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Hansa-Gymnasium KölnSchüler berichten über ihre Reise nach Auschwitz

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Schüler stehen vor einer Wand mit Schwarz-Weiß-Fotos.

Die Oberstufenschüler des Hansa-Gymnasiums reisten nach Auschwitz.

Die zukünftigen Abiturienten berichteten von ihren Erfahrungen im Zuge der Gedenkstättenfahrt ins größte Vernichtungslager der Nationalsozialisten. 

„Man ist ja kein Mensch. Wenn man eine Nummer ist, ist man eine Nummer“, beginnt Mila Odendahl mit einem Zitat der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer (1921–2025) ihren Essay über den Besuch im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Die Oberstufenschülerin gehörte mit 26 weiteren Jugendlichen und jungen Erwachsenen zur Reisegruppe des Hansa-Gymnasiums, die sich vom 7. bis 14. Februar dieses Jahres auf eine Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz und Krakau begab. Ihre persönlichen Erinnerungen teilten die 18- und 19-Jährigen nun in der Aula mit Interessierten.

Ein Mädchen und ein Junge sitzen an einem Tisch, der junge Mann liest etwas vor.

Schüler des Hansa-Gymnasiums berichteten in der Aula der Bildungseinrichtung von der Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz und Krakau.

In einer  Rückschau baten die zukünftigen Abiturienten darum, auf Applaus für die Vorträge zu verzichten. Die Veranstaltung wurde vom Oberstufenchor des Hansa-Gymnasiums musikalisch begleitet. Friedländers Ausspruch stelle eine Erfahrung dar, die von Grausamkeit nicht zu übertreffen sei, so Mila. „Er beschreibt den Moment, in dem den Menschen ihr Menschsein genommen wird, durch Gewalt und systematische Entwürdigung. Unser Besuch in Auschwitz machte diesen Satz auf erschütternde Weise greifbar“, sagte die Zwölftklässlerin. Vor der jährlichen Fahrt erfolgte demnach eine intensive Vorbereitung, unter anderem durch Arbeiten während einer Projektwoche. Dabei wurden mehrere Themen als Referate vorbereitet, etwa die damalige Situation der jüdischen Bevölkerung in Polen und Deutschland, das Euthanasie-Programm der Nazis sowie die Unterdrückung von Sinti und Roma. Darüber hinaus wurden Einzelschicksale beleuchtet.

50 Kölner Gymnasiasten reisten nach Auschwitz

Wie in den Vorjahren hatten sich rund 50 Schüler für die Reise angemeldet. Die freien Plätze mussten daher ausgelost werden. „Als wir schließlich losfuhren, mit all dem Wissen im Hinterkopf, war ich gespannt, welche Gefühle der Besuch in den Lagern in mir auslösen würde. Ich stellte mir die Frage, ob ich über meine Betroffenheit hinaus auch eine persönlichere, emotionalere Verbindung zu den Leiden der Opfer empfinden würde“, sinnierte die Schülerin. Dies sei zunächst ausgeblieben, vielleicht als Abwehrmechanismus des Bewusstseins gegen eine Überforderung durch die Konfrontation mit so viel Leid und Unmenschlichkeit, vermutete die junge Frau. Es ginge jedoch vielmehr darum, sich mit der Frage zu beschäftigen, wie Menschen zu Tätern werden konnten, und sich zudem mit der eigenen Verantwortung auseinanderzusetzen, weiter an das Geschehene zu erinnern und die Namen wieder sichtbar zu machen, die einst ausgelöscht wurden“, so Mila Odendahl.

Von ähnlichen Erfahrungen berichtete Lis Berger: Die Vorstellung, an dem Ort zu sein, wo Kinder, Frauen und Männer auf bestialische Weise umgebracht wurden, habe klares Denken verhindert. Sie habe sich während der wenigen Tage selbst noch einmal neu kennengelernt: „Ich bin froh, dass ich mich getraut habe, diesem Verbrechen meiner Vorfahren in die Augen zusehen. Es ist unglaublich wichtig, sich mit dem Thema zu beschäftigen und nicht damit aufzuhören, weiter aufzuklären. Kein junger Mensch sollte sich fragen müssen, was der Holocaust war. Denn wir sind die Generation, die dafür sorgen muss, dass ein solches Verbrechen nie wieder passiert“, betonte die Gymnasiastin in ihrem Aufsatz.

Historisches Bewusstsein der Kölner Schüler geschärft

Im Rahmen der Reise besuchten die Schüler auch Krakau. Dort fand im Jewish Community Centre ein Gespräch mit dem Zeitzeugen Bernard Offen statt. Über die Auswirkungen der Fahrt informierte Lehrer Norbert Grümme: Die Schülerinnen und Schüler sind während und nach der Reise und dem gesamten Projekt nachhaltig sehr stark sensibilisiert und interessiert. Zudem wird ihre politische Bildung tiefgreifend gefördert und ein historisches Bewusstsein als Hintergrund für das Verständnis der heutigen politischen und gesellschaftlichen Situation sowie Entwicklung geschaffen.“ In einer Zeit des zunehmenden Antisemitismus sowohl im rechten als auch im linken Spektrum sei das 2012 erstmals initiierte Projekt nicht ersetzbar, erklärte der Pädagoge gegenüber dieser Zeitung.