisch ihre Haare zu Zöpfen, um auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen.

Arin und Leyla sind enttäuscht von der mangelnden Reaktion der Europäischen Union. „Die Kurden haben damals in Kobanê gegen den Islamischen Staat gekämpft und bekommen jetzt nicht einmal Unterstützung“, so Leyla. Ihr größter Wunsch: „Wir wollen, dass unsere Leute in Frieden leben können“. Dafür wollen sie sich auch weiterhin einsetzen und kündigten an, auch bei den kommenden Demos in Nordrhein-Westfalen dabei zu sein. „Schweigen tötet!“, sagte Leyla.

Der Protest begann pünktlich um 14 Uhr und setzte sich von der Deutzer Werft aus Richtung Innenstadt in Bewegung. Laut Aussage der Polizei blieb es weitgehend friedlich. Gegen 18 Uhr gab es eine Großkundgebung auf der Deutzer Werft, danach hatte sich die Versammlung aufgelöst. Die Beamten hatten vorab angekündigt, bei unfriedlichen Aktionen entschlossen durchzugreifen. Vergangene Woche war es im Rahmen einer pro-kurdischen Demo in Dortmund zu Ausschreitungen gekommen. Dabei wurden sieben Polizisten verletzt.