Wahlkölnerin Negah Amiri liebt das Belgische Viertel. Beim Spaziergang erklärt sie kulturelle Unterschiede zwischen der iranischen und der deutschen Kultur.
Mein VeedelMit Comedienne Negah Amiri durchs Belgische Viertel
Negah Amiri ist schon da, im Café Heilandt an der Bismarckstraße, das sie als Treffpunkt vorgeschlagen hatte. In der einen Hand hält sie ihr Smartphone, in der anderen den Flat White mit Hafermilch. Für die 32-Jährige sind beides lebenswichtige Utensilien. „Ich bin ein totaler Kaffee-Addict“, sagt die aus dem Iran stammende Stand-up-Comedienne und Wahlkölnerin. „Kaffee hält mich am Laufen, das Handy ist mein Arbeitsgerät.“ Tatsächlich war ein Facebook-Beitrag der Startpunkt ihrer Karriere, die sich noch immer im Internet abspielt, aber heute größtenteils auf echten Bühnen.
Amiri kam mit elf nach Deutschland
Amiri floh mit elf Jahren mit ihren Eltern aus ihrer Heimatstadt Sari nach Deutschland. „Meine Eltern wollten und konnten die Restriktionen im Alltag nicht mehr aushalten.“ Ein Umfeld, das aber dazu führte, dass in ihrer Familie viel gelacht wurde. „Humor war unsere Waffe, um mit den Umständen klarzukommen“, erinnert sich Negah Amiri, die sich im Jahr 2005 schließlich in einer Hauptschule in Wiesbaden wiederfand.

Comedienne Negah Amiri ist ein Coffee-Addict. Am liebsten trinkt sie ihn im Café Heilandt.
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Ich musste dort viel aushalten, die anderen mobbten mich, schon wegen meines Namens. So legte sich Amiri früh ein dickes Fell zu, eine Rolle, die sie in ihrer Jugend notgedrungen einübte, ist nun Teil ihres Bühnenprogramms. Provokant und frech kommt sie rüber, wenn sie etwa über Männer im Fitnessstudio und Tiktok-Posts spricht. Wieder setzt sie Humor als Mittel ein, mit einem unwirtlichen Umfeld umzugehen.

Der Brüsseler Platz
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„Ich konnte immer schon gut über mich selbst lachen“, erzählt die zierliche Frau mit den strahlenden Augen und der angeblich zu großen Nase dann später, als wir vom Café Heilandt aus Richtung Grüngürtel laufen. Ihre vermeintlich große Nase nahm sie nämlich schließlich selbst in besagtem Facebook-Post aufs Korn, der Beitrag ging viral. Das Adjektiv ist in der digitalen Welt ein Gütesiegel, bedeutet es doch, dass der Beitrag vielfach geteilt wurde und sehr viele Menschen erreichte.

Negah Amiri steht am Eingang des Stadtgartens.
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Es folgten weitere Posts, schließlich kam sie in Kontakt mit ihrem ersten Management. „Dann fand ich mich auf einmal auf einer Bühne in Augsburg wieder. So weit hatte ich eigentlich nie gedacht, ich wollte zunächst mit meinen Posts weitermachen. Der Schritt, live aufzutreten, war für mich immer ganz weit weg.“
Vor sechs Jahren zog sie nach Köln. Inzwischen tourt Negah Amiri mit ihrem Soloprogramm „Schön laut“ durch die Republik, ist ein gern gesehener Gast in „Open Mic Shows“, wie im Kölner Comedy Club Night Wash oder im Gloria, aber auch in Kabarett-TV-Formaten wie Die Anstalt. Sie selbst ist regelmäßig beim WDR als Moderatorin der Youngstars-Ausgabe von Ladys Night zu sehen, bei der sie gern und viel über eins ihrer Lieblingsthemen spricht: Männer. Als Co-Gastgeberin des FOMO Club-Podcasts testet Amiri außerdem wöchentlich mit ihrer Freundin, der Comedienne Maria Clara Groppler, die neusten Trends und spricht darüber, was gerade im Internet los ist.

Für jeden Spaß zu haben: Comedienne Negah Amiri auf dem Brüsseler Platz.
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Vom Grüngürtel biegen wir wieder ab auf die Venloer Richtung Innenstadt. Am Stadtgarten bekommt sie Hunger und holt sich eine gemischte Falafel- und Fleischplatte. Weil sie Rosen mag, posiert sie am Eingang des Stadtgartens, aber: „Im Iran duften die Blumen viel besser, hier riechen sie nach nichts.“ Weiter geht es über die Brüsseler Straße Richtung Brüsseler Platz. An ihrem Pilates-Studio gehen wir vorbei, es läuft gerade ein Kurs, stören wäre unhöflich. „Pilates mit Geräten ist mein Ding gerade. Vorher bin ich viel gejoggt, sogar Marathon gelaufen, aber zur Zeit habe ich dazu weniger Lust“, erzählt Amiri.

Ein Mittagssnack vom Imbiss gegenüber dem Stadtgarten: Negah Amiri mag Falafel, aber auch Fleisch.
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In ihrem Soloprogramm geht es auch viel um kulturelle Unterschiede. „Auf Persisch jemanden zu begrüßen dauert alleine fünf Minuten. Perser sind wahnsinnig höflich und sagen Dinge wie: Ich bin Deine Dienerin und werde mich für Dich opfern. Da denken die Deutschen gleich, ich bin eine Selbstmordattentäterin.“ Auch Formulierungen wie „Ich esse deine Leber“, was im Persischen einer Person sagt, die man süß findet, seien nicht unmittelbar ins Deutsche übertragbar.
Schöne Dinge im Laden „Schee“
Amiri fühlt sich inzwischen, zumindest was die Konversation angeht, sehr Deutsch. „Wenn ich mit meinen Verwandten im Iran spreche, denke ich auch schon immer: Mensch, komm auf den Punkt“. Wir laufen am Brüsseler Platz vorbei und biegen in die Maastrichter Straße ein. Hier will Amiri noch ihren absoluten Lieblingsladen zeigen, das Schee. Hier gibt es so schöne Dinge. Auch wenn ich Besuch bekomme, schleppe ich die Leute immer hierher. Sie vermutet, dass sie den Laden so sehr mag, weil sie als Kind im Iran viel bunte Werbung bei Super RTL geschaut hat. Vor allem die Babyborn-Puppe hatte es ihr angetan. Aber weil wir nicht verstanden haben, wo es die gibt, habe ich sie am Ende nie bekommen. „Das ist jetzt Überkompensation“, sagt Amiri grinsend. Denn über sich selbst Witze machen, das liegt ihr einfach.
Negah Amiris Tipps1) Café Heilandt, Bismarckstraße 412) Grüngürtel und Stadtgarten zum Flanieren3) Pilates-Studio YTTP, Brüsseler Straße 934) Schee, Maastrichter Straße 36
Zur Person
Negah Amiri (Jahrgang 1993) wurde in Sari, einer Stadt im Norden des Iran geboren. Im Alter von elf Jahren kam sie mit ihren Eltern nach Deutschland. In Wiesbaden ging sie zur Schule, studierte nach ihrem Fachabitur Angewandte Medien und Media Acting in Frankfurt am Main. Nach Stationen als Radiomoderatorin, begann sie, lustige Beiträge in den Sozialen Medien zu posten. Erste Bühnen-Auftritte fanden auch in Köln statt. Seit dem letzten Jahr ist sie mit ihrem neuen Soloprogramm „Schön laut“ unterwegs. Am 5. November macht sie Station in der Galerie am Schloss in Brühl und am 18. Dezember im Night Wash Club in Köln. www.negah-amiri.de
