Der geplante Wohnkomplex in Weiden empört Bürgerinitiativen, die um Grünflächen und Verkehrsprobleme in Junkersdorf und Weiden fürchten.
Im „Grünzug West“Bürger demonstrieren gegen Wohnungsbau auf Gartencenter-Gelände

Der Gartenbaubetrieb Müller an der Ignystraße
Copyright: Susanne Esch
Wütende Bürger und Bürgerinnen demonstrierten unlängst vor dem Gartenbaubetrieb Müller an der Ignystraße. Nun haben sie zudem mit einer Petition rund 1250 Unterschriften gesammelt. Sie fordern, dass auf dem Grundstück des Gartencenters kein Wohnkomplex errichtet werden darf. Die Stadtverwaltung arbeitet derzeit an einer neuen Vorlage, die sie der Politik nach der Sommerpause zum Beschluss vorlegen will. Damit soll ein vorhabenbezogener Bebauungsplan auf den Weg gebracht werden, der es ermöglicht, auf dem Areal große Wohngebäude zu errichten.
Pläne scheiterten bereits einmal
Aus Sicht der Bürger und Bürgerinnen ist das Verrat: „Man hat uns belogen und betrogen“, sagt Astrid Franzen, Vorsitzende der Bürgerinteressengemeinschaft Junkersdorf. Das Areal gehöre eindeutig zum „Grünzug West“, dessen Vollendung den Bürgern und Bürgerinnen schon lange versprochen wurde.

Astrid Franzen, Vorsitzende der Bürgerinteressengemeinschaft Junkersdorf, vor dem Gartenbaubetrieb Müller an der Ignystraße.
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Mit dieser Begründung hatte sich auch die Bezirkspolitik Lindenthal vor sieben Jahren gegen die Pläne des neuen Eigentümers Dana Invest ausgesprochen, auf dem Areal 500 Wohnungen zu errichten. Der Stadtentwicklungsausschuss – die höhere Instanz – hatte die Pläne allerdings zunächst gebilligt. In der Sitzung der Bezirkspolitik wies der Vertreter des Stadtplanungsamtes darauf hin, dass sich das Areal im Grünzug West befinde. Die Bezirkspolitik votierte gegen die Bebauung. Die Planungen kamen zum Erliegen.
Rund 450 Wohnen mit Tiefgarage, Kita und Bürgerzentrum
Nun versucht Dana Invest einen zweiten Anlauf: Rund 450 Wohneinheiten sollen auf dem Gelände entstehen. Michael Vesper, Partner der Ole-von-Beust-Beratungsgesellschaft, die den Investor unterstützt, erläutert die Pläne genauer: „Die Wohngebäude sollen eine Tiefgarage erhalten und überwiegend auf den bereits versiegelten Flächen im Westen und auf den beiden Ecken zur Ignystraße gebaut werden.“ Bei 30 Prozent der Wohnungen soll es sich um geförderten Wohnungsbau handeln. Der Rest bestünde aus freifinanzierten Mietwohnungen und Eigentumswohnungen, darunter auch Seniorenwohnungen. Daneben sollen eine Kita, ein Quartiershaus als Bürgerzentrum und sozialer Treffpunkt, ein Café und eventuell ein Lebensmittelmarkt entstehen. Diese Pläne können allerdings im Zuge der Aufstellung eines Bebauungsplans konkretisiert werden. Dann würde auch ein Verkehrsgutachten erstellt.
Streit um Zukunft des Areals
Der Kritik der Bürger und Bürgerinnen hält er eines entgegen: „Sie haben keine Antwort auf die Frage, was nach dem Wegzug des Gartenbaubetriebes mit dem Grundstück geschehen soll.“
Die Bürgervereine betonen, dass sie für die Lösung des Problems nicht verantwortlich seien. Schließlich handele es sich um Privateigentum. Der Gartenbaubetrieb sei dem Voreigentümer dort nur ausnahmsweise unter Auflagen erlaubt worden – mit dem Versprechen, dass er wieder zurückgebaut würde, wenn er schließt oder wegzieht.
„Der Flächennutzungsplan sieht dort ausschließlich Grün vor“, sagt Viviane Fröhling, Vorsitzende der Bürgergemeinschaft Weiden. Die Politik könne Pläne allerdings ändern. Daher halte sie den Streit, ob das Gebiet sich nun tatsächlich (noch) im „Grünzug West“ befinde, für zweitrangig.
Bedarf an Grünflächen und Verkehrsprobleme in Weiden-Süd
Entscheidend sei, dass große Teile des Grundstücks Landschaftsschutzgebiet und in dem 2023 verabschiedeten Masterplan Stadtgrün als „Immergrün“ vorgesehen seien. Für das Bauvorhaben in der genannten Größe, müsse aber ein Teil dieser Grünflächen geopfert werden. „Die Stadt kann doch nicht mit einem Riesenaufwand so einen Plan aufstellen und sich dann nicht daranhalten“, sagt Fröhling. „Das führt zu einem Vertrauensverlust in der Bevölkerung.“

Das Areal des Gartenbaubetriebes Müller liegt eingebettet im Grün.
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Im Kern gehe es den Bürgern und Bürgerinnen, um den Erhalt von wichtigen Grün- und Freiflächen. Weiden sei im Süden übermäßig bebaut. Zusätzliche Grünflächen würden dringend benötigt. Auch aus verkehrstechnischen Gründen sei das Bauprojekt problematisch. „Die Ignystraße ist nur über die Jungbluthgasse mit ihrer schmalen Brücke sowie nach Norden über die Breslauer Straße erschlossen.“ Diese Verkehrsachsen seien bereits heute überlastet und könnten den Mehrverkehr, den 500 Wohneinheiten verursachen, nicht aufnehmen. Über die schwierige Lösung des Konfliktes werden nun bald politische Gremien entscheiden.
