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„Hier fühle ich mich safe“Drag Queen Pam Pengco zeigt ihre Lieblingsorte in der City

6 min
Ein als Frau mit langem blonden Haar verkleideter Mann sitzt in einem roten Cabrio. Im Hintergrund sind Fassaden mit Regenbogen-Deko zu sehen.

David sitzt als Drag Queen in einem roten Cabrio in der Schaafenstraße.

Drag Queen Pam Pengco ist ein Aushängeschild für die queere Community in Köln. Ihr Geld verdient sie als Comedy-Künstlerin und Moderatorin des Bitchy Bingo. 

Mit perfektem Make-up und einer blonden Perücke steht Pam Pengco auf der Brücke über dem kleinen Teich im Mediapark. Passanten schauen neugierig herüber. Pam lächelt. „Ich habe zwei Veedel, in denen ich mich bestens auskenne, die ich liebe und in denen ich mich sicher fühle. Egal, ob ich als schwuler Mann oder als Drag Queen unterwegs bin“, sagt die Kölner Drag-Künstlerin.

Der Spaziergang beginnt rund um den Mediapark. Hier lebt David, wie Pam mit bürgerlichem Namen heißt, seit 17 Jahren. Zwischen Bürogebäuden, Cafés und den Grünflächen des Stadtgartens kennt er nahezu jede Ecke. Eigentlich wollte er Lehrer werden, jobbte während seines Studiums im Cinedom, verkaufte Popcorn, kontrollierte Tickets – und entdeckte dabei sein Talent und die Leidenschaft, auf der Bühne zu stehen und Menschen zum Lachen zu bringen.

Eine Drag Queen mit blonder langer Perücke und schwarzem Mantel steht auf einer Brücke, im Hintergrund ist der Mediapark-Turm zu sehen.

Pam Pengco steht auf der Brücke über den Teich im Mediapark.

„In der Nähe des Kinos habe ich damals zufällig das ehemalige Dirk-Rinck-Theater entdeckt. Dort gab es jeden Sonntag Travestie-, Comedy- und Drag-Shows. Irgendwann habe ich mich überreden lassen, aufzutreten. Im April 2013 stand ich zum ersten Mal auf der Bühne. Ich bekam so viel Applaus – das war ein Rausch. Da habe ich beschlossen: Das machst du jetzt jede Woche. Und so ist Pam entstanden.“

Pam Pengco ist Davids Künstlername. 2020 überzeugte er mit Schlagfertigkeit und Humor die Jury von „Das Supertalent“, war anschließend Sidekick von Chris Tall bei „Darf er das? Live!“, trat als DJane bei „Take Me Out – XXL“ auf und gehörte zur Jury der RTL-Sendung „Viva la Diva – Wer ist die Queen?“.

In zwei Stunden verwandelt sich David in die Drag Queen Pam Pengco

„Ich arbeite mittlerweile fünf Tage die Woche. Solo-Shows, Comedy, Stand-up – eigentlich wie ein ganz normaler Arbeitnehmer, nur eben meistens in der Abend- und Nachtschicht. Drag ist mein Beruf. Ansonsten bin ich David, ich bin gerne ein Mann und genieße es auch, wenn ich mich abschminken darf. Aber Pam ist für mich auch keine Kunstfigur. Auf der Bühne spiele ich keine Rolle. Pam ist mein gepimptes Ich.“

Rund zwei Stunden braucht David, um sich in Pam zu verwandeln. Als Autodidakt hat er gelernt, sich professionell zu schminken, zu stylen und in Szene zu setzen. „Ich habe zu Hause zwei Kleiderschränke – einen für David und einen für Pam. Mittlerweile besitze ich über 30 Perücken in allen Farben und jede Menge Schuhe. High Heels in Größe 43 zu finden, ist allerdings nicht ganz so einfach. Meine Sachen kaufe ich am liebsten in Second-Hand-Läden.“

Ein Backsteingebäude mit dem Schriftzug „Filmhaus“ über dem Eingang steht an einer Straße.

Im Filmhaus in der Maybachstraße befand sich das Dirk-Rinck-Theater, David stand hier 2013 erstmals  auf der Bühne

Während des Spaziergangs setzt sich Pam auf eine Bank im Stadtgarten. Die Grünanlage neben dem Mediapark gehört zu ihren Lieblingsorten. „Ich mag das Leben in der Stadt, den Trubel und die kurzen Wege. Aber ich brauche auch mal Ruhe. Deshalb komme ich privat als David oft hierher, mit Freunden und Picknickdecke. Hier kann ich die Seele baumeln lassen und entspannen.“

Viele Passanten schmunzeln, andere schütteln den Kopf

Vom Stadtgarten geht es weiter Richtung Kaiser-Wilhelm-Ring. Auf dem Weg werden die Reaktionen auf die auffällige Drag Queen sichtbar. Während viele Männer demonstrativ wegschauen, schenken Frauen ihr ein Lächeln. Einige ältere Passanten schmunzeln, andere schütteln den Kopf. Pam nimmt es gelassen. Selbstbewusst überquert sie den Ring und bleibt an einem der Springbrunnen stehen.

Ein Mann sitzt am Rand des Springbrunnens am Kaiser-Wilhelm-Ring.

Die Grünanlage mit Springbrunnen am Kaiser-Wilhelm-Ring ist einer der Orte in Köln mit Flair, findet David.

„Dieser Grünstreifen mitten zwischen den Straßen, die Bäume und die Bänke – das hat Flair. Der Kaiser-Wilhelm-Ring ist keine Shoppingmeile, aber als Flaniermeile ist dieser Abschnitt einer der schönsten der Kölner Ringe. Deshalb ist das mein Veedel“, sagt sie und blickt über die Allee.

Doch ihr eigentliches Herzensveedel wartet noch einige hundert Meter weiter Richtung Rudolfplatz. Beruflich ist Pam regelmäßig auf Comedybühnen wie der Volksbühne, im NightWash Club oder im Exile an der Schaafenstraße zu sehen. Die Wege als Pam sind zu unsicher, deshalb fährt sie zu ihren Auftritten entweder mit dem Auto oder mit dem E-Roller. Alternativ schminkt David sich erst vor Ort, um Anfeindungen unterwegs aus dem Weg zu gehen.

Eine Drag Queen mit langer blonder Perücke steht hinter dem Tresen einer Bar neben einem Mann im braunen Pulli mit Dreitagebart.

Pam steht neben dem Betreiber der Exile Bar Sascha Knue. Hier findet jeden Mittwoch ihr „Bitchy Bingo“ statt.

„Ich versuche, Gefahren aus dem Weg zu gehen. Ich bin ständig auf der Hut. Aber egal ob als schwuler Mann oder als Drag Queen: Ich wurde in Köln schon beleidigt, angegriffen und sogar geohrfeigt. Köln ist bunt und offen, aber Idioten gibt es leider überall. Das hat nichts mit einer bestimmten gesellschaftlichen Schicht zu tun. Die meisten Anfeindungen kommen allerdings von Männern.“

Clubs und Bars reihen sich in der Kölner Schaafenstraße aneinander

Schließlich erreichen wir die Schaafenstraße – das zweite Veedel in Davids Herzen. Tagsüber wirkt die Straße unscheinbar. Doch für die queere Community Kölns ist sie seit Jahrzehnten ein zentraler Treffpunkt. Auf kaum 150 Metern reihen sich Bars, Clubs und Kneipen aneinander.  „Hier fühle ich mich wohl. In Köln gibt es eine Handvoll Straßen, auf denen ich so sein kann, wie ich möchte, ohne mich um meine Sicherheit zu sorgen.“

Vor dem Exile bleibt sie stehen. Im Fenster der Bar hängt ein Plakat: „Jeden Mittwoch Bitchy Bingo mit Pam“. Sogar einen Pam-Cocktail gibt es. Und auch Politik spielt in ihrem Programm eine wichtige Rolle. David ist davon überzeugt, dass Drag politisch sein kann und muss. „Bei meiner Bingo-Show trage ich oft Blau.“ Nicht wegen der AfD. „Diese Farbe holen wir uns zurück. Wir setzen damit ein Zeichen. Die Menschen hören zu. Meine Botschaft lautet: Wenn ihr möchtet, dass die Welt offen und bunt bleibt, dann nutzt eure Stimme bei Wahlen. Schaut nicht weg. Schaut in die Geschichtsbücher.“

Eine Straße ist mit Girlanden in Regenbogenfarben dekoriert.

Im Juni, dem Pride Monat wird  die Schaafenstraße immer in Regenbogenfarben geschmückt.

Der Juni ist Pride Month. Die Schaafenstraße erstrahlt dann in Regenbogenfarben. Für viele ist es ein Monat voller Freude, Sichtbarkeit und Gemeinschaft. Höhepunkt ist der Christopher Street Day. „Mein erster CSD in Köln war 2007. Damals war ich noch ungeoutet und heimlich dort. Ich hätte nie gedacht, dass ich nur wenige Jahre später selbst als Drag Queen Teil der Demonstration und des Bühnenprogramms sein darf. Dieses Jahr werde ich auf dem 1Live-Wagen mitfahren. Ich genieße das Straßenfest rund um den Heumarkt und gehe gerne auf Partys. Aber wer feiern kann, kann auch demonstrieren.“

Für David ist der CSD weit mehr als eine Parade: „Es ist eine Demonstration. Die Botschaft ist wichtig. Wir möchten niemandem etwas wegnehmen. Wir wollen einfach genauso friedlich leben wie alle anderen. Gerade heute ist der CSD wichtiger denn je. Er zeigt, dass es uns gibt. Der CSD ist einer der wenigen Tage, an denen die Stimmung in der ganzen Stadt unbekümmerter und friedlicher wirkt. Das müsste eigentlich jeden Tag so sein.“

Nach dem Feiern ein Poldi-Döner

Gleichzeitig beobachtet David mit Sorge die Entwicklung im Netz. „Der CSD wird größer, aber gleichzeitig wird auch der Hass größer. In den sozialen Medien gehören Beleidigungen inzwischen zum Alltag. Hass im Netz muss konsequenter bestraft werden.“ Von der Politik wünscht sich David mehr Rückendeckung für queere Menschen. Der Schutz der sexuellen Identität sollte ausdrücklich im Grundgesetz verankert werden, erkämpfte Rechte müssten dauerhaft gesichert werden.

Für besonders lange Nächte gibt es noch einen ganz persönlichen Köln-Tipp: „Nach dem Feiern esse ich am liebsten einen Podolski-Döner. Ich mag Lukas Podolski. Er steht für Köln. Sein Satz ‚Ob schwul, ob lesbisch – driss egal‘ bringt es eigentlich auf den Punkt. Und das als Fußballer.“


Pam Pengcos Tipps:1) Secondhand-Läden wie Humana auf dem Rudolfplatz oder Vintage & Rags auf dem Hohenzollernring2) Einen Podolski-Döner3) Einen Besuch einer ihrer Shows4) Einen Spaziergang durch den Stadtgarten